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Aus der Stadt Als Hannover im Schnee versank
Hannover Aus der Stadt Als Hannover im Schnee versank
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00:15 26.11.2018
Schneemassen, Schneechaos in der Innenstadt, Kurt-Schumacher-Straße. Schnee räumen, Straßenbahn, Schneepflug. Jahreszeiten, Wetter. Foto vom 02.01.1979, honorarfrei Quelle: Viola Hauschild
Hannover.

Das Weihnachtsfest 1978 in Hannover war warm wie immer. Um die zehn Grad, Nieselregen, alles unauffällig. Am Morgen des 28. Dezember vor 40 Jahren, ein Donnerstag, liegt die Temperatur in ganz Deutschland bei etwa zehn Grad über Null - doch dann ändert sich das Wetter schlagartig: Über Norddeutschland legen sich kalte Luftmassen von bis zu 47 Grad Minus und feuchtwarme Atlantikluft übereinander. Mittags fallen in Flensburg ein paar Regentropfen, dann Schneeflocken. Am Nachmittag und in der Nacht stürzen die Temperaturen plötzlich um bis zu 30 Grad Celsius. Zum Jahreswechsel 1978/79 versinkt der Norden Deutschlands und auch die Landeshauptstadt im Schnee.

Knappe drei Wochen zuvor hatten die Hannoveraner bereits mit einem extrem heftigen Eisregen zu kämpfen. Am 8. Dezember regnete es stundenlang kleine Eiswürfel, der Verkehr brach zusammen, Bürger konnten sich nur tastend fortbewegen. Doch die Schneemassen um die Jahreswende 1978/79 haben ein noch weitaus größeres Chaos verursacht. Die HAZ zieht am 2. Januar eine düstere Wetterbilanz: Drei Tage lang Orkanwinde, Blizzards, meterhohe Schneeverwehungen, Strom- und Heizungsausfälle, Rohrbrüche, unpassierbare Straßen und Fußwege sowie komplett abgeschnittene Ortschaften in der Region.

Auf Temperatursturz und Eisregen sind zum Jahreswechsel heftigste Schneefälle gefolgt. Silvester kapituliert die Üstra, in punkto Bahn und Bus läuft überhaupt nichts mehr, obwohl etliche Schaffner selber zur Schaufel greifen. Die meisten Straßen und Wege sind unpassierbar, die Bahndirektion Hannover meldet Zugverspätungen zwischen 60 und 80 Minuten – aus heutiger Sicht nicht unbedingt ein Fall für Wetterchaos. Silvesterfeiern werden nur spärlich besucht, da sich kaum jemand auf die Straße traut. Rettungswagen bleiben in den Schneewehen stecken, nach einem dringlichen Radioappell öffnen etliche Ärzte spontan ihre privaten Praxen, um Unfallopfer und andere Notfälle zu versorgen. In der ersten Januarwoche sind dann sämtliche städtische Stellen damit beschäftigt, die Schneemassen zu räumen und auch abzutransportieren.

Den Hannoveranern allerdings dauert das alles viel zu lange, es gibt massive Beschwerden. Die Verwaltung hat zunächst 50 Fahrzeuge und 120 Mitarbeiter zum Schneeräumen eingesetzt, Anfang Januar müssen dann 325 weitere Stadtmitarbeiter einspringen und zur Schneeschaufel greifen. Das Fuhramt vergibt Räumungsaufträge an Firmen, schließlich werden auch Häftlinge zum Schneeschieben eingesetzt. Insgesamt hat die Stadt 500.000 Mark für den geballten Wintereinsatz ausgeben, 100.000 Mark mehr als für den kompletten Winter angesetzt sind.

In Norddeutschland kommen in diesem ungewöhnlich harten Winter 17 Menschen ums Leben. Zugleich löst das weiße Chaos bei den meisten Norddeutschen aber mehr als nur Katastrophenstimmung aus. Vielerorts wird die Nachbarschaftshilfe neu entdeckt, es war ein unheimlich freundliches Miteinander. Niedersachsen ist dann noch einmal besonders von der zweiten Schneekatastrophe im Februar 1979 betroffen. Wieder ziehen atlantische Tiefs in starker westliche Strömung vom Atlantik in Richtung Europa, wieder werden sie auf eine weit südliche Bahn gezwungen und wieder entsteht dadurch eine Luftmassengrenze mitten über Deutschland. Da dieses Mal die Zugbahn der Tiefs ein wenig weiter südlich verläuft, liegt der größte Teil Norddeutschlands in der kalten Luft und bekommt somit heftige Dauerschneefälle ab. Damit ist ein weit größerer Bereich von dem Schneesturm betroffen als noch zum Jahreswechsel. Im Norden des Landes ist die Lage katastrophal, in weiten Teilen Niedersachsens sind die Neben-, Land-, Kreis- und Gemeindestraßen unpassierbar, weil sich der Einsatz auf Autobahnen und Bundesstraßen konzentriert. Hier wird mit allen Mitteln versucht, diese zumindest einspurig frei zu halten. Das Lagezentrum in Hannover bittet die Bevölkerung darum, die Notrufnummern nur in dringenden Notfällen zu nutzen, weil sie völlig überlastet sind.

Abspann : Erinnern Sie sich an Schnee, Eis und Chaos vor vierzig Jahren in Hannover? Und daran, wie sie die Tage verbracht haben oder was Ihnen widerfahren ist? Schicken Sie uns Ihre persönliche Geschichten und Bilder vom Schneewinter! Für eine kleine Serie möchten wir das Thema „Der Winter 1978/79" ausführlich beleuchten. Die Redaktion sammelt darum Erinnerungen und Erlebnisberichte. Sie können uns diese per Mail an hannover@haz.de mit dem Stichwort „Wintererinnerung" schicken. Fotos sollten mindestens 1 MB groß sein. Für Postzusendungen nutzen Sie bitte die Adresse: HAZ-Redaktion, August-Madsack-Straße 1, 30559 Hannover. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

Von Susanna Bauch

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