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Aus der Stadt Das Kleinod: Stadt investiert in den Gartenfriedhof
Hannover Aus der Stadt Das Kleinod: Stadt investiert in den Gartenfriedhof
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12:15 07.09.2018
Hannover, Neuerungen auf dem Gartenfriedhof und Ausblick auf den Tag des offenen Denkmals, Claudia Wollkopf und Pastor Dietmar Dohrmann (Foto: Frank Wilde) Quelle: Frank Wilde
Hannover

Radfahrer zwischen den bedeutendsten Grabsteinen Hannovers soll es künftig genauso wenig geben wie Hunde: Die Stadt hat für den Gartenfriedhof an der Marienstraße neue Regeln erlassen. In Kürze sollen auch Tore deutlich machen, dass es sich um ein bedeutendes Kulturdenkmal handelt. Zugleich wirbt sie aber auch um Verständnis für die reichhaltige Geschichte des Ortes: Mit einer neuen Broschüre und frischen Infotafeln an den drei Eingängen informiert sie über das historische Areal, beim tag des Offenen Denkmals an diesem Sonntag gibt es Führungen.

Neue Schilder, ein neues Tor – und Hunderte historische Grabmale, das ist der Gartenfriedhof in Hannover. Unsere Bildergalerie.

„Es ist ein unendlich geschichtsträchtiger Ort“, sagt Claudia Wollkopf vom städtischen Grünflächenamt. Nirgendwo sonst in Niedersachsen gibt es eine derartige Dichte an klassizistischen, teils auch spätbarocken Gräbern. Mehr als 300 sind es, zahlreiche bedeutende Familien aus Hannovers Stadtgeschichte haben sich dort verewigt, von den Ifflands, Grotefends, Arnswaldts über die Herschels bis zu Charlotte Kestner-Buff, der Lotte aus Goethes Werther. Kunstvoll sind die Grabmale gearbeitet, Säulen, Obeliske, Sarkophage, prächtig verziert, Denkmale an Adelsgeschlechter und „hübsche Familien“, die im Bürgertum den Aufstieg geschafft hatten.

Dazwischen campieren, zum Ärger nicht nur der Anwohner, täglich zwischen 20 und 40 Trinker, was formal nicht verboten ist, weil der Park trotz der Totenruhe nicht als Friedhof, sondern als Grünanlage gilt. Sie flätzen sich auf Steinmonumente, urinieren an die Gräber, lassen Unrat liegen. „Das Schamgefühl hat deutlich abgenommen“, sagt Wollkopf. Gartenkirchenpastor Dietmar Dohrmann formuliert es drastischer: „Es ist schlimmer geworden, die Stimmung aggressiver.“ Die Gemeinde sei froh, dass sich die Stadt zunehmend um den Kulturort kümmere.

Die neuen Regeln sehen weiterhin kein Alkoholverbot vor. Aber das Anleingebot ist in ein Hundeverbot umgewandelt worden, Radfahrer dürfen die Wege nicht mehr radelnd passieren, das Betreten und „Besitzen“ von Grabmalen ist untersagt, und der Kulturort solle voraussichtlich vom kommenden Jahr an abends abgeschlossen werden, sagt Wollkopf. Die Zaunumfriedung soll durch drei Tore ergänzt werden, gestalterisch abgestimmt mit dem Denkmalschutz, von 20 bis 7 Uhr soll der Friedhof versperrt sein. Auch tagsüber sollen die Tore eine kleine Hürde darstellen: „Es ist gut, wenn man merkt, dass man sich auf einen besonderen Ort begibt.“

1741 waren die drei kirchlichen Friedhöfe in der Innenstadt zu klein geworden, auch aus Hygienegründen ließ die Stadt den Friedhof mit Schulgebäude und einer (damals noch kleineren) Kirche im Gebiet der Gartenvorstadt östlich vom Aegi anlegen. Genau 123 Jahre lang wurde er belegt, schon 1864 geschlossen. Doch das waren bedeutende Zeiten: Hannover erlebte die Personalunion mit England, wurde von den Franzosen besetzt und schließlich selbst zum Königreich. Für all das sind die Monumente auf dem ältesten städtischen Friedhof Zeitzeugen.

Die Stadt lässt nach und nach die historischen Steine reinigen. Auf Wunsch von Anwohnern hat sie einen der ursprünglich beiden Zugänge aus Richtung Marienstraße mit einem neuen Zaunelement verschlossen, um die Menge der Radfahrer zu reduzieren. Die Bänke sind erneuert, rabensichere Papierkörbe installiert, ein Sturmschaden ist beseitigt: Ein Baum war auf eine Gruft gestürzt und hatte sie beschädigt. Etwa 25 000 Euro seien insgesamt investiert worden, wenn man Schilder und Broschüren hinzurechne, sagt die zuständige Mitarbeiterin Nadine Köpper. „Wir hoffen, dass die Nutzer dem Gartenfriedhof künftig mehr Achtsamkeit und Pietät entgegenbringen – auch wenn diese Worte kaum noch bekannt sind“, sagt Wollkopf.

Die Stadt will den neuen Ordnungsdienst künftig auf dem Gelände vorbeischicken. Auch die Polizei sei regelmäßig präsent, sagte Wollkopf, die Beamten hätten aber oft darauf gedrungen, dass die Regeln deutlicher kommuniziert werden, damit Verstöße geahndet werden können. Das ist jetzt dank der neuen Schilder möglich. „Der Großteil der Nutzer aber verhält sich vorbildlich“, sagt Angelika Weißmann, die das Grünflächenamt berät.

Zwei Führungen am Sonntag

Expertin Angelika Weißmann übernimmt am Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, gemeinsam mit Pastor Dietmar Dohrmann Führungen auf dem Areal an der Marienstraße 35: Um 12 Uhr geht es um die Grabmalsymboliken, um 14 Uhr um die Geschichte des Gartenfriedhofs und die Bedeutung für Hannover.

Von Conrad von Meding

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