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Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Das darf nicht passieren
Hannover Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Das darf nicht passieren
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12:27 14.09.2018
Hans-Peter Wiechers Quelle: HAZ
Hannover

Ich bin besorgt. Es gibt jetzt eine erweiterte Vorschrift in Sachen Straßenmusik, die von den neuen städtischen Ordnungshütern umgesetzt werden soll. Wenn das man gut geht! Ich wünsche den Damen und Herren in Dunkelblau jedenfalls ein feines Händchen und möchte gleich darauf hinweisen, dass mir das Thema eine Herzenssache ist. Sollte in der Weihnachtszeit wieder meine Lieblingsband aus der Gegend Leningrad nach Hannover kommen (was ich doch sehr hoffe) und auf dem Kröpcke mehrere Konzerte geben, werde ich das Geschehen genau beobachten.

Ganz zweifellos machen die Jungs eine wunderbare Musik. Gewiss, sie haben ihre Winterjacken nicht aus der Boutique nebenan, aber ihnen steckt die Musik im Blut. Von ihren selbst gestrickten Fingerhandschuhen haben sie die Spitzen abgeschnitten und ihre Instrumente sind angestoßen und manche schon etwas verbeult. Posaune und Trompete sehen aus, als hätten sie schon seit Jahrzehnten große Musikerfamilien ernährt. Aber auch wenn der Wind eisig ums Kröpcke-Center pfeift, lächeln die Männer unter ihren dicken Mützen und wippen mit den Füßen im Takt der Musik und alle strahlen mich an, wenn ich ihnen ein Zwei-Euro-Stück in den offenen Instrumentenkasten werfe.

Sollten sie nach einer halben Stunde vertrieben werden, weil eine Vorschrift das so will oder sollte die Band dezimiert werden, weil nur vier Herren auf einmal spielen dürfen, werde ich die Bürgerinitiative „Rettet die Straßenmusik“ gründen und ordentlich Rabatz machen. Ich will nicht, dass irgendwann einmal in Leningrad fünf Musiker in ihr gebrechliches Auto steigen und auf die Frage des Mannes auf dem Fahrersitz „Wohin fahren wir?“ die anderen vier antworten: „Fahr nicht nach Hannover, da wollen sie zu Weihnachten nur Bratwurst und immer wieder Glühwein und „Stille Nacht“ von der CD. Lass uns nach Braunschweig fahren, wo die Menschen noch Respekt vor handgemachter Musik haben, wo sie Originalität zu schätzen wissen und dafür gern ein paar Euros hergeben.

Nein, so etwas darf nicht passieren.

Von Hans-Peter Wiechers

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