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Aus der Stadt Fotograf Mahramzadeh verlässt Kleines Fest nach Streit
Hannover Aus der Stadt Fotograf Mahramzadeh verlässt Kleines Fest nach Streit
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00:15 27.07.2018
Fotograf Hassan Mahramzadeh (rechts) und Festorganisator Harald Böhlmann Quelle: Maramzadeh/HAZ/Archiv
Hannover

In dieser Geschichte geht es um unbedachte Worte und verletzte Ehre, um offene Briefe und das Ende einer kleinen Tradition.

Seit Jahrzehnten begleitet der freiberufliche Fotograf Hassan Mahramzadeh Hannovers Kultur und vor allem Herrenhausen, vielen gilt er als einer der wesentlichen Dauerchronisten des Kleinen Fests – bisher. Jetzt hat er dem Cheforganisator des Kleinkunstspektakels, Harald Böhlmann, öffentlich die Freundschaft und Zusammenarbeit aufgekündigt, „zutiefst getroffen“, wie er in einem offenen Brief auf Facebook schreibt. Böhlmann bedauert den Vorgang – und bietet eine Gespräch an, ebenfalls öffentlich per Facebook. „Es ist der erste Facebook-Post meines Lebens“, sagt Böhlmann, und er klingt ein wenig erstaunt über sich selbst.

Wie so oft, wenn Konflikte eskalieren, gibt es einen eigentlich fast nichtigen Anlass und einen ernsten Hintergrund. Der Anlass war dieser: Zur Halbzeit des Kleinen Fests wird immer ein sogenanntes Familienbild an der Kaskade gefertigt, alle Künstler versammeln sich, die Fotografen stehen oben auf der Kaskade und knipsen die bunte Schar. Mahramzadeh hatte schon vorab alles vorbereitet und seine Kamera auf ein Stativ montiert, jetzt wollte er unten die Aufstellfläche markieren. Da näherte sich ein Besucherpaar und fragte, ob es die Kaskade besteigen dürfe – Mahramzadeh lehnt ab, weil er Angst um seine Ausrüstung hat. In diesem Moment, sagt er, habe Böhlmann ihn angeschrien: „,Du hast hier nichts zu sagen, du bist hier nicht der Veranstalter, wenn du das noch einmal machst, bist du die längste Zeit hier gewesen.“ Mahramzadeh sagt, das „Geschrei in der Öffentlichkeit“ habe ihn „zutiefst getroffen“, er fühle sich im Stolz verletzt und erniedrigt.

Böhlmann, langjähriger Kulturdezernent der Stadt und jetzt im Ruhestand weiter Ausrichter des von ihm initiierten Kleinen Fests in Herrenhausen, sagt, dass ihm der Vorgang ehrlich leid tue. „Ich habe überreagiert, und das war sicherlich im Ton nicht angemessen“, sagt er. Für seine Reaktion wolle er sich bei Mahramzadeh persönlich entschuldigen – man kenne sich schon lange. „Ich bin kein Choleriker“, sagt er. Er wolle den Konflikt weder auf die Hitze noch auf den Stress schieben, obwohl beides zum Aufbrausen möglicherweise beigetragen habe. Allerdings habe sich offenbar etwas angestaut.

Die Macher des Kleinen Fests sind selbst nur Untermieter im Großen Garten. „Der Fototermin fand während der Zeit statt, als dort zahlende Gartenbesucher unterwegs waren“, sagt Böhlmann: „Ich habe nicht das Recht, zu der Zeit jemandem den Zutritt zur Kaskade zu verwehren – und schon gar nicht hat dieses Recht ein Fotograf.“

Spürbar fühlt sich Mahremzadeh vor allem deshalb in der Ehre gekränkt, weil er vor den anwesenden Künstlern lautstark herabgekanzelt wurde. Er führt noch einen anderen Konflikt an, bei dem Böhlmann ihn zu unrecht abgekanzelt habe. „Das ist Jahre her“, sagt Böhlmann, es ging um eine Übersetzung des Künstlerfestnamens. Mahramzadeh wirft ihm fehlenden Charakter vor, weil er sich auf einen Beschwerdebrief hin nicht sofort entschuldigt habe.

Das Internet und die speziellen Kommunikationsriten der Sozialen Medien lassen den Konflikt jetzt richtig hochkochen: Zu Dutzenden hagelt es Kommentare und Beschimpfungen. Es scheint, als müssten zwei Männer bald einen Kaffee miteinander trinken und reden. Man hört, dies sei jetzt kurzfristig verabredet.

Von Conrad von Meding

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