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Aus der Stadt Wetterdienst schickt ein Forschungsfahrzeug durch Hannover
Hannover Aus der Stadt Wetterdienst schickt ein Forschungsfahrzeug durch Hannover
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18:15 08.07.2018
Mit Wettermobil: Sabine Tegtmeyer-Dette und Peter Stanislawsky, Leiter der mobilen Messeinheit des Deutschen Wetterdienstes. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

 Die Aufschrift an der Autotür klingt etwas vermessen: „Wetter und Klima aus einer Hand“ steht dort, als wäre hier der Herrgott höchstselbst als Lieferant unterwegs. Immerhin ist der Kleinbus ein rollendes Stück Hochtechnologie: „Hier in den verchromten Röhren stecken Sensoren“, sagt Peter Stanislawsky vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Der Ingenieur zeigt auf den langen Ausleger, der vorne wie ein Horn über das Fahrzeug hinausragt: „In jeder Sekunde werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit hier einmal gemessen, jeweils in 70 Zentimeter und in zwei Meter Höhe.“

So sieht das Wetterfahrzeug aus

Seit Dienstagmorgen misst das Messfahrzeug Wetterdaten im Stadtgebiet. Auch am Mittwoch fährt der Bus noch dreimal zwei jeweils rund 20 Kilometer lange Routen ab – früh morgens, nachmittags und am Abend, mit einer Geschwindigkeit von etwa 30 km/h. „Wir wollen dabei hitzebelastete Gebiete in der Stadt lokalisieren – und jene, in denen kältere Luft entsteht“, sagt Stanislawsky.

Dass die Temperaturen am Kröpcke höher sind als am Maschsee, kommt als erstes Forschungsergebnis nicht ganz überraschend. Wie groß der Unterschied jedoch ist, verwundert dann doch: „Bei unserer morgendlichen Messfahrt lag das Temperaturgefälle zwischen Maschsee und Innenstadt bei etwas über 6 Grad“, sagt der Ingenieur und zeigt auf den Laptop im Inneren des Wagens. Ein Diagramm hat die Kurven genau verzeichnet.

City ist Wärmeinsel

Die Messfahrten sind Teil eines Kooperationsprojektes von DWD, Stadt und Üstra. Sie helfen, die aufheizende Wirkung von dichter Bebauung zu erfassen, die kühlenden Effekte von Grünflächen und die nächtlichen Kaltluftströme. „Das Klima wandelt sich“, sagt Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette, die sich das Fahrzeug auf dem Trammplatz erklären ließ. Die dicht bebaute Stadt bilde im Vergleich zum freieren Umland eine sogenannte Wärmeinsel: „Ein Effekt, der durch den Klimawandel zusätzlich verstärkt wird.“

Die Untersuchungen zum Stadtklima sollen der Stadt ermöglichen, heiße Gegenden beispielsweise beim Bau von Kitas oder Seniorenheimen zu meiden. „Außerdem können wir so Frischluftschneisen frei von Bebauung halten“, sagt Tegtmeyer-Dette. „Es geht dabei auch darum, die Folgen des Klimawandels zu minimieren.“

Eigentlich sollte der Messbus dieser Tage in Stuttgart unterwegs sein, doch dort gab es technische Probleme. Und man darf das nicht ungenutzt verstreichen lassen, was Ingenieur Stanislawsky eine „windschwache Hochdrucklage“ nennt: Das gegenwärtige Wetter hilft, Frischluftentstehungsgebiete besonders zielsicher zu identifizieren.

Mit Luftverschmutzung, Diesel oder Fahrverboten hat das Messfahrzeug übrigens nichts zu tun.

Klima in der Stadt wird untersucht

Seit dem vergangenen Jahr untersucht der Deutsche Wetterdienst (DWD), welchen Einfluss der Klimawandel auf das Stadtklima in Hannover hat. Dazu wurden Messstationen auf dem Kronsberg und im Gewerbegebiet Linden-Süd aufgestellt, die kontinuierlich Daten zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneinstrahlung liefern. Außerdem wurde eine Stadtklimastation am Weidendamm eingerichtet. Die thermische Belastung in U-Bahn-Stationen und innerhalb der Stadtbahnen werden zudem durch eine temporäre Messstation im Tunnel am Kröpcke sowie mit Messgeräten an drei Stadtbahnen ermittelt. Das voraussichtlich bis 2020 laufende Projekt von DWD, Üstra und Stadt Hannover wird vom Niedersächsischen Umweltministerium unterstützt. Es soll helfen, das Klima bei der Stadtentwicklung zu berücksichtigen. be

Von Simon Benne

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