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Aus der Stadt Das sind die heißesten und kältesten Jobs in der Stadt
Hannover Aus der Stadt Das sind die heißesten und kältesten Jobs in der Stadt
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00:15 27.07.2018
Ein Arbeitsplatz mit extremer Hitze: Heiko Freise verteilt direkt vor seinem Gesicht flüssigen Asphalt, der mehr als 200 Grad heiß ist. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Eine Hitzewelle hat Hannover derzeit fest im Griff. Tagsüber werden Temperaturen um die 30 Grad erreicht – und in den kommenden Tagen soll es noch heißer werden. Die Sonne scheint unermüdlich vom Himmel. Arbeitsplätze im Freien sind derzeit besonders heiß, im Kühlhaus ist es angenehmer zu arbeiten. Die heißesten und kühlsten Arbeitsplätze in Hannover im Überblick:

Ein ziemlich heißes Pflaster

Heiko Freise verteilt direkt vor seinem Gesicht flüssigen Asphalt, der mehr als 200 Grad heiß ist. Quelle: Tim Schaarschmidt

Der Gussasphalt dampft und Heiko Freise (47), rinnt der Schweiß über die Stirn. Mit einem breiten Streichbrett verteilt er bis zu 9 Stunden täglich die mehr als 200 Grad heiße Masse zwischen den Straßenbahnhaltestellen Bünteweg/Tierärztliche Hochschule und August-Madsack-Straße.

Freise ist das gewöhnt, da er bereits seit 20 Jahren als Asphalteur tätig ist. Dabei sind er und sein Team von der Firma Jota Tiefbau ständig von beißender Hitze umgeben. „Während ich den Asphalt verteile, ist er circa 80 Grad heiß“, sagt er. Ein Kollege kippt ihm eine weitere Schubkarrenladung der schwarzen Masse direkt vor die Füße. Hinzu kommen nun die hohen Außentemperaturen und die pralle Sonne – den ganzen Tag. „Das ist im Moment schon besonders extrem.“

Der Körper verliert bei der Anstrengung und der Hitze viel Wasser. Bis zu fünf Liter täglich müsse er trinken. „Alles, was ich trinke, läuft quasi direkt wieder raus“, sagt er und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Doch Freise hadert nicht mit seinem Job. „Wir lassen es über uns ergehen und freuen uns auf den Feierabend. Ein Asphalteur hat’s manchmal schwör“, sagt Freise mit einem Lächeln.

Angenehme Temperaturen im Kühllager

In den Katakomben unter der Markthalle lagert Gemüsehändler Muzaffer Seyrek seine Waren bei 7 Grad. Quelle: Tim Schaarschmidt

Der Arbeitstag für Muzaffer Seyrek beginnt morgens um kurz vor 5 Uhr im Kühllager. Der Inhaber des Obst- und Gemüseladens „Grüne Insel“ in der Markthalle verstaut dann die Einkäufe vom Großmarkt in den Lagerräumen im Keller. Mit 7 Grad ist es in dem Riesenkühlschrank im Vergleich zur Hitze draußen angenehm kühl. „Ich finde die Temperatur hier unten super“, sagt der 63-Jährige, während er eine Kiste Kirschen in den Raum trägt. Bei längerem Aufenthalt ist eine zusätzliche Jacke allerdings empfehlenswert. Auch bei Seyrek’s Verkaufsstand im Erdgeschoss wird die Temperatur mit Hilfe einer Klimaanlage auf 20 Grad runtergekühlt. „Ich bin froh, dass ich meinen Stand nicht draußen auf einem Wochenmarkt habe. Hier drinnen hält sich die Ware besser“, sagt Seyrek. Seit 38 Jahren verkauft er in der Markthalle Obst, Gemüse und Kräuter. Das Wetter draußen sei schon schön und nach der Arbeit gehe er auch gerne mal in die Sonne. „Ein kühler Arbeitsplatz ist im Moment aber am besten“, sagt er. „Mir macht die Arbeit hier einfach Spaß.“

Eisdiele: Oben kalt, unten heiß

An der Eistheke von Giuseppe Dall´Asta in Massimo´s Eiscafé am Aegi ist es sowohl eiskalt wie auch sehr heiß. Quelle: Tim Schaarschmidt

Die Kunden stehen an Massimo’s Eiscafé am Aegi Schlange. Gut gelaunt bedient Giuseppe Dall’Asta die Hannoveraner, die sich zwischendurch eine Erfrischung gönnen. 18 Eissorten hat er in der Theke zur Auswahl. „Ich stecke bei dieser Hitze so oft wie möglich meinen Kopf in die Vitrine“, sagt der 37-Jährige, der parallel eine Waffel mit dunkler Schokolade und Milchreis-Eis füllt. In der Vitrine ist es minus 18 Grad kalt – wie im Gefrierschrank. Das Eis dampft an der Oberfläche. „Der kalte Luftzug aus der Vitrine ist bei der Hitze schon angenehm“, sagt der Eismann. Doch der Job ist es nicht nur kalt. Auf Fußhöhe kommt Dall’Asta ein Schwall heißer Luft entgegen – die Abwärme der Theke. „Es ist wie eine Wechseldusche“, sagt Dall’Asta. Doch die Temperaturen am Arbeitsplatz sind ihm eigentlich egal. „Für mich ist das der tollste Job der Welt.“

Arbeiten im Gefrierschrank

Edzard Conring , Betriebsleiter bei Löffler, einem Großhändler für Tiefkühlwaren, muss sich mit Spezialkleidung ausrüsten, wenn er das 23 Grad minus kalte Kühlhaus seiner Firma betritt. Quelle: Tim Schaarschmidt

Das Thermometer zeigt minus 23 Grad und als Edzard Conring die große Lagertür aufmacht, zieht sofort eiskalte Luft aus dem Raum. Mit Winterjacke, Handschuhen, Stiefeln und einem Sicherheitshelm mit Kälteschutz für Kopf und Ohren bekleidet betritt der 45-Jährige den Eisschrank. Er ist Betriebsleiter bei Löffler, einem Großhändler für Tiefkühlware in Isernhagen. Auf 1000 Quadratmetern lagert dort kartonweise tiefgefrorene Ware, wie zum Beispiel Obst, Gemüse und Fleisch. Die Lagermitarbeiter müssen in der Kältekammer täglich die Bestellungen für Produzenten, Großverbraucher und Betriebskantinen zusammenpacken. „Die Mitarbeiter müssen nach einer gewissen Zeit eine Pause machen, sonst wird es zu kalt“, sagt Conring. Für ihn persönlich sei das kein Platz, wo er dauerhaft arbeiten will. „Für den Job muss man gemacht sein.“ Trotzdem ist der riesige Gefrierschrank bei den Mitarbeitern beliebt, wenn es im Sommer draußen und in den Büros sehr warm ist. „Wir gehen da gerne mal kurz rein und kühlen uns ab“, sagt er. „Man fühlt sich sehr erfrischt, wenn man rauskommt.“

50 bis 70 Grad am Döner-Spieß

Bayram Deveci arbeitet bei Erciyes Kebap am Engelbosteler Damm und steht jeden Tag am Döner-Spieß. Dort ist es zwischen 50 und 70 Grad heiß. Quelle: Villegas

Bayram Deveci steht am Döner-Spieß und schneidet frisch das Fleisch ab. Der Mitarbeiter von Erciyes Kebap am Engelbosteler Damm ist nicht zu beneiden. „Direkt vor dem Spieß ist es zwischen 50 und 70 Grad heiß“, sagt Inhaber Ergün Polat. Die Mitarbeiter würden sich öfter abwechseln und Pausen machen, damit es nicht zu anstrengend ist. „Wir versuchen schwarzen Tee zu trinken, der lauwarm ist, damit wir die Hitzewallungen im Körper abfangen.“ Zu kalte Getränke seien für den Körper bei den Temperaturen nicht gut. Ein Grill und ein Pizzaofen produzieren in dem Laden zusätzliche Wärme. Ein Ventilator sorgt für etwas Zugluft. „Döner vorbereiten ist bei diesen Temperaturen nicht so schön, wie Döner essen“, sagt Polat. Trotz der Hitze in seinem Laden freut sich der 66-Jährige über das anhaltend schöne Wetter.

Von Julia Polley und Lisa Schucht

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