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Aus der Stadt Renovierte Krypta wird eingeweiht
Hannover Aus der Stadt Renovierte Krypta wird eingeweiht
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00:21 02.09.2018
„Verbindung zum Himmel“: Propst Martin Tenge in der neu gestalteten Krypta der Basilika St. Clemens. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Es geht hinab, doch zugleich geht es ins Helle. Die Stufen führen hinunter in einen lichten, freundlichen Raum, den eine gewisse Erhabenheit durchweht. „Wir haben unsere Krypta nicht nur saniert, sondern komplett neu gestaltet – als Ort der Trauer und der Hoffnung“, sagt Propst Martin Tenge.

Hannovers oberster Katholik steht in der Unterkirche der Basilika St. Clemens. Die katholische Hauptkirche der Stadt wird in diesem Jahr 300 Jahre alt, und passend zum Jubiläum wurde die einst düstere Krypta unter der Ägide des Architekten Gert Stürken im großen Stil renoviert. Den Löwenanteil der Kosten von insgesamt rund 700 000 Euro hat das Bistum Hildesheim übernommen.

So sieht die neu gestaltete Krypta aus

Den Eingang flankiert eine Wand, die der Künstler Tobias Kammerer in Blautönen gestaltet hat. Begriffe wie „Tod“, „Mobbing“ und „Einsamkeit“ sind dort zu lesen, davor prangt eine kleine Skulptur des leidenden Christus aus dem 18. Jahrhundert. Gegenüber ist der „Epitaph des 21. Jahrhunderts“ platziert: Vor einer in Stein gemeißelten biblischen Inschrift flimmern in einer Endlosschleife die Namen jener 39 Menschen über einen Bildschirm, die im 18. Jahrhundert in der Krypta bestattet wurden. Sie sollen durch die Namen verstorbener Obdachloser oder anonym bestatteter Menschen ergänzt werden. „So wird deutlich, dass sie im Himmel und auf Erden nicht vergessen sind“, sagt Propst Tenge.

Landschaft aus Licht und Schatten

Der Fußboden wurde mit hellen Steinplatten erneuert, die einst feuchten Wände sind neu verputzt. Dezent verborgene Leuchten zeichnen eine Landschaft aus Licht und Schatten an die Pfeiler und an das geduckte Kreuzgratgewölbe. Die alten Bänke, die wie Barrieren wirkten, sind verschwunden. Es ist ein ausgeklügeltes spirituelles und architektonisches Konzept: Die Blicke der Besucher richten sich nun unweigerlich auf den Altar und das dahinter in Gelbtönen leuchtende Auferstehungsbild am Ende des Raumes. „Die Längsachse ist die Hoffnungsachse“, sagt Tenge.

Ein Stationenweg führt zu verschiedenen Kunstwerken, die sich mit Trauer und Hoffnung beschäftigen: Eine Marienstatue, ein Taufstein, der Torso eines Kruzifixes. Dem gekreuzigten Christus fehlen Kopf und Arme. Die Figur gehörte einst zu einer Skulpturengruppe, die im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört wurde.

„Verbindung zum Himmel“

Der von Tobias Kammerer geschaffene Altar ist aus Stahl, aber mit einer feinen Rostschicht überzogen – ein Symbol zugleich für Beständigkeit und Vergänglichkeit. Davor ist oben in die Decke ein kleines, kreisrundes Loch eingelassen. Genau unter der Mitte der Kuppel wird hier mit einem Acrylglasstab Tageslicht durch die einen Meter dicke Decke geleitet. „Der Durchbruch zur Oberkirche symbolisiert die Verbindung zum Himmel“, sagt Tenge.

Die Krypta hatte die Zerstörung der Clemenskirche im Krieg halbwegs heil überstanden. Doch beim Hochwasser 1946 wurde sie geflutet; Särge und Gebeine schwammen im Schlamm. Später wurden die sterblichen Überreste der hier Bestatteten kollektiv in zwei abgemauerten Grabkammern seitlich des Altars beigesetzt. Diese blieben beim Umbau erhalten. Neben Gottesdiensten können zwischen den Grabkammern nun auch geistliche Konzerte und Lesungen stattfinden. „Die Krypta soll ein Ort der Stille, des Staunens und des Nachdenkens sein“, sagt Tenge. „Viele Menschen sollen hier Anregungen bekommen, die dem Leben guttun.“

Am Freitag ab 15 Uhr gibt es Führungen durch die Krypta. Um 18.30 Uhr wird diese mit einem Gottesdienst wiedereröffnet, in dem Propst Tenge den Altar segnet.

Von Simon Benne

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