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Aus der Stadt Zu viele Tiere: Katzenhilfe schlägt Alarm
Hannover Aus der Stadt Zu viele Tiere: Katzenhilfe schlägt Alarm
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00:21 23.08.2018
„Wir haben in Niedersachsen inzwischen südländische Verhältnisse“: Frauke Ruhmann, Sprecherin der Katzenhilfe, mit ihren eigenen beiden. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Sie sind krank, abgemagert, völlig verwildert und vermehren sich ununterbrochen weiter: Hannover hat ein massives Katzenproblem. 21 000 wilde Tiere leben allein im Stadtgebiet, niedersachsenweit sind es 200 000 Tiere. Um die ausgesetzten Hauskatzen, die sich irgendwie auf der Straße durchschlagen und meistens ein erbärmliches Leben fristen, kümmert sich der Verein Katzenhilfe Hannover. Und deren Mitglieder schlagen jetzt Alarm. „Dieses Jahr saufen wir ab“, sagt Frauke Ruhmann, Sprecherin des Katzenhilfevereins, mit deutlichen Worten. Die Ehrenamtler, die auch vom Tierheim Krähenwinkel unterstützt werden, sind nahezu verzweifelt.

„Die vergangenen Wochen waren wirklich heftig“, bestätigt auch Katja Marnetté, Leiterin der Tierschutzabteilung des Tierheims Krähenwinkel. An einigen Stellen sei die Katzenzahl explodiert, plötzlich seien dort 20 Katzen und mehr gemeldet worden. „Einige Tiere werden auch von Bürgern gefüttert. Die wenigsten wissen aber, dass sie rechtlich für ein Tier verantwortlich sind, das die über einen Zeitraum von sechs Monaten füttern“, erklärt Marnetté.

Helfer werden beleidigt

„Wir kümmern uns um die verwilderten Hauskatzen, die auf der Straße leben“, sagt Ruhmann. Kümmern heißt in diesem Fall: Einer Meldung nachgehen, die verwilderten Tiere einfangen und kastrieren lassen. „Jeden Tag werden uns mehrere Katzen gemeldet, es ist schrecklich“, sagt Ruhmann. Die meisten Katzen seien nicht vermittelbar. „Wir müssen sie wieder dorthin bringen, wo sie gefunden wurden – dort wird dann ein kontrollierter Futterstand errichtet.“ Wo diese Futterstellen in Hannover sind, verrät die Katzenhilfe indes nicht – zum Schutz der Tiere. „Es sind schon Menschen zu den Stellen gegangen und haben dort alle Katzen getötet“, erklärt die engagierte Tierfreundin. Erst vor einigen Wochen sind Ruhmann und die Vereinsvorsitzende beim Einfangen wilder Katzen von einem Pärchen geschubst und beleidigt worden.

Die Tiere vermehrten sich munter weitere – auch mit unkastrierten Freigängern aus den hannoverschen Wohnungen. „Was Straßenkatzen angeht, haben wir in Niedersachsen und ganz Deutschland mittlerweile südländische Verhältnisse“, sagt Ruthmann. „Zweimal im Jahr bekommen die Katzen Junge – meistens etwa im Mai und August“, sagt die Sprecherin. Die Angst „vor dem nächsten Rutsch“ Kätzchen ist groß bei der Katzenhilfe.

Seit 2011 dokumentieren die Vereinsmitglieder jeden Fall und melden ihn dem Veterinäramt. Einer der härtesten passierte vor einigen Monaten: „Wir bekamen eine Meldung von wilden Katzen auf einem Gelände. Vier Katzen hatten 32 Jungtiere bekommen – und alle anderen 36 Katzen waren zu der Zeit, als wir kamen, Muttertiere mit kleinen Babys“, sagt Ruhmann. Ein Katzenwurf habe meist etwa fünf Jungtiere. Die Katzen lebten überall in der Stadt, ob auf Firmengeländen oder auch Schrottplätzen.

121 Kommunen mit Verordnung

Seit März 2017 besteht in Niedersachsen laut Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Möglichkeit für Gemeinden, aus Gründen des Tierschutzes die Kastration von Katzen vorzuschreiben. Kommunen können eigene Verordnungen erlassen, bisher sei das nur aus Gründen der Gefahrenabwehr möglich gewesen. Auf eine Umfrage der Landesbeauftragten für den Tierschutz, Michaela Dämmrich, hätten nur 253 von 478 Gemeinden geantwortet. Von den 253 Gemeinden haben 121 bereits eine Katzenschutzverordnung, in 36 Städten sei eine Verordnung bereits in Arbeit.

Jede Gemeinde entscheidet für sich

Laut Katzenhilfe muss dringend eine Kastrationspflicht her. Die Entscheidung, ob diese angeordnet wird, obliegt allerdings den zuständigen Gemeinden. „Nur sie können für ihr Gemeindegebiet die Kastration von frei laufenden Katzen vorgeben und die Kontrollen durchführen“, sagt Alexandra Schönfeld, Sprecherin des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Anfang des Jahres hatte es erstmals eine Kastrationsaktion gegeben, das Land Niedersachsen hatte 200 000 Euro Fördermittel zur Verfügung gestellt. Innerhalb von zwei Wochen war das Geld aufgebraucht und 2600 wilde Katzen waren kastriert und gechipt.

Aus Sicht der Katzenhilfe ist das zumindest ein Anfang. Durch die Aktion des Ministeriums seien die Menschen sensibilisiert worden. „Der Grundstein ist gelegt“, sagt Ruhmann. Bereits in der Vergangenheit war der Verein mit seinem Anliegen einer Kastrationspflicht gescheitert, möglicherweise bestehen nun bessere Chancen. „Wir haben eine neue Petition gestartet“, sagt die Ehrenamtlerin, „sonst geht es bald nicht mehr.

Von Tomma Petersen

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