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Aus der Stadt So sehr macht die Hitze den Kleingärtnern zu schaffen
Hannover Aus der Stadt So sehr macht die Hitze den Kleingärtnern zu schaffen
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00:21 05.07.2018
Der hohe Grundwasserspiegel am Schwarzen Weg beschert Christiane Kühnhold immer genug Nachschub zum Gießen ihrer Pflanzen. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Welch ein Kontrast: Im neu angeschafften Pool ihres Gärtchens in der Kolonie Wülfel tobt Jason Clarkson (38) mit Tochter Anna (11) herum, in dem Becken mit seinen 3,50 Meter Durchmessern schwappt Wasser satt. Doch direkt dahinter ist der Rasen der Parzelle nahe der Eichelkampstraße eher braun als grün – Folge der andauernden Trockenheit. „Der Opa hat immer gesagt, man soll seine Pflanzen nicht verwöhnen“, sagt Daniela Clarkson (38) lachend. Und darum beschränkt sie das Gießen auf Hochbeet- und Gewächshausflora. Früher, erzählt sie, habe die Familie nur ein Mini-Planschbecken besessen und das Wasser alle paar Tage austauschen müssen – dann sei auch der Rasen geflutet worden. Aber das große Becken mit seiner Filteranlage wird erst im Herbst entleert. Und darum ist die Wiese derzeit braun.

Rasen trocknet aus

„Der Rasen wird aber wieder, wenn’s regnet“, weiß Angelika Schwarz. Die 68-jährige bewirtschaftet ein Grundstück in der Mittelfelder Kolonie Garkenburg. Die Trockenheit habe sogar Vorteile, sagt die Rentnerin: Der Rasen wurzele tiefer – und man müsse ihn kaum noch mähen. Für andere pflanzliche Abnehmer aber befördert die elektrische Pumpe ihres Brunnens das Nass in großen Mengen ans Tageslicht: Tomaten und Salatgurken, Kürbisse, Kartoffeln und Mangold wollen gepäppelt werden. Und dann ist da noch der kleine Gartenteich. Er ist Heimstatt für Frösche, Kröten und Goldfische, und weil das Wasser bei der tagtäglichen Hitze schneller verdunstet als bei Tiefdruckwetter, muss die Kleingärtnerin häufiger als sonst Flüssigkeit nachfüllen.

Jason Clarkson und Tochter Anna leiden in der Kleingartenkolonie Wülfel überhaupt nicht unter Wassermangel - sie vergnügen sich in diesen heißen Tagen gern im neu angeschafften Minipool. Quelle: Michael Zgoll

Ein Streifzug durch hannoversche Kolonien hinterlässt in diesen Tagen sehr gemischte Eindrücke. Manche Gärtner vertrauen auf die Überlebensfähigkeit ihrer Pflanzen und gießen kaum, andere lassen den Rasensprenger ständig laufen. „Es gibt aber auch Pächter, die haben kein Geld, um ihre defekte Pumpe reparieren zu lassen“, erklärt ein 73-Jähriger aus der Kolonie Wülfel. Und einige Laubenpieper hätten ihre Bohrungen wohl von vornherein nicht tief genug angelegt, so dass sie nun auf dem Trockenen sitzen. „Das Anlegen eines vernünftigen Brunnens kann bis zu 2000 Euro kosten“, weiß der Rentner. Und das könne sich halt nicht jeder leisten.

Dass die Döhrener Kolonie Im Apfelgarten im Hochwassergebiet liegt, hat den Kleingärtnern am Schwarzen Weg schon oft genug Kummer bereitet. Jetzt aber, sagt Christiane Kühnhold (64), profitiere man vom generell hohen Grundwasserstand im Wassergewinnungsgebiet: „Hier läuft keine Pumpe trocken.“ Wegen des ständigen Sonnenscheins und des stetigen Windes sei sie aber deutlich mehr mit dem Gartenschlauch unterwegs als bei Mischwetter: „Momentan kann man ja zugucken, wie der Boden schon kurz nach dem Gießen wieder austrocknet.“ Der Wassertank ihres Wohnhauses in Wülfel, der mit Regenwasser befüllt wird, ist zu ihrem Leidwesen seit der Vorwoche erschöpft: „Jetzt muss ich die Blumen der Nachbarin ständig mit Trinkwasser aus der Kanne gießen.“

Wohl dem, der Schacht und Pumpe hat - je tiefer, desto besser. Quelle: Michael Zgoll

Überhaupt zählen diejenigen, die in diesen Sommerferien die Verantwortung für Gärten und Balkone von im Urlaub befindlichen Nachbarn übernommen haben, zu den Hauptleidtragenden der Dauerhitze. „Ein Gartenfreund aus unserer Kolonie muss drei Kleingärten auf einmal betreuen und bewässern“, erzählt Angelika Schwarz, „der ist jetzt ständig auf den Beinen.“

Von Michael Zgoll

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