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Aus der Stadt Porzellanhandel in fünfter Generation
Hannover Aus der Stadt Porzellanhandel in fünfter Generation
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18:54 11.09.2018
170 Weitz, Georgstrasse Hannover Foto: Samantha Franson Quelle: Samantha Franson
Hannover

Die Innenstadt ist im Wandel, das Internet verändert den Einzelhandel und mittendrin ist ein Unternehmen, das es nun schon 170 Jahre gibt – und zwar in fünfter Generation. Die Firma Weitz an der Georgstraße ist spezialisiert auf Porzellan, Haushaltsgeräte, Küchenmesser und Esskultur. Und Surya und Jürgen Weitz blicken zum Jubiläum zuversichtlich in die Zukunft. „Wenn wir uns selber treu bleiben, dann wird es auch eine sechste Firmengeneration geben“, sagt Jürgen Weitz. Interesse hat diese bereits bekundet.

Porzellanhandel Weitz in fünfter Generation

Den Grundstein hat Wilhelm Weitz 1848 in Bad Pyrmont gelegt, der gelernte Graveur bot feine Gläser und Vasen an. Sohn Friedrich folgte dem väterlichen Vorbild und eröffnete 1892 das Geschäft in Hannover an der Georgstraße und nahm feines Porzellan aus England mit ins Sortiment. Auch Weitz’ Opa Walter setzte die Tradition fort, nach dem zweiten Weltkrieg –, „der das gesamte Kapital weggebombt hat“ – begann die Großmutter mit dem Verkauf in einer Baracke auf dem Georgsplatz. Jürgen Weitz senior baute das Geschäft dann aus und erweiterte das Warenangebot, das sich lange auf den Bereich „Esszimmer“ konzentrierte. Nach seinem Betriebswirtschaftsstudium und einigen Auslandsaufenthalten hat dann Jürgen Weitz junior übernommen. „Früher habe ich immer gesagt, ich kann auch mit Schrauben handeln.“ Aber das stimme nicht, er habe ein Faible für schöne und ästhetische Dinge.

Die reine Esszimmerkultur im Hause Weitz hat sich schon vor Jahren schrittweise gewandelt – zur Küchenkultur. „Hier ist der Lebensmittelpunkt der meisten Hausbewohner, das haben wir ausgebaut“, so Weitz. Im vergangenen Jahr sogar buchstäblich, da hat Weitz sich verkleinert, das Untergeschoss dicht gemacht und Küchentresen für Kochveranstaltungen eingebaut. „Schöne Dinge im Regal zu haben, reicht leider nicht“, so Weitz. Vielmehr müsste man im Handel Atmosphäre und Lebendigkeit schaffen, Live-Events und Inszenierungen anbieten und vor allem eine perfekte Beratung parat haben.

Auch wenn sich das Ambiente im Hause Weitz ein wenig verändert hat, dem Stil und eigenen Anspruch will das Unternehmerehepaar treu bleiben. Es suche in der ganzen Welt nach Trends für das lokale Publikum.„Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig“, betont Surya Weitz. Und ihr Mann ergänzt, dass er zwar kein ausgewiesener Öko sei, Wegwerfartikel sowie Plastik aber zutiefst verabscheue. Zeitgeist und Digitalisierung hat sich Weitz allerdings nicht verschlossen. „Wir haben einen Online-Handel und legen mit Hochdruck den Fokus darauf, diesen auszubauen“, betont der Unternehmer. Derzeit mache der Online-Handel rund 10 Prozent des Umsatzes aus, „das wollen wir auf 40 Prozent steigern.“ Zumal die Firma in den vergangenen Jahren auch Geschäftsfelder an das Internet abgeben musste, der Druck auf den Einzelhandel von dieser Seite sei enorm. „Wenn Kunden etwas nachbestellen wollen, erledigen sie das heute meist online. Nachbestellungen haben aber stets rund 40 Prozent unseres Umsatzes ausgemacht“, erklärt Weitz. Dazu brechen auch andere Einnahmequellen weg. „Das Grillthema etwa haben wir nicht ans Internet sondern an Baumärkte verloren.“

Jürgen Weitz ist mit seinen Filialen in Bielefeld, zweimal Hamburg und Hannover inzwischen das zweitgrößte deutsche Unternehmen der Porzellanbranche. Insgesamt 60 Mitarbeiter sind für die Firma im Einsatz. Das Ehepaar Weitz legt Wert auf persönliche Beziehungen, darauf mit Herz zu arbeiten und authentisch zu sein. „Ich will ja hier nicht wahnsinnig viel Geld verdienen. Ich möchte, dass es meiner Familie gut geht“, sagt Jürgen Weitz. Das scheint zu klappen. Für das Haus Weitz in sechster Generation müsste sich allerdings nach Ansicht des derzeitigen Geschäftsführers in der Innenstadtplanung noch einiges bewegen. „Hannover ist eine tolle Einkaufsstadt.“ Bei den Planern gebe es auch tolle Ansätze für die City der Zukunft, es mangele aber zuweilen an der Liebe zum Detail. „Die Frequenzen der City-Besucher gehen zurück, da mache ich mir schon große Sorgen.“ Weitz glaubt aber, dass mit einer Innenstadtsatzung auch Gestaltungsmöglichkeiten einhergehen. „Attraktive Schaufensterflächen Banken oder Versicherungen zu überlassen, ist eher kontraproduktiv.“

Von Susanna Bauch

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