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Aus der Stadt Zu hohe Gehälter? Autohändler greift IHK-Spitze an
Hannover Aus der Stadt Zu hohe Gehälter? Autohändler greift IHK-Spitze an
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00:15 18.01.2019
Das IHK-Gebäude am Schiffgraben in Hannover. Quelle: Florian Wallenwein
Hannover

In seltener Offenheit greift der hannoversche Geschäftsmann Karl-Heinz Kahle die Spitze der Industrie- und Handelskammer Hannover an. Seine Kritik hat der VW-Händler in einen zweiseitigen Brief an die Vollversammlung der Kammer gefasst. Er werde nach 15 Jahren im September nicht erneut für die Mitgliedervertretung kandidieren, schreibt Kahle. Seine Auszubildenden will er in Zukunft nur noch bei der Kammer der Handwerker anmelden. Der Händler besitzt fünf Autohäuser in Hannover, dem Umland und in Walsrode (Heidekreis).

Die Gründe für den Ärger sind vielfältig. Kahle prangert „wahrheitswidrige“ Informationen zu einer millionenschweren Beteiligung der IHK an einem Pensionsfonds an. Er bemängelt, dass das Gehalt des amtierenden Hauptgeschäftsführers Horst Schrage der Vollversammlung „verschleiert“ werde – der Landesrechnungshof hat das bereits 2015 kritisiert. Die Kammer habe diese Intransparenz zum „beträchtlichen Gehalt des Hauptgeschäftsführers“ und den „damit verbundenen Versorgungslasten“ nicht behoben. Kahle vermutet, das Gehalt Schrages betrage etwa 400.000 Euro. Ihm stehe eine Pension von 240.000 Euro zu. Wie hoch die Bezüge tatsächlich sind, ist unklar. Die IHK veröffentlicht nur die Summe der 16 Gehälter an der Kammerspitze.

Sanierung oder Neubau?

Kahle bezweifelt generell einen „fairen Umgang“ der IHK-Spitze mit den Pflichtbeiträgen der Mitglieder. Er macht das unter anderem an der laufenden Entscheidung fest, ob der Sitz der Kammer in der Berliner Alle saniert wird – oder ob es einen teuren Neubau geben soll. „Hier sieht es danach aus, dass uns als Vollversammlung eine Beschlussvorlage präsentiert wird, in der keine Entscheidungsalternativen vorgehalten werden“. Von einer „erheblich günstigeren“ Renovierung sei gar keine Rede mehr. Die Kammer gehe den einfachsten und teuersten, aber nicht den wirtschaftlich sinnvollsten Weg. Unbestätigten Gerüchten zufolge könnte der IHK-Neubau zwischen Polizeidirektion und internationaler Schule an der Waterloostraße entstehen.

„Das Fass zum überlaufen gebracht“ habe allerdings das intransparente Auswahlverfahren für einen Nachfolger des scheidenden Hauptgeschäftsführers Schrage. Seinen Kritik fasst Kahle selbst so zusammen: „Die 80 Mitglieder der Vollversammlung werden von der Kammerspitze nur selektiv und manipulativ informiert.“

IHK: „Kein Kommentar“

Ein Sprecher der IHK wollte sich zu den Vorwürfen nicht im Detail äußern. „Zu Spekulationen und nicht richtigen Behauptungen wird die IHK keine Stellungnahme abgeben. In der nächsten Vollversammlung werden wir die genannten Punkte klären.“

Das ist die IHK Hannover

Die Industrie- und Handelskammer Hannover ist mit 160.000 Mitgliedsunternehmen zwischen Diepholz und dem Harz einer der größten IHK-Bezirke in Deutschland – ihm gehören etwa 40 Prozent der niedersächsischen Wirtschaft an. In der Kammer regeln die Gewerbetreibenden ihre inneren Angelegenheiten wie Aus- und Fortbildung oder die Interessenvertretung gegenüber der Politik weitgehend selbst. Die Kammer unterliegt zwar der Aufsicht durch das Wirtschaftsministerium. Diese Aufsicht erstreckt sich jedoch nicht auf inhaltliche Fragen, sondern beschränkt sich auf die Rechtsaufsicht. Die Mitgliedschaft in der Kammer ist nicht freiwillig. Das bedeutet, die Unternehmen gehören der IHK per Gesetz an und müssen Pflichtbeiträge zahlen. Darum sind die Kammern gehalten, Beiträge nur zur Kostendeckung zu erheben. Bei der IHK Hannover wird das bezweifelt. Sie hat riesige Rücklagen angehäuft.

Thema ist dann auch die Nachfolge Schrages. Viele in der Kammer hatten laut Kahle gehofft, dass Schrages Stellvertreter Christian Bebek aufrücken würde, der aber offenbar keine Chance bekommt. Kahle rügt einen Satzungsverstoß: Es sei die Vollversammlung, die den Hauptgeschäftsführer bestellt. „Uns soll in der Februar-Vollversammlung ein Beschlussvorschlag präsentiert werden, dem wir Folge leisten sollen“ – ohne echte Wahlentscheidung oder Informationen über die Bewerberauswahl.

Angebliches Vermögen von 110 Millionen Euro

„Wenn ich nur in die IHK kommen soll, um von anderen getroffene Entscheidungen formal abzunicken und hinterher mit einem Eibrot ruhig gestellt zu werden, bin ich nicht der richtige Mann“, schließt Kahle sein Schreiben an die Kollegen. Anschließend stellt er noch drei Fragen: Ob den Mitgliedern klar sei, dass die Kammer ein Vermögen von 110 Millionen Euro aufgehäuft habe, ob so viel Geld nötig sei für die Aufgaben der Kammer – und ob nicht überschüssiges Geld an die Mitglieder zurückgezahlt werden müsse?  

Von Karl Doeleke

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