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Aus der Stadt Mehr bezahlbarer Wohnraum für Drogenabhängige gefordert
Hannover Aus der Stadt Mehr bezahlbarer Wohnraum für Drogenabhängige gefordert
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16:14 22.07.2018
Marvin Eckert gedenkt am Sonnabend an der Marktkirche den Drogentoten des vergangenen Jahres. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Zahlreiche Angehörige und Betroffene haben am Sonnabend an der Marktkirche den verstorbenen Drogenabhängigen des Jahres 2017 aus der Stadt und dem Umland gedacht. Zu der Gedenkveranstaltung, die einmal pro Jahr an immer wechselnden Orten der Stadt organisiert wird, hatte ein Zusammenschluss mehrerer Vereine und Initiativen eingeladen, die sich um Suchtkranke kümmern. Im vergangenen Jahr waren zehn Menschen in der Region an den Folgen ihrer Drogensucht gestorben. In diesem Jahr sind es bereits sechs.

Betroffene und Angehörige haben am Sonnabend an der Marktkirche der verstorbenen Drogenabhängigen des vergangenen Jahres gedacht.

Bürgermeister Thomas Hermann (SPD) wies in seiner Begrüßung auf die vielen positiven Entwicklungen hin, die von der Verwaltung angeschoben worden waren. In Kürze werden in der Innenstadt zwei Automaten aufgehängt, an denen Abhängige zum Selbstkostenpreis saubere Spritzen kaufen können. Der im November eröffnete Drogenkonsumraum, das „Stellwerk“, werde gut angenommen, sagte Herrmann. „Im Schnitt zählen wir dort 150 Besucher pro Tag“, sagte der Bürgermeister. 36 Mal sei es bislang im „Stellwerk“ zu einem Notfall gekommen, alle seien durch die rechtzeitige Reaktion der Helfer im Konsumraum glimpflich ausgegangen. Die Stadt gibt derzeit jährlich eine Millionen Euro für die Beratung und Betreuung von Suchtkranken aus.

Eine große Herausforderung für die Stadt sei es nach wie vor, bezahlbaren Wohnraum und Übernachtungsmöglichkeiten für Drogenabhängige zu schaffen. „Wer suchtkrank ist, hat auf dem Markt kaum eine Chance, immer mehr Suchtkranke leben auf der Straße“, sagte Herrmann. Das sei vor allem mit Blick auf den Winter besorgniserregend.

Auf die Folgen der Obdachlosigkeit ging auch Ilona Rowek, die Sprecherin des Vereins „Junkies, Ehemalige, Substituierte“ (JES) ein: „Niedrigschwellige Angebote werden nicht wahrgenommen, sie sind für Beratung und Prävention kaum erreichbar, sozialer und gesundheitlicher Absturz, auch mit Todesfolge, sind vorprogrammiert.“

Auch der Student Marvin Eckert war am Sonnabend an die Marktkirche gekommen. Zum Gedenken an eine Drogentote schrieb er, wie viele andere an diesem Tag, mit leuchtender Farbe einen Vornamen auf ein Stück Holz und stellte es anschließend zu den anderen, die bereits auf dem Vorplatz der Kirche aufgebaut waren. „Ich habe Claudia nicht wirklich gekannt, ich war aber zufällig Ersthelfer, als sie sich wegen ihrer Suchterkrankung vor meinen Augen aus einem Fenster gestürzt hat“, sagt der junge Mann. Viele Jahre hat sich Eckert in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main um Drogenabhängige gekümmert. Nach seinem Umzug nach Niedersachsen will er die Kampagne hier weiter führen. „Bei uns im Momo-Projekt, das sich hauptsächlich an Jugendliche richtet, geht es darum, offen und ehrlich über das Thema zu reden, wir wollen weder etwas beschönigen, noch etwas unter den Tisch fallen lassen“, sagt Eckert.

Der Gedenktag fand in diesem Jahr in rund 70 deutschen Städten statt. Schirmherr war Kevin Kühnert, der Bundesvorsitzende der Jusos in der SPD.

Von Tobias Morchner

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