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Aus der Stadt HAZ-Forum zum Luftkrieg in Hannover: "Das war eben das Leben"
Hannover Aus der Stadt HAZ-Forum zum Luftkrieg in Hannover: "Das war eben das Leben"
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06:18 09.10.2018
Das HAZ-Forum zum Bombenkrieg in Hannover stößt auf sehr großes Besucherinteresse. Quelle: HAZ
Hannover

Am Montagabend wurde im Historischen Museum über die Zerstörung Hannovers im Luftkrieg diskutiert. Anlässlich des 75. Jahrestages der Bombardierungen kamen dabei Zeitzeugen zu Wort, die von den Ereignissen in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 aus eigener Anschauung berichten. Der Historiker Andreas Fahl ordnete die Ereignisse in den geschichtlichen Zusammenhang ein und präsentierte Filmaufnahmen, die erst vor kurzem aufgetaucht sind und Hannover nach den Bombenangriffen vom Sommer 1943 zeigen. (Lesen Sie hier mehr dazu)

Die Nachlese im Ticker

Verfolgen Sie hier nochmal den Abend und die Diskussion in der Ticker-Nachlese.

  • 08.10.18 17:18
    Simon Benne bedankt sich für das Interesse und weist auf die nächste Veranstaltung am 4. Dezember hin. Dort stellt der Redakteur sein Buch zur Revolte von 1968 vor und lädt alle Interessierten wieder ein.
  • 08.10.18 17:16
    Ein Herr berichtet davon, dass er in der Innenstadt war, als alles abbrannte. Er bedauert, dass nicht genügend Feuerwehr da war, als die Flammen loderten. "Man hätte viel retten können", sagt er. Ein anderer Herr widerspricht: "Die Feuerwehr hat versucht zu helfen, wo noch etwas zu retten war. Doch ein Brand wie der vom 9. Oktober war nicht einzudämmen."
  • 08.10.18 17:12
    Die Zahl "120.000" wird diskutiert. Herr Stettner hält das nicht für unmöglich. Eine Frau berichtet von einem Gespräch mit einem alliierten Piloten, der "nichts gefühlt" habe bei der Bombardierung.
  • 08.10.18 17:09
    Ein Herr in der ersten Reihe berichtet, dass Spaziergänger am Maschsee die Bombardierung der Altstadt sehen konnten. Das Wetter war schön und viele waren draußen.
    Ein anderer Herr berichtet, er habe sich in Schottland mit einem Piloten unterhalten. 120.000 alliierte Piloten wurden im Krieg über Deutschland abgeschossen, hatte dieser berichtet.

  • 08.10.18 17:00
    Nun kommt das Publikum zu Wort. Es können Fragen gestellt und Anmerkungen gegeben werden.
  • 08.10.18 16:59
    "Die Aufnahmen sind nur durch Zufall erhalten", erklärt Stettner. Nach einem Vortrag kam ein Herr zu ihm, der ihm eine Filmdose vom Flohmarkt brachte. Diese Aufnahmen wurden restauriert und wieder gezeigt. "Bei dieser Vorstellung kam wieder ein Herr und meinte, dass er diese Aufnahmen auch hat, aber in besserer Qualität." Weitere Recherchen führten ins Archiv nach London. Auch dort fand man Aufnahmen, die allerdings auch unvollständig waren. Die Bilder der unterschiedlichen Quellen wurden nun zusammengesetzt.
  • 08.10.18 16:57
    Peter Stettner stellt einen weiteren Film vor. Es sind Aufnahmen der amerikanischen Luftwaffe von der Bombardierung 1943. B-17-Bomer sind zu sehen, wie sie über Deutschland fliegen. Auch ein deutscher Jäger ist zu erkennen, wie er die Flieger von unten angreift. Vermutlich ist Hannover zu sehen, sicher ist das nicht. Die Bomber hatten auch Verwundete an Bord - Piloten, dessen Flugzeug abgeschossen wurden.
    Ein weiterer Film: Die Briten haben Aufnahmen vom Kriegsende 1945 in Hannover gemacht. Ein Flugzeug fliegt niedrig über die Stadt. Man erkennt die Stadt und kann die Orte zuordnen. Alles ist zerstört, schweres Atmen im Publikum. Die Aufnahmen sind für viele erschreckend. Nur noch Haus-Skelette sind übrig, keine Menschen sind zu sehen.


  • 08.10.18 16:46
    Die Bombenanschläge galten der Waffenindustrie: Wenn die Fabriken zerstört wurden, konnte dort kein Kriegsmaterial mehr hergestellt werden. Dafür nahm man tausende Tote in Kauf, indem man Flächenbrände anpeilte. Der Plan, Industrie zu zerstören, hat in der Regel nur für Tage oder Wochen funktioniert. Der Wandel kam 1944: Die Amerikaner versuchte die Luftwaffe zu bombardieren. Mit wenig Erfolg. Die Raffinerie zu zerstören, haben sie allerdings geschafft. "Sind das Kriegsverbrechen?", fragt Simon Benne. Andreas Fahl kann diese Frage nicht klar beantworten. Dort, wo militärische Ziele waren, eher nicht. Doch bei anderen Städten zweifelt er. Vermutlich spielte Rache eine Rolle und die Tatsache, dass Bomben übrig waren. So wurden auch Städte bombardiert, die keine militärischen Ziele hatten. "Da kann man sich fragen, ob das noch gerechtfertigt war."
  • 08.10.18 16:34
    Historische Filmaufnahmen werden gezeigt: Hannover nach der Bombardierung. Die Stadt liegt in Trümmern, Dächer und Hauswände sind zerstört, Menschen laufen an den Ruinen vorbei. Viele hier können sich an diese Szenen erinnern. Andreas Fahl erklärt, wo die Bilder herkommen: Die Filmaufnahmen zeigen den 26. Juli 1943. Die Filmaufnahmen wurden heimlich gemacht, denn das Filmen von Trümmern war unter Gefängnisstrafe verboten. Der Film war noch nicht entwickelt und musste mit sensiblen Mitteln entwickelt werden. Das Spannende: Augenscheinlich wusste niemand, was im Oktober 1943 passieren würde. Zwar gab es auch im Juli schon etwa 200 Tote, aber die Menschen auf den Bildern bewegen sich noch recht unbehelligt durch die Stadt.
  • 08.10.18 16:25
    "Wir haben das Beste aus der Situation gemacht", sagt Frau Lohmann. "Das war eben das Leben." Sie hat auch schon in Schulen von ihren Erlebnissen berichtet. Die Schüler und Schülerinnen seien sehr interessiert und sehr wissbegierig. In einer Altenpfleger-Schule fand es Lohmann besonders interessant: Ältere Menschen in den Heimen wollen teilweise nicht von Polen gepflegt werden. Da zu vermitteln, findet sie sehr spannend.
  • 08.10.18 16:20
    Simon Benne will wissen, ob mit den damaligen Kindern über die Ereignisse gesprochen wurde, um das Trauma zu bewältigen. "Nein", sagt Frau Ottmer und viele aus dem Publikum lachen auf. Um so etwas wurde sich nicht gekümmert.
  • 08.10.18 16:17
    Frau Lohmann berichtet von ihren Erlebnissen: Sie war acht Jahre alt und ging in die Schule. Immer, wenn Angriffe kamen, flüchteten die Kinder in die benachbarte Unfallklinik. So auch an diesem Tag. Ihre Familie war auch da. Ihr Vater und ein Chefarzt verhinderten, dass die Unfallklinik abbrannte, indem sie brennende Bombenteile vom Flachdach schoben. Doch der Rauch war nicht aufzuhalten. Sie flohen weiter und sahen die Zerstörung in der Stadt. Eine ihrer schlimmsten Erinnerungen: umgefallene Strommaste, bei denen die Starkstromleitungen zerstört waren. "Wer da dran kam, war sofort tot. Überall lagen Leichen", erzählt sie mit brüchiger Stimme.
  • 08.10.18 16:11
    Frau Ottmers kommt zuerst zu Wort. Sie wohnte in einem Postscheckamt und hatte dort einen sicheren Keller, so dass die Familien in keinen Bunker musste. Am Tag der Bombardierung wurde die Familie überrascht. Der Angriff kam unerwartet. Sie dachten, die Flieger würden vorbeifliegen, doch es kam anders. Nach einer Stunde war der Keller voller Rauch. Im Amtsgericht fand die Familie zunächst Zuflucht. Doch nach kurzer Zeit mussten sie auch dort flüchten, erst einmal zum Ernst-August-Platz. "Die ganze Stadt brannte lichterloh", berichtet Ottmers. Am nächsten Tag gingen sie zurück zur Wohnung. Doch alles war zerstört. Auch ihr Vogel verbrannte.
  • 08.10.18 16:05
    HAZ-Redakteur Simon Benne freut sich über das große Interesse und begrüßt die Gäste auf dem Podium: den Historiker Andreas Fahl, den Leiter des Filminstituts Peter Stettner und die Zeitzeuginnen Maria-Elisabeth Lohmann und Hildegard Ottmers.


  • 08.10.18 16:01
    Es haben noch einmal etwa 200 Besucher draußen gewartet. Die Veranstalter versuchen, schnellstmöglich einen weiteren Termin zu finden.
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Von red

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