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Aus der Stadt Kleingärten sollen nicht mehr für Wohnungen weichen
Hannover Aus der Stadt Kleingärten sollen nicht mehr für Wohnungen weichen
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06:40 10.01.2019
Rund 800 Kleingärten, unter anderem in Vinnhorst, sollten bisher Platz machen für Wohnhäuser. Das ändert sich jetzt. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Hunderte Kleingärtner müssen keine Kündigung mehr befürchten – zumindest vorerst. Die Stadtverwaltung nimmt Abstand davon, Kolonien aufzulösen, um Grundstücke für den Wohnungsbau zu gewinnen. „Die vorgezogene Entwicklung von großflächigen Bebauungsgebieten wie Kronsberg-Süd, Wasserstadt-Limmer, ehemaliges Oststadtkrankenhaus und anderen hat die positive Auswirkung, dass derzeit die Freimachung von Kleingarten-Flächen für Wohnbauprojekte nicht forciert wird“, bestätigt Stadtsprecher Dennis Dix die Informationen der HAZ. Es werde Ende 2019 Baurecht für 10.000 Wohnungen geben. „Darauf gilt es sich zu konzentrieren“, sagt Dix.

Damit entschärft die Stadt einen jahrelangen Konflikt mit Kleingarten-Aktivisten. Das „Aktionsbündnis gegen Kleingartenzerstörung“ hatte immer wieder gegen die Kündigung von Parzellen protestiert. Unklar ist, wie lange die Kleingärtner nun auf ihren Parzellen bleiben dürfen. „Da wünsche ich mit klare Ansagen vom Umweltdezernat“, sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Es dürfte sich um Zeiträume von mehreren Jahren handeln. Die Stadt werde erst wieder Kleingärten in Bauland umwandeln, sagt Dix, wenn die Bauvorhaben für die 10.000 Wohnungen weit fortgeschritten seien.

Von den rund 20.000 Kleingärten in Hannover sollten etwa 800 dem Wohnungsbau weichen – darauf hatte sich die Stadt nach langen Verhandlungen mit dem Bezirksverband der Kleingärtner geeinigt. Die Kündigung von Parzellen sollte sozialverträglich ablaufen. Kleingärtner mussten entschädigt werden und sollten eine Art Schmerzensgeld von bis zu 2500 Euro erhalten. Zudem wollte die Stadt Ersatzflächen zur Verfügung stellen. Rund 43 Millionen Euro hatte die Stadt für den Umbau der Kleingartenlandschaft kalkuliert. Als eine der ersten Kolonien mussten vor zweieinhalb Jahren Parzellen in Kirchrode geräumt werden.

Immer wieder regte sich Protest gegen das sogenannte Kleingartenkonzept. Eine Bürgerinitiative formierte sich, Unterschriften wurden gesammelt. In jeder Ratsversammlung saßen Aktivisten auf der Zuschauertribüne, gut erkennbar an ihren grasgrünen T-Shirts mit der aufgedruckten Maulwurf-Figur.

In der Ratspolitik wird das Aussetzen der Kündigungswelle begrüßt. „Der Erhalt grüner Oasen ist gesichert“, sagt Grünen-Ratsherr Mark Bindert. Die Stadt habe genügend Bauland geschaffen, sodass Kleingärten vorerst nicht angetastet werden müssen. Die SPD betont, dass damit keinesfalls das Kleingartenkonzept ad acta gelegt werde. „Das Konzept beinhaltet auch, Kleingärten zu modernisieren“, sagt SPD-Umweltpolitiker Philipp Kreisz. Dazu gehöre, Vereinsheime energetisch zu sanieren und Wege innerhalb der Kolonien zu erneuern.

Ausgenommen vom Kündigungsstopp sind Kleingärten, auf denen sich Unternehmen ansiedeln wollen. In Hannover fehlen Gewerbeflächen, meint die Stadt. Daher besteht für 18 Pächter in der Kolonie Friedenau in Hainholz kaum Hoffnung auf Erhalt ihrer Gärten. Die Fläche soll als Gewerbegebiet vermarktet werden, zudem will die Stadt dort neue Radwege bauen. Über eine Kündigung der Parzellen zum 30. November entscheidet der Umweltausschuss in seiner nächsten Sitzung am Montag, 14. Januar. Eine Zustimmung gilt als sicher.

Von Andreas Schinkel

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