Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Bürger sind für Parkplätze und gegen Poller
Hannover Aus der Stadt Bürger sind für Parkplätze und gegen Poller
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 20.10.2018
Fußwege sind jetzt für Autos gesperrt. Quelle: Foto: Susanna Bauch
List

Mit einer Unterschriftenaktion und einem Ortstermin wollen Händler und Anlieger in der List ein Bürgerbegehren für die Beschaffung von mehr Parkmöglichkeiten initiieren. Wie berichtet, hat die Stadt vor einigen Wochen den Gehweg an der Jakobistraße zwischen Voß- und Roonstraße Richtung Vahrenwald abgepollert, um notorische Falschparker fernzuhalten.

Ortstermin für Betroffene

Am Freitag, 2. November, können sich Mitstreiter und Interessierte um 14 Uhr an der Jakobistraße 46 treffen, eine Unterschriftenliste liegt bereits bei einem Pizzabringdienst in der Jakobistraße 44 aus. Die Auslieferungsfahrer haben offensichtlich ein besonders großes Problem mit dem Wegfall der illegalen Stellflächen – mittlerweile blockieren die Fahrzeuge regelmäßig die Straßenecken. Der allzu rege Auto- und Parksuchverkehr auf dem breiten Gehweg war allerdings auch der Anlass dafür, dass die Stadt mit dem Setzen von Absperrpollern dem verkehrswidrigen Treiben ein Ende setzte. „Wir können nicht nur die Interessen der Autofahrer berücksichtigen“, betont Bezirksbürgermeisterin Irma Walkling-Stehmann.

Den – noch – anonymen Initiatoren des Bürgerbegehrens, die derzeit ihre Werbezettel an parkende Autos im Viertel verteilen, ist besonders der Abschnitt Jakobi-, Voß- und Isernhagener Straße ein Dorn im Auge. Die Situation mit mangelnden Parkplätzen hat sich seit der Abpollerung noch verschärft. Schließlich haben allabendlich rund 45 Fahrzeuge verkehrswidrig auf den Fußwegen geparkt. Daran, dass die Poller wieder verschwinden, dürfte allerdings auch ein Bürgerbegehren nichts ändern. „Die Poller bleiben stehen“, erklärt die Bezirksbürgermeisterin. Geplant sei vielmehr, den abgesperrten Gehwegbereich mittelfristig noch auf den Abschnitt zwischen Roon- und Isernhagener Straße auszuweiten. „Allerdings nur auf der Seite Richtung Vahrenwald.“ Auf der Seite Richtung Lister Platz wird das falsche Parken vermutlich weiter toleriert – allerdings werden auch hier regelmäßig Knöllchen verteilt.

Kein Platz für Tiefgaragen

Bei der Debatte gerät ein wenig in den Hintergrund, dass mit den Metallstäben illegaler Parkraum abgesperrt wurde und keine legalen Stellflächen verschwunden sind. Dennoch wollen nicht nur die Anlieger, sondern auch der Bezirksrat nach Alternativen suchen. „Wir haben uns auch schon mit der Möglichkeit einer Tiefgarage unter dem Bonifatiusplatz auseinandergesetzt“, so Walkling-Stehmann. Aber abgesehen davon, dass man in der Stadt wegen der vielen verschiedenen Leitungen nur ein Untergeschoss bauen könne, sei es äußerst schwierig, einen Investor für ein Parkhaus zu bekommen. „Alle wollen in der List vor ihrer Haustür parken, das können wir aber schlichtweg nicht vorhalten.“

Für Anregungen und Alternativvorschläge sind die Bezirkspolitiker offen, „aber im näheren Umfeld sind Zusatzstellflächen wirklich ein Problem“, so Walkling-Stehmann. Sie ist jedoch sicher, dass vor allem Anwohner der Jakobistraße zu schätzen wissen, dass vor ihren Haustüren nicht mehr geparkt wird. „Der Bereich soll ja umgestaltet werden, vermutlich werden wir dann auch ein paar Parkflächen gewinnen können.“ Die Jakobistraße zähle zu den schönsten Straßenzügen in der südlichen List, „der Nutzungswert steigt durch die Neuordnung der Gehwege.“

Der Abschnitt der Jakobistraße zwischen Voß- und Kollenrodtstraße wurde bereits vor etlichen Jahren durch Poller endgültig zur Fußgängerzone. Es haben sich Paten für die Baumscheiben gefunden, Bänke wurden aufgestellt und Schrägparkplätze eingerichtet. Kinder rasen hier unbehelligt mit ihren Rollern oder Inlinern um den Block und Mütter mit Kinderwagen packen ihr Picknick auf den Bänken aus. Weniger Autos sorgen hier definitiv für mehr Lebensqualität.

Kommentar: Bürger in Bewegung

Ja, es gibt viel zu wenig Parkplätze in der List. Oder es gibt – im Umkehrschluss – viel zu viele Autos in der List. Ein Teil von ihnen hat jahrelang verbotswidrig auf Gehwegen geparkt. Das geht nun nicht mehr. Alternativen sind schwer zu finden, für Tiefgaragen gibt es derzeit weder geeignete Plätze geschweige denn Investoren. Vermutlich würden sich dann aber wiederum die Anlieger etwa am Bonifatiusplatz beschweren, dass vor ihrer Nase unterirdisch geparkt werden soll.

Die Autofahrer sollten kreativer werden – und abends woanders einen freien Platz finden – zum Beispiel am Lister Turm. Das gleiche gilt für die Walderseestraße, große Teile des Lister Kirchwegs oder auch der Tannenbergallee, inklusive Discounter-Parkplatz. Zum Ausladen von Einkäufen oder schweren Gegenständen können Autofahrer dann ja weiter kurz in zweiter Reihe vor der Haustür parken. Ein Dauerplatz in der ersten Reihe kann dort aber nun mal nicht garantiert werden. Bewegung statt Bürgerbegehren wäre vielleicht eine Alternative.

Von Susanna Bauch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Rittergut, Bier und Radrennen: Wülfel ist der südlichste Stadtteil von Hannover. Wir haben unser Foto-Archiv durchwühlt und nehmen Sie mit auf eine Zeitreise durch den Stadtteil.

20.10.2018

Liebe und Grausamkeit, menschliche Fehler und göttliche Fügung: Eine inklusive Truppe aus 80 Musikern und Schauspielern führte in der Marktkirche das szenische Stück „Philemon und Baucis“ auf.

23.10.2018

Erneut schließt ein alteingesessenes Fachgeschäft in der Innenstadt wegen der Internet-Konkurrenz. Seit 1939 gab es das Geschäft für Berufs- und Sicherheitskleidung – jetzt bleibt nur der Großhandel am Stadtrand.

23.10.2018