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Aus der Stadt Messerattacke: Fünf Jahre Haft für 17-jährigen Syrer
Hannover Aus der Stadt Messerattacke: Fünf Jahre Haft für 17-jährigen Syrer
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00:21 14.09.2018
Das Opfer Vivien K. - hier nach dem Ende des Prozesses - hat bis heute schwer unter den Folgen der Tat zu leiden. Quelle: Michael Zgoll
Hannover / Großburgwedel

Zwei Brüder aus Syrien sind am Dienstag vom Landgericht Hannover wegen eines Messer-Angriffs auf eine Kassiererin aus Burgwedel verurteilt worden. Abdullah A. (17) wurde wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren verurteilt, Mohamad A. (14) bekam wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung zwei Wochen Dauerarrest sowie zehn Stunden soziales Training auferlegt. Ein 13-jähriger Cousin hatte nicht auf der Anklagebank Platz nehmen müssen, da er noch strafunmündig ist.

Die 24-jährige Kassiererin Vivien K. war am 24. März dieses Jahres durch einen Stich in den Bauch lebensgefährlich verletzt worden, ihr 25 Jahre alter Freund kassierte bei der Auseinandersetzung vor einem Supermarkt in Großburgwedel Faustschläge. Aufgrund des Alters der Angeklagten fand der Prozess vor der 1. Großen Jugendkammer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

5000 Euro für Opfer gesammelt

Die Staatsanwaltschaft hatte für Abdullah A. eine sechsjährige Haftstrafe gefordert. Dieser entschuldigte sich zwar bei dem Opfer, so hieß es, warf der Anklagebehörde in seinem Schlusswort aber auch vor, sein Leben zerstören zu wollen. Die Eltern des Brüderpaars, die beide berufstätig sind, hatten im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht, den Schaden wiedergutzumachen. Sie hatten in Großburgwedel 5000 Euro gesammelt und Vivien K. dieses Geld übergeben. Sie zeigten sich sehr betroffen von der Tat ihrer Söhne, die Mutter verließ den Gerichtssaal heftig schluchzend. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Stefan Lücke maß dem 17-Jährigen dem Vernehmen nach eindeutig die Hauptverantwortung zu; der 14-jährige Bruder soll den Freund von Vivien K. allerdings auch mit Schlägen bedacht haben. Unverständnis, so hieß es, habe das Gericht an dem Motiv „Ehrverletzung“ geäußert: Eine solch brutale Tat sei durch nichts zu rechtfertigen.

Die Attacke erwuchs offenbar aus einer Nichtigkeit. Zunächst hatten Mohamad A. und ein 13-jähriger Cousin gegen 19.20 Uhr in einem Edeka-Markt in Großburgwedel gerangelt. Vivien K. und ihr Freund, so die Staatsanwaltschaft, forderten die Jungen auf, sich zu benehmen und Älteren gegenüber mehr Respekt zu zeigen. Daraufhin holten diese den älteren Bruder von Mohamad zu Hilfe. Nach einem verbalen Streit und Schubsern, die von den Syrern ausgegangen sein sollen, wurde der 25-Jährige mit Fausthieben traktiert. Dann zog Abdullah A. ein Messer. Die Kassierin versuchte, ihn von weiteren Angriffen abzuhalten – und wurde selbst getroffen. Der Messerstich verletzte Leber, Magen, Niere, Darm und Bauchspeicheldrüse; tagelang kämpften Ärzte um das Leben des Opfers. Nach Angaben von Nebenklage-Anwalt Björn Nordmann mussten bei der jungen Frau die Milz und ein Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt werden, sie nimmt immer noch Schmerzmittel, ist zu 30 Grad schwerbehindert und leidet seelisch stark unter der Tat und ihren Folgen.

Anwalt Nordmann zeigte sich zufrieden, dass der Haupttäter auch wegen versuchten Totschlags, nicht nur wegen gefährlicher Körperverletzung – wie ursprünglich von der Anklagebehörde geplant – verurteilt wurde. Er kündigte an, weitere Schadensersatzansprüche auf zivilrechtlichem Wege geltend zu machen. Der Berliner Anwalt Paul Vogel, der Abdullah A. verteidigte, nannte das Urteil „fair“. Er persönlich werde nicht empfehlen, in Berufung zu gehen, wisse aber nicht, wie sich die Familie entscheiden werde.

Von Michael Zgoll

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