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Aus der Stadt Ratspolitik beschließt WC-Haus für rund 1,3 Millionen Euro
Hannover Aus der Stadt Ratspolitik beschließt WC-Haus für rund 1,3 Millionen Euro
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00:18 11.11.2018
Schlicht und modern soll das neue WC-Haus im Berggarten wirken. Quelle: Hübotter + Stürken + Dimitrova Architektur und Stadtplanung Hannover (HSD-Hannover)
Hannover

In den Herrenhäuser Gärten wird im kommenden Jahr ein neues Gebäude für rund 1,3 Millionen Euro errichtet – eine „WC-Anlage mit Vortragsraum“ im Berggarten. So steht es in der Verwaltungsvorlage, die die Ratspolitik am Donnerstag mehrheitlich beschlossen hat. Die SPD empfahl dringend, die Begriffe zu tauschen, um Missverständnissen entgegenzuwirken. „Es ist kein WC mit Anhängsel, sondern umgekehrt ein Vortragsraum mit Toilette“, sagte SPD-Fraktionschefin Christine Kastning im OB-Ausschuss. Auch Gartendirektor Ronald Clark betonte, dass es sich um einen „Multifunktionsraum“ handele. CDU und Linke/Piraten wollten dennoch nicht mitgehen. „Das ist nicht vermittelbar“, sagte CDU-Wirtschaftsexperte Jens-Michael Emmelmann.

Der flache Neubau soll gleich neben dem Eingang zum Berggarten entstehen und das alte, marode WC-Häuschen ersetzen. Geplant ist ein kubischer Bau mit Sandsteinsockel und Stelen. Der Eingang zur Toilette wird versetzt, sodass Gartenbesucher das Gelände nicht mehr verlassen müssen, um das WC aufzusuchen. An die Toilette schließt sich ein 80 Quadratmeter großer Vortragsraum an. Ein Vortragssaal dieser Größe habe immer gefehlt, meint Clark. In erster Linie solle der Raum als Unterrichtszimmer für die „Grüne Schule“ dienen, in der Kinder die botanischen Sammlungen der Gärten erkunden. Zudem bietet der Neubau Platz für ein Foyer und einen Technikraum. Der Verein Freunde der Herrenhäuser Gärten fördert das Vorhaben mit einer Spende von 300.000 Euro. 2019/2020 sollen die Bauarbeiten starten.

Gärten steuern auf Besucherrekord zu

In der am 31. Oktober beendeten Sommersaison haben 580.000 Besucher die Herrenhäuser Gärten besucht. Nach Angaben von Direktor Ronald Clark waren es damit so viel wie noch nie; die Steigerung gegenüber dem Vorjahr liegt bei 15 Prozent. „Wir könnten den Rekord von 2014 knacken“, erklärt Clark. Die Marke vor vier Jahren lag bei 610.000 Gästen.

In der Bilanz enthalten sind Besuche im Großen Garten und im Berggarten einschließlich der wiederholt genutzten Jahreskarten sowie der Freikarten für Kinder. Die Mehrzahl der Gäste kam aus Niedersachsen, Hamburg und Bremen. Jeder Fünfte reiste aus dem Ausland an;vor allem aus China, der Schweiz, Großbritannien und den USA. Beigetragen zu der erfreulichen Bilanz haben laut Clark die Schmetterlings-Ausstellung im Frühjahr, die Kunstausstellung Florale im Oktober sowie das dauerhaft schöne Wetter. Das allerdings hatte auch eine Kehrseite. Die Gärten mussten mit bis zu zwei Millionen Liter pro Tag bewässert werden, um die Pflanzenpracht zu erhalten.

Auch bei den Zahlen für Sonderveranstaltungen wie dem Feuerwerkswettbewerb zeichnet sich ein Rekord ab, dazu wären 200.000 Besucher erforderlich. Vor dem Jahreswechsel stehen noch das Festival Winterzauber an diesem Wochenende sowie das Wintervarieté in der Orangerie an, das am 24. November Premiere hat.

In der Ausschusssitzung bemüht sich Architekt Gert Stürken, die Kosten zu erklären. Eine Herausforderung für die Planung sei der Denkmalschutz gewesen. Das Gebäude durfte nicht über die historische Berggartenmauer hinausragen. Bei einer Raumhöhe von drei Metern blieb den Planern nicht viel Platz für die Deckenkonstruktion. „Das Lüftungssystem musste aufwändiger ausfallen“, sagt Stürken. Allein für Decke und Dach betragen die Baukosten 134.000 Euro. Größter Posten sind die Außenwände mit 182.000 Euro. Ebenfalls ungewöhnlich für ein so kleines Gebäude sei die Installation einer Blitzschutzanlage, aber die sei vorgeschrieben, sagt der Architekt. Zum Teil bewegen sich die Preise leicht oberhalb durchschnittlicher Baukostenindizes. „Aber ein eingeschossiges, freistehendes Gebäude ist immer teurer als Geschosswohnungen“, sagt Stürken.

Bei CDU und der Gruppe Linke/Piraten trifft das Vorhaben trotz der Erklärungen auf Unverständnis. „Es bleibt schwer nachvollziehbar“, sagt Piraten-Vertreter Adam Wolf. Für das Geld könne man vier Einfamilienhäuser bauen. Die FDP kontert. „Dafür bekommen Sie dann aber Hundehütten“, meint FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Er stellt den Neubau nicht grundsätzlich infrage, wundert sich aber, dass allein die Installation eines Stromkastens mit 93.000 Euro zu Buche schlägt. Damit werde die gesamte Elektrik versorgt, zudem gebe es eine Verbindung zum Kassenhäuschen des Berggartens, erklärt Gartendirektor Clark.

Trotz Kritik ist der Neubau beschlossene Sache. Zwar muss der Veraltungsausschuss noch zustimmen, doch das dürfte reine Formsache sein.

Von Andreas Schinkel

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