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Aus der Stadt Muslime in Niedersachsen gründen Moscheeverband
Hannover Aus der Stadt Muslime in Niedersachsen gründen Moscheeverband
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00:17 29.01.2019
Setzen sich für einen deutschen Islam ein: der Verband Muslime in Niedersachsen. Quelle: Hilbig
Hannover

Zehn Moscheevereine und drei muslimische Jugend- und Frauengruppen aus Niedersachsen haben sich Sonnabend darauf geeinigt, einen neuen unabhängigen Verband zu gründen. Die Muslime in Niedersachsen, so der Name, wollen sich der Landesregierung als neuer Ansprechpartner anbieten. Im Vorstand: vor allem junge Frauen, von denen mehrere in Osnabrück islamische Theologie studiert haben. Zu den Initiatoren des Verbands gehört der frühere Vorsitzende der Islamverbands Schura in Niedersachsen, Avni Altiner.

„Wir sehen uns in der Pflicht, wirklich unabhängig von der Politik und für alle Ethnien offen zu sein“, erklärt Altiner im Freizeitheim Linden in Hannover. Den Gemeinden im neuen Moscheeverband gehören Gläubige mit bosnischen, kurdischen, afrikanischen, türkischen und arabischen Wurzeln an. „Die Mehrheit dieser Menschen lebt über ein halbes Jahrhundert hier, die Enkelkinder sind hier geboren“, betont Altiner. Der Verband will sich deshalb ausschließlich auf die Lebensfragen und den Alltag in Niedersachsen konzentrieren.

Einschüchterungsversuche im Vorfeld der Neugründung

Hintergrund für die Neugründung sind die Querelen um eine mögliche Einflussnahme der Türkei in den beiden größeren Moscheeverbänden in Niedersachsen. Bei der Ditib ist deshalb vergangenen November der komplette Landesvorstand zurückgetreten. Der Verband untersteht der Aufsicht der türkischen Religionsbehörde, die Imame entsendet. Der langjährige Vorsitzende Yilmaz Kilic hatte sich vergeblich gegen eine Einmischung aus der Türkei gewehrt.

Altiner selbst hat sich Ende 2018 vom zweiten Verband, der Schura, abgewandt. Der 50-Jährige kritisiert, dass der Einfluss der türkischen Bewegung Milli Görus dort stark angewachsen sei. Im neuen Verband Muslime in Niedersachsen engagieren sich mehrere Menschen, die langjährig im Schura-Vorstand aktiv waren. Im Vorfeld der Neugründung habe es Einschüchterungsversuche gegeben, berichtet Altiner. „Wir stehen massiv unter Druck und werden als Spalter bezeichnet.“ Altiner bezeichnet es als Rufmord, dass er im Internet in die Nähe der in der Türkei verbotenen Gülen-Bewegung gerückt werde.

Der neue Verband will sich für den Ausbau des regulären Islamunterrichts an den weiterführenden Schulen einsetzen. „Für uns ist die Frage, wie sich das muslimische Leben in Niedersachsen in Zukunft darstellt“, betont Firouz Vladi. Ein anderes Ziel ist die Ausbildung von muslimischen Theologen in Niedersachsen. „Imame aus dem Ausland gehen nicht sensibel mit den Kindern um, die ja in der deutschen Kultur aufgewachsen sind“, betont eine Frau. Um eine theologische Neuausrichtung geht es dem Verband dabei nicht.

Kirci: Alte Verbände spiegeln nicht mehr Mehrheit der Muslime in Deutschland

Die alten Moscheeverbände seien sehr einseitig auf die Herkunftsländer ausgerichtet, sagt Alptekin Kirci, SPD-Chef in Hannover und Landtagsabgeordneter. „Sie spiegeln nicht mehr die Mehrheit der Muslime, deren Heimat hier in Deutschland liegt.“ Kirci kündigt an, den neuen Verband zu unterstützen. „Wir brauchen eine religiöse Heimat, wo wir uns wohlfühlen.

Das Land hatte Freitag angekündigt, dass es die Kooperation mit dem türkischen Moscheeverband Ditib einschränkt. Konkret geht es dabei um drei aus der Türkei nach Deutschland entsandte Imame, die in der Gefangenenseelsorge arbeiten. In anderen Bereichen will die Landesregierung weiter mit vertrauten Ansprechpartnern bei der Ditib zusammenarbeiten. Diese Ankündigung habe die Gründung des neuen Verbands erschwert, sagt Altiner. „Das hat bei uns für Unruhe gesorgt.“

Von Bärbel Hilbig

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