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Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Vornamen zwischen Lust und Last
Hannover Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Vornamen zwischen Lust und Last
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10:26 27.09.2018
Michael Zgoll Quelle: HAZ
Hannover

Jüngst schaute ich meiner am Schreibtisch sitzenden Frau, Lehrerin an einer Gesamtschule, über die Schulter. Sie hatte etliche Klassenlisten vor sich liegen. Die meisten Vornamen konnte ich bezüglich des Geschlechts klar zuordnen, bei anderen kam ich ins Grübeln. Verbergen sich hinter Janne, Jonte, Jorid und Joel Mädchen oder Jungen? Sind Matea, Elmas und Gizem nun weiblich oder männlich? Auch diesbezüglich werden an Pädagogen heutzutage ganz andere Anforderungen gestellt als früher.

Als ich noch jung war, also Mitte des 20. Jahrhunderts, ließen Paul und Petra oder Bernd und Britta keine Fragen offen. Heutzutage haben Standesämter schon Vornamen wie Bluna, Fanta und Frangi-Pany zugelassen. Auch Menschen vornamens Pumuckl, Winnetou und Pepsi-Carola leben in Deutschland, und Prominente dürfen ihre Kinder Emma Tiger oder Rosalind Arusha Arkadina Altalune Florence (es handelt sich um ein einzelnes Mädchen, nicht um fünf) nennen. Im verzweifelten Bemühen, ihren Nachwuchs herauszuheben aus der Masse von Millionen, scheuen manche Eltern vor nichts zurück. Legen sich mit widerspenstigen Standesbeamten an und klagen sich durch alle Instanzen bis zum Bundesgerichtshof, um ihren Wünschen Geltung zu verschaffen.

Dass ein ausgefallener Name zeitlebens für Erklärungsbedarf oder Verdruss sorgen kann, kümmert die Vertreter des „Chantalismus“ nicht. Dabei besagen Studien, dass es Kinder mit unauffälligen, weit verbreiteten Vornamen oft leichter haben im Erwachsenenleben als die mit den speziellen.

Übrigens: Jorid ist ein Mädchenname, der aus dem Isländischen stammt und die Worte „schönes Pferd“ in sich birgt. Joel ist gemeinhin männlich, Matea und Elmas sind weiblich, während man Janne, Jonte und Gizem dem einen oder dem anderen Geschlecht zuordnen kann. Aber hier habe ich volles Vertrauen zu meiner Frau: Sie bekommt schließlich nicht nur Namenslisten, sondern ihre Schüler auch ganz persönlich zu Gesicht.

Von Michael Zgoll

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