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Aus der Stadt LKA-Profiler schreibt Krimi
Hannover Aus der Stadt LKA-Profiler schreibt Krimi
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10:42 13.09.2018
„Wir bleiben meist im Hintergrund“: Profiler Carsten Schütte präsentiert seinen ersten Krimi. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Der Mörder schlägt bevorzugt in der Eilenriede zu. Mit 27 Messerstichen hat er die junge Joggerin dort niedergemetzelt, und sie war schon sein drittes Opfer. „Der Krimi ist ein fiktives Buch, die Taten beziehen sich nicht auf reale Fälle“, versichert Carsten Schütte, der mit 57 Jahren jetzt sein Erstlingswerk „Im Fokus“ (CW Niemeyer, 284 Seiten, 13 Euro) vorgelegt hat. Er muss das betonen, denn Autor Schütte hat mit seinem Ermittler Thorsten Büthe eins gemein: beide arbeiten beim Landeskriminalamt (LKA) am Waterlooplatz in der Operativen Fallanalyse. In amerikanischen Filmen nennt man Polizisten wie sie Profiler.

„Mancher Kollege wird sich im Buch wiedererkennen“, sagt Schütte lächelnd. Auch Hannoveraner können Vertrautes entdecken: In seinem Buch zeigt sich das Ihme-Zentrum von seiner düstersten Seite, und Schütte wirft einen Blick hinter die Fassaden der Kirchröder High Society. Der Krimi bietet viel Lokalkolorit, viel Spannung und reichlich Tote. Vor allem bietet er ziemlich authentische Einblicke in die Polizeiarbeit – die allerdings stilistisch teils staubtrocken wie ein Polizeibericht daher kommen („Eine ergänzende Aufgabe der vergleichenden Serienmordanalyse ist eine mögliche Prognoseerstellung ...“).

Menschliche Abgründe

„Es war mein Jugendtraum, Polizist zu werden – und ich würde es jederzeit wieder machen“, sagt Schütte. Als Personenschützer beim Bundeskriminalamt wachte er über die Sicherheit von Politikern wie Helmut Kohl und Ronald Reagan, unter anderem war er später bei der Kripo für Tötungs- und Sexualdelikte zuständig, und seit 2002 ist er bei der Operativen Fallanalyse. „Es gab seither kaum einen spektakulären Mordfall in Niedersachsen, mit dem wir nicht zu tun hatten – allerdings bleiben wir meist im Hintergrund“, sagt der Autor.

Profiler wie er vergleichen Taten, suchen nach Mustern – und blicken in menschliche Abgründe. „Es gibt Fälle, mit denen man einschläft und aufwacht“, sagt er. Da sei es wichtig, ein Gegengewicht im Privaten zu haben. Wie sein Ermittler Büthe hat auch Schütte zwei erwachsene Töchter und war in seiner Freizeit gelegentlich als Hochzeitsfotograf unterwegs: „Ein Stück heile Welt am Wochenende“, wie er sagt.

Es wäre jedoch falsch, in seinem Roman das düstere Produkt einer Schreibtherapie zu sehen. „Ich gehe einfach gerne durch eine Tür, wenn sie sich öffnet“, sagt Schütte. Krimiautorin Nané Lénard, die er vor Jahren bei einem Krimidinner kennenlernte, holte sich für ihre „Schattenkrimis“ wiederholt Rat bei ihm – und riet ihm irgendwann, doch selbst einmal ein Buch zu schreiben. Im Kroatienurlaub setzte Schütte sich dann beim Weißwein an den Computer. „Zehn Seiten vor dem Ende wusste ich selbst noch nicht, wie es ausgehen würde“, sagt er. Gemessen daran fällt der Schluss seines Buches ziemlich fulminant aus.

Carsten Schütte stellt „Im Fokus“ am Freitag, 14. September, um 20 Uhr in der Buchhandlung Decius in der Marktstraße vor.

Von Simon Benne

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