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Aus der Stadt Warum Eminem nur nach Hannover kommt
Hannover Aus der Stadt Warum Eminem nur nach Hannover kommt
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00:15 12.07.2018
US-Rapper Eminem kommt nach Hannover. Quelle: dpa
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Hannover

Natürlich ist alles streng geheim. Ein Rundgang über das Konzertgelände Tage vor Beginn? No, sagt die Agentur des Superstars. Fotos von der Bühne? No, no. Aber was immer der US-Rapper Eminem vor 75.000 Zuschauern am Dienstag aufführt, an einem Hindernis kommt er nicht vorbei: Niedersachsens Versammlungsstättenverordnung in der Fassung vom August 2004. Sie regelt alles, von Rettungswegen, Beleuchtung, Zahl der Toiletten (für Männer und Frauen unterschiedlich), erlaubte Bauteile, Feuerschutz bis zur „Abschrankung von Stehplätzen vor Szenenflächen“. Mit anderen Worten, wie nah Besucher vorne höchstens an der Bühne stehen dürfen. Wo Schluss ist, kommt eine Absperrung und dahinter kräftige Männer mit, in der Regel, sehr kurz geschnittenen Haaren.

Ein echter Coup von Hannover Concerts

Hannover Concerts ist Veranstalter des ersten Eminem-Auftritts seit Hamburg 2003. Das ist ein Coup, der in der Branche seit etwa einem Jahr absehbar war, ohne dass es jemand an die große Glocke hängte, weder bei Stadt, Messe, Üstra oder Feuerwehr. Sie können schweigen in Hannover, und Verschwiegenheit gilt als Standortvorteil im Städtewettbewerb. Im Hintergrund liefen schon die Vorbereitungen, als noch kaum jemand von diesem Großereignis wusste.

Das Konzert zählt zu den Höhepunkten in Hannovers Musikgeschichte, doch zuvor musste Hannover Concerts im Rathaus einen ordentlichen gebührenpflichtigen Bauantrag stellen. Die Stadt ist die Genehmigungsbehörde. Am Dienstag gehen Mitarbeiter abschließend über das Gelände und begutachten in letzter Instanz das Sicherheitskonzept, das ab einer Besucherzahl von 5000 von jedem Veranstalter vorgelegt werden muss. Die Stelle für Lebensmittel ist in die Vorbereitung des Konzerts ebenso eingeschaltet wie der Jugendschutz. Nicht ausgeschlossen, dass im Publikum die eine oder andere Tüte mit verbotenen Substanzen kreist – an Getränkeständen müssen ordnungsgemäß Schilder angebracht werden, wonach Alkohol an Jugendliche unter 16 nicht verkauft werden darf.

Übernachtet Eminem in Hannover?

Eminem selbst soll am Dienstag auf dem Flughafen Langenhagen ankommen. Ob er in Hannover übernachtet, nach dem Konzert in eine andere Stadt fährt oder wieder ins Flugzeug steigt? „Wissen wir nicht“, sagt Nico Röger, Geschäftsführer von Hannover Concerts. Die Hardrocker von Guns ’n Roses schliefen im Juni vergangenen Jahres behütet im Fünfsterner Luisenhof. Aber manchmal, sagt Röger, wollen Stars nicht in der Stadt ihres Auftritts bleiben, um möglichen Rummel abseits eines Konzerts zu entgehen. Zwei Tage nach Hannover spielt Eminem im niederländischen Nijmegen, da könnte er in einer Nachtfahrt auch gleich weiterfahren. Das Konzert auf dem hannoverschen Messegelände läuft bis zirka 23 Uhr, Zeit bliebe also. Röger wird dem Amerikaner zuvor als Geschäftspartner begegnen, den er zuerst in New York bei einem Auftritt im Madison Square Garden gesehen hatte, damals als Fan. Er werde langsam etwas aufgeregt, sagt der Manager, so, wie Spieler vor einer wichtigen Partie nervös werden „Aber ohne Anspannung würde man den Respekt vor solchen Großveranstaltungen verlieren.“

Üstra setzt Sonderwagen ein

Während am Dienstag Zuschauer allmählich das Konzertgelände füllen werden, wird Ralf Bär in der Nähe vor einer Reihe von Monitoren sitzen. Bär ist Leiter Fahrgruppen bei der Üstra, und die erwarteten 20.000 Fahrgäste, die mit Stadtbahnen zum Konzert und wieder zurück fahren, sind ganz sicher eine sehr große Fahrgruppe. Das Unternehmen setzt natürlich Sonderwagen ein, die zusätzlich zum ausgedruckten Betrieb unterwegs sind. Vor Konzertbeginn sind es sieben , bei der Abreise 14 Extrazüge. Die Kosten für diesen Einsatz tragen alle Konzertbesucher gemeinsam über das Kombiticket. Auch diejenigen, die mit dem Auto kommen, haben den Aufschlag bezahlt, der zur Üstra-Fahrt berechtigt. Im Leitstand Messe-Ost beobachtet Bär, ob alles nach Fahrplan läuft, auch die Sonderzüge. Besonders nach Konzertschluss, wenn 20.000 Menschen zurück wollen, wird es eng. „Dann muss es Schlag auf Schlag gehen“, sagt Fahrgruppenleiter Ralf Bär.

An einen guten Verlauf dieses Dienstagabend glaubt auch Ralf Sonnenberg. Er leitet im Rathaus das Eventmanagement und weiß, dass jedes gelungene Ereignis Werbung für Hannover ist. „Für die Stadt, die Messe und den Veranstalter.“ Es gilt, auch diese Chance zu nutzen.

Von Gunnar Menkens

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