Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Ist der Deisterkreisel sicher genug?
Hannover Aus der Stadt Ist der Deisterkreisel sicher genug?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 12.10.2018
An der Stelle, wo sich der tödliche Unfall ereignete, haben Trauernde Blumen für den verunglückten Radfahrer abgelegt. Quelle: Frank Wilde
Linden-Süd

Der jüngste tödliche Unfall am Deisterkreisel hat die Politiker des Bezirksrats Linden-Limmer auf den Plan gerufen. Sie sind bestürzt darüber, dass ein 64-jähriger Radfahrer an dem zentralen Verkehrsknotenpunkt am Deisterplatz sein Leben verloren hat. Zugleich fordern die Fraktionen nun ein Umdenken von den Verkehrsplanern in der Stadtverwaltung, bessere Querungsmöglichkeiten für Radfahrer und Fußgänger sowie verstärkte Geschwindigkeitskontrollen des motorisierten Verkehrs.

„Der Deisterkreisel muss im Hinblick auf sein Gefahrenpotenzial genauer in den Blick genommen werden – wir werden eine entsprechende Anfrage im Bezirksrat stellten“, kündigt SPD-Fraktionsvorsitzender Matthias Voß an. David Müller, Fraktionschef der Linken, fordert ein Gesamtkonzept für die Verkehrsführung am Deisterkreisel. „Das ist zurzeit ein Auto-Umschlagplatz, die Bedürfnisse von Radfahrern und Fußgängern gehen dort unter“, sagt er. „Die Sicherheit des Kreisels muss überprüft werden“, betont auch Daniel Gardemin, Vorsitzender der Grünen-Fraktion.

„Es folgt eine unübersichtliche Situation auf die nächste.“

Ende August war dort ein 64-jähriger Radler nach einem Zusammenprall mit einem Auto so schwer verletzt worden, dass er verstarb. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei hatte der Mann offenbar das rote Signal an einer Ampel übersehen. „Das ist eine komplizierte Kreuzung, und die Autos fahren sehr schnell“, sagt Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube, der selbst häufig am Kreisel unterwegs ist. Gerade ältere Menschen hätten Schwierigkeiten, sich in dem viel befahrenen Rund zurechtzufinden, meint Linken-Politiker Müller: „Es folgt eine unübersichtliche Situation auf die nächste.“ Der Verdacht liege nahe, dass „bauliche Versäumnisse und problematische Ampelschaltungen“ zu dem Unfall geführt hätten, sagt Gardemin. Am Deisterplatz müssten Radler und Passanten mit unverhältnismäßig vielen und langen Wartezeiten sehr viele Straßen überqueren. „Eine Überquerung in einem Zug muss künftig auch für Radfahrer möglich sein“, fordert Gardemin.

Radfahrstreifen auf Göttinger Straße gefordert

Der Bezirksrat Linden-Limmer hatte sich in seiner Juni-Sitzung bereits dafür eingesetzt, die Situation für Radfahrer und Fußgänger zumindest entlang der Göttinger Straße zu verbessern. Im Bereich zwischen dem Deisterkreisel und dem Fahrradhändler Stadler auf dem Hanomag-Gelände fordern die Politiker stadteinwärts einen Radfahrstreifen, der auf die Fahrbahn verlegt und rot markiert wird, sowie eine entsprechende Verengung der Fahrbahn für den Autoverkehr. Der Bezirksrat versteht seinen interfraktionellen Antrag ausdrücklich als „Zwischenlösung, bis eine komplette Umgestaltung der Göttinger Straße durchgeführt werden kann“.

Als Teil einer Bundesstraße sei der Deisterkreisel derzeit vor allem auf den Durchgangsverkehr des Westschnellwegs ausgelegt, kritisieren Grünen- und Linken-Fraktionschef. Es sei „höchste Zeit“, die dortige Verkehrssituation neu zu bewerten, betont Müller. Denn längst nutzten immer mehr Fußgänger und Radfahrer die Großkreuzung, um zu den Geschäften auf dem Hanomag-Gelände zu kommen. Auch das Gewerbegebiet an der Bornumer Straße sei unter anderem nach der Eröffnung des Kaufland-Marktes wieder ein Anzugspunkt für viele Menschen geworden.

Wo kracht es in Hannover am meisten? Das sind die 10 gefährlichsten Kreuzungen der Stadt.

Stadtverwaltung will Bericht der Unfallkommission abwarten

Vermehrte Tempokontrollen von Autos und Lastwagen seien am Deisterkreisel dringend erforderlich, sagt Gardemin. „Zumal an der Göttinger Straße Tempo 40 angeschlagen ist.“ Der Westschnellweg diene als „Mautumgehungsstrecke“, bemängelt er. „Es ist aber verhängnisvoll, wenn ein Stadtteil als Durchgangsstrecke für den Fernverkehr genutzt wird.“ „Die Stadt muss ein Auge auf die Situation haben“, betont auch SPD-Fraktionschef Voß. Allerdings seien die Zuständigkeiten erschwert, weil es sich bei der zentralen Schnellwegachse, die über den Kreisel führt, um eine Bundesstraße handelt.

Zu der Frage, ob der Deisterkreisel ein besonderer Gefahrenpunkt ist und ob es dort gegebenenfalls Nachbesserungsbedarf gibt, wollte sich die Stadtverwaltung auf Anfrage noch nicht näher äußern. Der Sachverhalt werde von der Unfallkommission geprüft, hieß es nur. Zu dem Gremium unter Federführung der Polizei gehören auch die Straßenverkehrsbehörde und das Tiefbauamt der Stadt sowie der städtische Radverkehrsbeauftragte. Der Fahrradclub ADFC hatte am Deisterkreisel in der vergangenen Woche eine Mahnwache für den tödlich verunglückten 64-Jährigen organisiert.

Kommentar: Gefahren neu bewerten

Wie gefährlich ist der Deisterkreisel? Für die Politiker im Bezirksrat ist es keine Frage, dass Radfahrer und Fußgänger an dem Verkehrsknotenpunkt in die Defensive geraten. Tatsächlich werden unmotorisierte Verkehrsteilnehmer sprichwörtlich von Autos und Lastwagen umbraust, wenn sie die Fahrbahn rund um den Deisterplatz überqueren wollen. Unübersichtlich ist die Kreiselkreuzung auf jeden Fall. Und selbst, wenn die Überwege für Radler und Passanten mit Ampeln freigeschaltet werden, mögen sich manche verunsichert fühlen, wenn sie die Straße queren. Vielleicht hat genau eine solche Situation zu dem jüngsten, tragischen Unfall geführt. Wichtig ist, dass Polizei und Stadt die Lage vor Ort genau auf ihr Gefährdungspotenzial überprüfen und entsprechende Konsequenzen ziehen. Die Argumente der Politiker, dass die neuen Nutzungen rund um den Deisterkreisel eine neue Verkehrsführung erforderlich machen, sind sehr plausibel.

Von Juliane Kaune

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Musiker um Oliver Perau helfen demenzkranken Senioren mit Musik – und beweisen bei einer Benefizgala, wie hörenswert ihre Lieder aus der Vergangenheit sind.

09.10.2018

Die Musiker um Oliver Perau helfen demenzkranken Senioren mit Musik – und beweisen bei einer Benefizgala, wie hörenswert ihre Lieder aus der Vergangenheit sind.

12.10.2018

Um Arbeitssuchende zu beraten, rufen die Mitarbeiter des Jobcenters Hannover regelmäßig in Wien an. Dort wartet allerdings nicht der nächste potenzielle Arbeitgeber, sondern ein Dolmetscher.

12.10.2018