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Aus der Stadt Diese beiden Gastronomen verändern den Schwarzen Bären
Hannover Aus der Stadt Diese beiden Gastronomen verändern den Schwarzen Bären
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00:19 14.03.2019
Am Schwarzen Bären mit den Gastronomen Fridtjof Marquardt (links) und Monty Emrich. Quelle: Villegas
Hannover

 Zugegeben, mit ihren tätowierten Händen und den Bomberjacken sehen sie auf den ersten Blick etwas ruppig aus. Aber unterhält man sich mit den Unternehmern Fridtjof Marquardt und Monty Emrich, wird schnell klar: Die studierten Wirtschaftswissenschaftler sind sowas wie die kreativen Feingeister der hannoverschen Gastronomieszene. Eifrig und ohne viel Aufsehen sind sie gerade dabei das Viertel um den Schwarzen Bär vom Schmuddel- zum Szenekiez umzubauen. Das geschieht vor allem durch gastronomischen Betriebe, die trendig und stilbewusst sind.

Im Deister-Kiez mit Fridtjof Marquardt (rechts) und Monty Emrich. Quelle: Irving Villegas

Da wäre das Apartement – ein veganes Bistro. Seitdem vergangenem September servieren sie hier den Großstadthippies rein pflanzliche Nahrung. Internationales Publikum zwischen 20 und 35 isst hier angesagte Bowls aus rein veganen und rohen Zutaten. „Es war nicht geplant, dass es vegan wird. Bowls und guter Kaffee war das Ziel. Aber jetzt soll es so bleiben. Das tut der Umwelt gut. Fleisch und Milch wird sowieso viel zu viel konsumiert“, erklärt Monty Emrich (28) das Geschäftsmodell. Zubereitet und liebevoll angerichtet werden die Schüsseln mit Gemüse von Sabrina Meilke (29).

Das Apartment hat im September 2018 eröffnet. Quelle: Villegas

Täglich von 11 bis 19 Uhr serviert sie ökologisch bewussten Großstadtmenschen pflanzliche Mixgetränke und auch Kuchen. Die werden aber nicht gebacken, sondern die Zutaten nur vermengt und kühl gestellt. „Es sind Rohkostkuchen, ohne konventionelles Mehl und ohne raffinierten Zucker. Die Basis sind Nüsse und Datteln.“ Die Bowls werden mit Reis, Salat und Gemüsespiralen serviert. In dem Gericht Mama Mao finden sich zusätzlich noch exotische Zutaten wie Rotkohlsalat, Sojabohnen, Tempeh, Nuriblätter, Erdnusssauce und Mango. „Willkommen in deinem zweiten Zuhause“ lautet der Slogan in dem Café von Marquardt und Emrich. „Wir versuchen hier ein gutes Ding zu machen – Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit sind uns wichtig.“ Früher, sagt Marquardt, sei die Ecke oft als Toilette benutzt worden. Jetzt treffen sich hier die Hipsters der Stadt.

Sabrina Meilke serviert im Apartment vegane Bowls. Foto: Villegas Quelle: Villegas

Die Jungunternehmer haben sich beim Studium an der Leibniz Universität kennengelernt und sind seitdem unzertrennlich, wirtschaften und leben gemeinsam in einer WG. „Wir sind beste Freunde geworden und haben viele Urlaube zusammen verbracht“, erklärt Monty Emrich. „Dann haben wir irgendwann angefangen an einer Geschäftsidee zu arbeiten.“ Mit einem Air-Stream, einem amerikanischen Imbissmobil in glänzender Metallicoptik, ging es 2016 auf das Fährmannsfest, wo sie Cocktails an Festivalbesucher verkauften. Die Fête de la Musique und weitere Konzerte folgten. Irgendwann stellt sich die Frage, was man im Winter unternehmen könnte. Und eine Gelegenheit bot sich an: Nach zwei Monaten Verhandlungen übernehmen sie im März 2018 das Broncos von Philip Friso Hoeksma – in diesem März feiern sie Einjähriges, die Szene-Bar schon 15 Jahre Geburtstag.

Schenker und Bronco’s sind in Hannover angesagt

Als im selben Haus der Burgerladen auszieht, ergreifen sie auch hier die Chance. Am 3. November 2018 eröffnen sie das Schenker, eine Kneipe mit hochwertigen Cocktails und Longdrinks sowie Live-Musik am Mittwoch. „Da wir kein Geld mehr hatten, haben wir alles selbst gemacht“, erklärt Monty. Entstanden ist eine Cocktailbar mit rustikalem Interieur – oder auch Industrial Design genannt. Unverputzter Backstein, hohe Decken, improvisierte Lampen, massive Steinsäulen, freigelegte Rohre. Die Junggastronomen sind nicht nur unternehmerisch talentiert, sondern auch Handwerker mit ausgefallenen Ideen. „Wir werden oft gefragt, wer der Innenarchitekt im Schenker war“, sagt Monty. Und fügt an: „Nach der Sanierung der Läden könnten wir ein Haus bauen.“

In der Bar Schenker geht es den Betreibern um hochwertige Barkultur. Quelle: Irving Villegas

Die Neuigkeit, dass die Bauarbeiten am Wohnhaus Schwarzer Bär 7 durch die Stadt vorangetrieben werden, passt auch den Unternehmern gut. „Unser Ziel ist es, die ganze Ecke zu beleben. Abends, wenn die Geschäfte schließen, ist es noch sehr ruhig hier.“ Die Limmerstraße würde an Flair verlieren, vor allem durch den geplanten Hochbahnsteig. Viele würden jetzt Richtung Nieschlagstraße und Schwarzer Bär ziehen, ist sich Fridtjof Marquardt sicher. „Das hier ist das kleine Neukölln von Hannover und schwer im Kommen.“

Ein Jahr, drei Läden, ein Viertel. Und weitere Pläne. Fridtjof Marquardt: „Wir haben die nächste Location schon in der Hinterhand.“

Weiterlesen: Restaurantests – So genießt Hannover

Schmieden weitere Pläne im Schenker: Die Gastronomen Fridtjof Marquardt (links) und Monty Emrich haben viele Ideen für den Deisterkiez. Quelle: Irving Villegas

Von Marleen Gaida

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