Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Das sind die Kleider von Hannovers besten Nachwuchs-Designern
Hannover Aus der Stadt Das sind die Kleider von Hannovers besten Nachwuchs-Designern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 03.10.2018
Claudia Bumb (4.vl.) gewinnt den Modepreis 2018 der Hochschule Hannover. Quelle: Mario Moers
Hannover

Erst wenn die Seidenraupe nach einem glücklichen Leben freiwillig ihren Kokon verlässt und zum Falter wird, verwendet Claudia Bumb ihre Seide. Peace Silk, Friedensseide, nennt sich die biologisch und insektenfreundlich gewonnene Faser, die sie für Teile Siegerkollektion verwendet hat. Mit einem durchdacht ökoeffizienten Konzept, hat die 27-jährige Modedesignerin am Sonnabend den Modepreis der Hochschule Hannover gewonnen. Wie bereits in den letzten Jahren spielten dabei neben Schnitt, Style und Glamour auch die Nachhaltigkeit und Herstellungsverfahren eine entscheidende Rolle. Zehn Jahre nach seiner Premiere ist der Modepreis nicht bloß zum wichtigen Karrieresprungbrett für Jungdesigner geworden, sondern auch ein Kompass, der die Zukunft der Branche auslotet.

Zum zehnten Mal wurde am Sonnabend der Modepreis vergeben. Gewonnen haben: Claudia Bumb (Modepreis 2018), André Rosenberg (Publikumspreis), Annika Jasmer (Bestes Nachhaltiges Konzept), Romy Manz (Best Show Off) und Christiane Gawlik (Bestes Männeroutfit)

Müll aus dem Meer

„Das Wichtigste ist, dass man Alternativen kennenlernt, die eine positivere Sicht auf die Zukunft ermöglichen“, resümiert Modepreis-Gewinnerin Bumb ihr Studium an der Hochschule Hannover. Wenn sie über ihre Kollektion „Under Water Over Flow“ spricht, geht es nicht zuerst um Schnitte oder edle Stoffe. Eines ihrer Modelle trägt an den Füssen etwas, das einem Bausch zerknüllter Plastiktüten ähnelt. In einer halb-transparenten Steppjacke ist der Füllstoff nicht aus Daunen, sondern eine Art Gummiringe wie sie um Einmachgläser gespannt werden. „Kunststoff, sein Kreislauf und der Umgang damit interessieren mich“, sagt Bumb, die als zweite Inspiration für ihre experimentellen Entwürfe einen nachschulischen Austrialien-Surf-Trip nennt. Tatsächlich könnten ihre Modelle den plastik-vermüllten Weltmeeren entstiegen sein. Immer öfter versuchen Modeschaffende heute, genau diesen Plastikmüll wieder zu verwerten – in den verschwenderischen Kreislauf des Kaufens und Wegwerfens einzugreifen. Für die aus Weyhe bei Bremen stammende Modedesignerin hat diese Mission gerade erst begonnen. Sie wechselt an die Universität in Bozen, wo sie einen Masterstudiengang Ökosoziales Design beginnt. 5000 Euro Preisgeld, ausgelobt von der Ernst-August-Galerie, werden ihr den Abschied von Hannover vielleicht etwas erleichtern.

Entschleunigte Mode

An der Hochschule Hannover markiert der Forschungsbereich Slow Fashion in dem Modedesign Studium einen wichtigen Schwerpunkt. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, geht es dabei um nicht weniger als die Zukunft der Branche. „Der Beruf des Modedesigners verändert sich radikal“, sagt die Leiterin des Studiengangs Martina Glomb. Die Lösung gesellschaftlicher Probleme, ethische Fragestellungen und die Betrachtung des gesamten textilen Kreislaufs rücken in den Vordergrund. „Es geht nicht anders. Wir können nicht weiter alle fünf Minuten ein neues Top kaufen, nur weil sich der Trend geändert hat. Die vergiftete massenproduzierte Ware, die in den Läden hängt, wird verschwinden“, ist sie überzeugt. Und wenn das nicht passiert? „Dann sind wir alle tot.“

Alle Sieger beim Modepreis 2018: Claudia Bumb (Modepreis 2018), André Rosenberg (Publikumspreis), Annika Jasmer (Bestes Nachhaltiges Konzept), Romy Manz (Best Show Off) und Christiane Gawlik (Bestes Männeroutfit)

Das machen die Modepreis-Gewinner heute

Was kommt nach dem Modepreis? Hier ein Überblick, wie sich die Karrieren der Preisträger nach ihrem Studium in Hannover entwickelt haben.

2009: Anna Bornhold: Nach Master-Abschluss in Bremen und zahlreichen internationalen Preisen arbeitet sie als freiberufliche Designerin und Künstlerin.

2010: Bea Landsbek: Derzeit arbeitet Beatrix Landsbek als freiberufliche Designerin und ist im Forschungsprojekt „Useless“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert ist, tätig.

2011: Marcella Sewella lebt in Berlin und arbeitet unter anderem bei dem Jimmi Wow Projek, einem Upcycling-Projekt für nachhaltig gefertigte Kinder- und Babybekleidung.

2012: Philip Rudzinski: Betreibt in der Lilienstrasse das Modeatelier Balagans. Das Konzept entstand während der Abschlussarbeit.

2012: Tanja Schmidt: Praktikum bei Westwood im Schnitt beim Goldlabel und Denim-Design bei G-Star in Amsterdam.

2013: Katharina Buczek: 2016 gewinnt sie den 1. Euro Fashion Award / Men’s Fashion. Zurzeit arbeitet sie als Designerin bei einem dänischen Label in Kopenhagen.

2014: Jing Jing Qi: Betreibt in Hannover ihr Bademodenlabel boo Surfwear.

2015: Seo Yeon Hur: Nach dem Studium ist sie in ihre Heimat zurückgekehrt und arbeitet dort als Designerin in einem Modeunternehmen in Seoul.

2016: Anna Flemmer lebt zurzeit in Berlin und arbeitet an der Fortsetzung ihrer Bachelor-Kollektion für sehende, blinde und Menschen mit Sehbehinderung.

Von Mario Moers

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Hauptbahnhof Hannover steht vor einem jahrelangen Umbau. Es ist der sechste in der 150 Jahre alten Geschichte dieses bundesweit wichtigen Verkehrsknotens. Eine Zeitreise durch das Herzstück der Stadt.

30.09.2018

Am frühen Sonntagmorgen sind zwischen Hannover und Ronnenberg zwei Menschen mit einem Pkw gegen einen Baum gefahren. Das Auto ging in Flammen auf, die beiden Insassen sind tot.

30.09.2018

Die Feuerwehr Hannover ist am Sonnabend zu einem Brand am Mühlenberger Markt gerufen worden. In einem Imbiss war ein Feuer ausgebrochen und beim Versuch, die Flammen zu löschen, zogen sich zwei Angestellte leichte Verletzungen zu.

30.09.2018