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Aus der Stadt Darum hängen Rettungswesten an Kirchtürmen
Hannover Aus der Stadt Darum hängen Rettungswesten an Kirchtürmen
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17:03 15.04.2019
Symbol der Verbundenheit: eine Rettungsweste am Turm der Aegidienkirche. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Wie ein irritierender Farbtupfer hängt sie an der Balustrade des Aegidienkirchturms. Ein leuchtendes Signal, das den vertrauten Blick irritiert. Auch an Christus-, Melanchthon- und Apostelkirche sowie an rund einem Dutzend weiterer Gotteshäuser in Hannover prangen derzeit Rettungswesten. Im Rahmen der Aktion „Kirche trifft Seebrücke“ wollen die Gemeinden so ein Zeichen der Verbundenheit mit Flüchtlingen auf dem Mittelmeer setzen.

„Unsere Solidarität gilt allen Menschen auf der Flucht“, sagt Pastor und Aids-Seelsorger Axel Kawalla, einer der Initiatoren der Aktion. Die Rettungswesten sollten die kirchliche Jahreslosung „Suche den Frieden und jage ihm nach“ mit Leben erfüllen.

„Abschottung nicht akzeptabel“

Die Westen seien auch ein Zeichen des Protestes dagegen, die Seenotrettung von Flüchtlingen abzuschaffen, um den Zustrom von Flüchtlingen zu stoppen, sagt Reinhard Scheibe vom Kirchenvorstand der Marktkirche: „So etwas ist inhuman und nicht akzeptabel.“ An der Marktkirche selbst ist keine Rettungsweste angebracht, doch die Ruine der Aegidienkirche gehört zur Marktkirchengemeinde. „Als Gedenkstätte ist das Mahnmal der passende Ort für die Aktion“, sagt Scheibe.

„In der Karwoche möchten wir auch an das Leid jener Menschen erinnern, die auf der Flucht umkommen“, sagt Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann. Es sei nicht akzeptabel, dass Europa sich abschotte: „Die Rettungswesten mahnen zur Anteilnahme“, sagt sie: „Den Tod von Flüchtlingen dürfen wir nicht einfach so hinnehmen.“

Der Verein Seebrücke setzt sich dafür ein, die Seenotrettung auszubauen und Städte symbolisch zu „sicheren Häfen“ zu erklären, die Flüchtlinge aufnehmen. „Niemand flieht ohne Grund“, sagt Marina Röthlinger von der Seebrücke Hannover. „Die meisten Menschen, die verzweifelt versuchen, Europa zu erreichen, fliehen aus der Hölle der libyschen Folterlager und geraten dabei in Seenot.“

Im Februar hatte es in der Marktkirche bereits eine Mahnwache für die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge gegeben. Auch Landesbischof Ralf Meister fordert seit geraumer Zeit mehr Anstrengungen, um die Lage der Flüchtlinge im Mittelmeer zu verbessern: „Wie die Seenotrettung dort gehandhabt wird, ist eine Schande für Europa.“

Von Simon Benne

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