Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt 1000 Menschen feiern bei Kioskkonzert in Linden
Hannover Aus der Stadt 1000 Menschen feiern bei Kioskkonzert in Linden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:35 31.07.2018
„Liedfett“ gibt ein Kioskkonzert am Pfarrlandplatz und rund 1000 Fans kommen. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Platzregen und Sturm stören Liedfett-Sänger Daniel Michel nicht. „Das ist Hamburger Wetter.“ Ungerührt spielt die Band am Pfarrlandplatz weiter, ignoriert nicht nur die dunklen Wolken, sondern auch die platschenden Regenschauer und den Wind. Die improvisierte Plane, die Helfer aufbauen, hält den Regen nur notdürftig ab. Das Kioskkonzert der Punk-Ska-Pop-Gruppe mit Michael mit unter anderem Lucas Uecker an der Gitarre und Philipp Pöhner am Cajón trotzt dem Unwetter, während viele der Fans in eine naheliegende Kneipe flüchten. Durchs gekippte Fenster klingt „Liedfett“ immer noch gut. Das Kioskkonzert ist zweifellos der Höhepunkt des ersten hannoverschen Kiosktages am Sonnabend. Rund 1000 Zuhörer kommen zum Kioskkonzert am Pfarrlandplatz.

So sieht es aus, wenn 1000 Menschen auf dem Pfarrlandplatz einem Konzert lauschen und die Pro-Bier-Bude an der Limmer Straße zur Lesung einlädt.

Ob Linden, Nordstadt, Vahrenwald oder Südstadt – rund 240 Kioske gibt es in Hannover. Bunte Tüten, Kaltgetränke und Klönschnack mit dem Besitzer bekommt man überall. „Kiosk ist Leben, es gibt erfrischende Getränke, erfrischende Begegnungen und erfrischende Gespräche“, sagt Christian Schulz-Hausbrandt (43), Chef der Privatbrauerei Herrenhausen, zum Start des ersten hannoverschen Kiosktages am Sonnabend. Organisiert wird die Aktion von der HAZ mit Unterstützung des Kulturbüros.

In Hannover ist der erste Kiosktag eröffnet worden. Es gibt Kaltgetränke, Konzerte und Ausstellungen an Buden in der ganzen Stadt.

Das Unternehmen, das in in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert, ist Hauptsponsor und präsentiert am Abend um 20 Uhr am Pfarrlandplatz ein Konzert der Kultband „Liedfett“. Dies dürfte sicherlich einer der Höhepunkt des Kiosktages sein. Aber das Programm umfasst viel mehr – Lesungen, Erzählcafés, aber auch Freibier. Das Kinderfest am Kiosk Waldsonne in der Eilenriede wird aufgrund der Unwetterwarnung und des Starkregens am Nachmittag lieber abgesagt.

Ausstellung am Küchengarten und an Lutherkirche

Wer wenig Zeit, aber viel Interesse hat, kann am Küchengarten gleich Bilder von allen Kiosken sehen. Die Ausstellung haben Anna Morawek von der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel und Laura Kettler von der Uni Hannover konzipiert. Morawek (26), die zurzeit in Kiel ihr Masterstudium absolviert, hat ihre Bachelorarbeit über Hannovers Kioskkultur geschrieben. Sie habe viel gelernt bei ihren Recherchen, sagt die Künstlerin, vor allem eines: „Hinter jedem Kiosk steht eine starke Persönlichkeit.“ An der Lutherkirche steht der zweite Teil der Ausstellung – eine Videoinstallation – hier erzählen Kioskbesitzer von ihren Erlebnissen.

„Verkaufen mit menschlichem Gesicht“

Bürgermeisterin Regine Kramarek (Grüne), die bei der Eröffnung Oberbürgermeister Stefan Schostok vertritt, nennt den Kiosk „einen sozialen Treffpunkt, der die Nachbarschaft belebt“. Der Direktor des Historischen Museums, Thomas Schwark, sagt: „Kioske sind ein Phänomen der industrialisierten Zeit, aber sie sind immer noch da, obwohl wir in der Postindustrialisierung leben.“ Erfunden habe diese Trinkhallen Carl Nebgen, der in Hannover Ende des 19. Jahrhunderts teils mehr als 80 dieser Trinkhallen selbst betrieben hätte. An den „Büdchen“, wie sie im Ruhrgebiet genannt werden, konnten die Fabrikarbeiter auch nach dem Schichtdienst noch etwas zu trinken bekommen. Später kamen die Tankstellen, die Öffnungszeiten der Supermärkte wurden verlängert. Die Kioske aber sind geblieben. Mittlerweile sind sie Kult, wie HAZ-Redakteur Jan Sedelies sagt. Schwark nennt das „Kaufen und Verkaufen mit menschlichem Gesicht.“

Kulturhauptstadt fragt am Popup-Kiosk nach

Ein ganz besonderer Kiosk hat am Klagesmarkt seinen Probelauf – der Popup-Kiosk der Kulturhauptstadt 2025. Bürochefin Melanie Botzki nennt das „aufsuchende Beteiligung“. Ab September soll der transportable Kiosk in alle Stadtteile reisen und dort die Bürger fragen, was sie sich bei der Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt wünschen. Zum Start können Besucher Fragen beantworten wie „Welche Stadt in Europa Vorbild für Hannover und warum?“ oder „Was ist gute Nachbarschaft?“ Ihre Ideen können sie auf Karteikarten notieren und aufhängen, auch das ist schon eine Kunst-Installation. Botzki möchte durch die Tour durch die Quartiere auch die Menschen erreichen, die sonst mit Kultur nicht so viel zu tun haben. Bis März nächsten Jahres soll der Kulturhauptstadt-Kiosk durch die Bezirke reisen.

Auch in der Südstadt wurde gefeiert. Im Lodderbast-Kino mit Kurzfilmen und Kinofilm-Live-Vertonung. Im „Kiosk der Vielfalt“ wurde über die internationale Kioskszene diskutiert. Am Kiosk von Angelika Rohmeyer, Betreiberin seit zwölf Jahren, gab es ein Konzert von Songwriter Keja: „Schöne Idee. Hilft den Kiosken und den Kulturschaffenden“.

Kann man also viel öfter machen.Erste Planungen für den Kiosktag 2019 haben schon begonnen.

Von Saskia Döhner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gegen 14 Uhr hat die Unwetterfront am Sonnabend Hannover erreicht und heftige Regenfälle und Gewitter gebracht. Bis auf nasse Kleidung blieb es aber weitestgehend ruhig in der Stadt. Die Feuerwehr erhöhte vorsorglich ihre Alarmbereitschaft.

28.07.2018

Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und eine Ideensammlung für die Kulturhauptstadt 2025: Heute startet der erste Kiosktag. Die HAZ erklärt, wo was wann zu sehen ist und lädt zur Kiosktour ein. Hier finden Sie das Programm.

28.07.2018

Von Südafrika in wenigen Minuten in die USA: Das geht auf dem diesjährigen Maschseefest am Nordufer ganz problemlos – zumindest kulinarisch. Wir geben Ihnen einen Überblick über Bühnen, Restaurants und Bars.

31.07.2018