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Aus der Stadt Eltern freuen sich über Gratis-Kita
Hannover Aus der Stadt Eltern freuen sich über Gratis-Kita
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07:00 02.08.2018
Für die Eltern ab jetzt kostenlos: Kinder spielen in der Kita Lütje Liga auf dem Faustgelände in Linden. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

Für die meisten Eltern kleiner Kinder ist es eine Freude: Seit 1. August gehen Kinder in Niedersachsen kostenlos in den Kindergarten. „Die Gebührenfreiheit ist eine große Erleichterung“, betont Johann Hartwig. Der Vater von drei Kindern zahlt jetzt nur noch für den Hort seines ältesten Sohnes. Das zweite Kind darf aufgrund der Neuregelung kostenlos in den Kindergarten und für den Jüngsten als drittes Kind der Familie in der Kita ist die Krippe kostenlos – so sieht es die Gebührenordnung der Stadt bisher vor. „Das fühlt sich gerecht an. Die Schule kostet ja auch nichts“, meint Hartwig.

Vor allem die städtische Gebührenstaffel ärgerte viele Eltern. „Sie war nicht richtig solidarisch. Familien mit 45.000 brutto zahlten genauso viel wie andere mit 120.000 Euro Einkommen“, sagt Hartwig. Der Ingenieur hat einmal bewusst eine Gehaltserhöhung ausgeschlagen, damit er nicht in die nächsthöhere Beitragsstufe rutscht. „50 Euro mehr Einkommen konnten dazu führen, dass man 100 Euro mehr an Kitagebühren zahlen musste.“

Angret Rafalski hofft nun stark darauf, dass die Stadt die bisherige Geschwisterermäßigung beibehält. Ihr Sohn beginnt jetzt sein letztes Jahr im Kindergarten, das auch bisher schon gebührenfrei war. Die kleine Tochter startet in der Krippe, als zweites Kind zum halben Gebührensatz. „Wir haben das Geld fest eingeplant, denn ich bekomme jetzt kein Elterngeld mehr und brauche Zeit zur Jobsuche.“ Der Gebührenbescheid, den die Stadt jetzt verschickt hat, fällt im Sinne der Familie aus. Allerdings entscheidet der Rat erst nach der Sommerpause über die neue Entgeltregelung. Änderungen sind also noch möglich.

Besonders kleinere Kita-Träger sorgten sich, dass das Land seinen erhöhten Zuschuss für den Kindergartenbetrieb nicht rechtzeitig überweist. Schließlich hat der Landtag das Gesetz erst kurzfristig vor den Ferien beschlossen. „Das Geld ist jetzt auf dem Konto“, berichtet Hannah Schmidt aus dem Vorstand der von Eltern betriebenen Kita Lütje Liga in Linden. Schmidt ist erleichtert, denn Mitte August sind die Gehälter der Erzieher fällig. Das ist nun gesichert.

Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) verschickt jetzt aktuelle Beitragsbescheide an die Familien, die Kinder ab drei Jahren in einer der 43 Awo-Kitas in Hannover haben. „Vorher hatten wir noch keine schriftlichen Infos“, sagt Kita-Fachberaterin Ingrid Krüger. Mitte Juli bekamen die Eltern vorab eine Mitteilung, damit sie noch rechtzeitig ihre Daueraufträge ändern konnten. Für ein Kind im entsprechenden Alter fällt in der Regel nur noch Essensgeld an.

Beitragsfreiheit für Kinder ab drei Jahren

Der Kita-Besuch ist für Kinder ab drei Jahren bis zur Einschulung kostenlos. Die Beitragsfreiheit betrifft also auch dreijährige Kinder in der Krippe. Wenn andererseits ein zweijähriges Kind im Kindergarten aufgenommen wird, weil es erst im Herbst den dritten Geburtstag hat, müssen seine Eltern bis dahin noch zahlen.

Eltern zahlen fürs Essen

In Hannover kostet das Essen im Kindergarten weiterhin 30 Euro pro Monat. Hat eine Familie mehrere Kinder in Hort, Kindergarten oder Krippe, zahlt sie das Essensgeld nur für das älteste Kind.

Rat entscheidet erst im Herbst

Da der Rat die städtische Entgeltregelung erst im Herbst an das neue Kita-Gesetz anpasst, bleiben noch Fragen offen. Es ist unklar, ob die Stadt ihre Geschwisterregelung beibehält. In der Entscheidung der Kommune liegt es auch, ob sie für Früh- und Spätdienste Gebühren nimmt, wenn diese die Betreuungszeit von acht Stunden überschreiten.

Eltern zahlen weiter für Betriebskitas

Vom gebührenfreien Kindergarten profitieren keineswegs alle Eltern. Familien mit Kind in einer Betriebskita müssen weiter zahlen, denn bisher wissen die Träger dieser Einrichtungen nicht, wer ihnen ausfallende Elternbeiträge ersetzt. „Wir müssen weiterhin Gebühren nehmen in der Hoffnung, sie nach einer Klärung erstatten zu können“, berichtet Bärbel Springer vom Pme Familienservice. Das Unternehmen betreibt fünf Kitas in Hannover, Firmen reservieren dort Plätze für Mitarbeiterkinder. Springer geht davon aus, dass das Land rund 130 Euro pro Kita-Platz tragen will, dem Kita-Träger fehlen bei Wegfall des Elternbeitrags noch 175 Euro, die bisher nicht gedeckt sind. Das Kita-Gesetz bleibt dazu unklar.

„Die Firmen sind nicht bereit, für die Beitragsfreiheit einzuspringen“, betont Springer. Ob die Stadt diese Lücke schließt, will die Kommune frühestens im September entscheiden. „Die Unternehmen legen bereits viel obendrauf für Besonderheiten wie längere Öffnungszeiten oder Zweisprachigkeit“, sagt Carsten Prante, Regionalleiter des Kita-Trägers Impuls Soziales Management. Die Firma betreibt die Kita Varta-Bulli-Starter für Johnson Controls und Volkswagen Nutzfahrzeuge sowie die Solkids für Solvay und Abbott.

Von Bärbel Hilbig

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