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Aus der Stadt Mord an Anna Lena: Anklage gegen 24-Jährigen
Hannover Aus der Stadt Mord an Anna Lena: Anklage gegen 24-Jährigen
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00:16 20.10.2018
Die Leiche der 16-jährigen Anna Lena wurde am Morgen nach dem Mord vor der Adolf-Grimme-Schule in Barsinghausen entdeckt. Quelle: Samantha Franson
Hannover/Barsinghausen

Im Fall der getöteten Anna Lena T. aus Barsinghausen hat die Staatsanwaltschaft Hannover Anklage wegen Mordes gegen den 24-jährigen Verdächtigen erhoben. Die Ermittler beschuldigen Ronald M., die 16-Jährige im Juni „aus keinem erkennbaren Anlass“ umgebracht zu haben. Anfangs wurde wegen Totschlags gegen den jungen Mann ermittelt. Der Verdächtige konnte wenige Tage nach der blutigen Tat festgenommen werden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft bestreitet der 24-Jährige weiterhin, die 16-Jährige getötet zu haben.

An der Adolf-Grimme-Schule in Barsinghausen ist am Sonntagnachmittag die Leiche einer 16-Jährigen entdeckt worden. Laut Polizei wurde die Jugendliche erschlagen. Am Montag gedachten Freunde und Verwandte mit Blumen und Kerzen der Getöteten.

Die Ermittler haben jedoch keinen Zweifel, dass der Deutsch-Dominikaner die Jugendliche umgebracht haben soll. Unter anderem DNA-Spuren und Zeugenhinweise brachten die Polizei auf den 24-Jährigen. Die Polizei konnte den Tathergang insofern rekonstruieren, als dass Täter und Opfer sich in der Nacht zum 17. Juni zufällig gegen 1.10 Uhr am Bahnhof von Barsinghausen begegneten. „Der Angeklagte wollte eigentlich wegfahren“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Anna Lena wiederum war mit einer Gruppe unterwegs, alle seien gemeinsam ins Gespräch gekommen. Als die 16-Jährige nach Hause wollte, begleitete Ronald M. sie. Zu dem Zeitpunkt lebte der 24-Jährige in einer Obdachlosenunterkunft unweit von Anna Lenas Wohnung.

Mord aus niederen Beweggründen

Unterwegs habe M. dann „mit massiver Gewalt gegen den Kopf und das Gesicht“ von Anna Lena eingewirkt, so Klinge weiter. Der 24-Jährige soll sein Opfer unter anderem mit einem Holzscheit attackiert haben. Die blutüberströmte Leiche wurde erst am nächsten Morgen von Spaziergängern vor der Adolf-Grimme-Schule entdeckt – der Fundort befindet sich bloß wenige Hundert Meter von Anna Lenas Wohnung entfernt. Die Obduktion der Toten ergab keine Hinweise auf ein Sexualverbrechen. Ausgeraubt wurde Anna Lena offenbar auch nicht. Allerdings suchte die Polizei unter anderem nach der verschwundenen Handtasche der 16-Jährigen. „Bis heute wissen wir nicht, warum die 16-Jährige sterben musste“, so Klinge. Da die Ermittler daher von „niederen Beweggründen“ ausgehen, wurde die Tat als Mord eingestuft.

Ronald M. wurde in der Dominikanischen Republik geboren, seit 2003 besitzt er auch die hiesige Staatsbürgerschaft. Er kam 1999 nach Deutschland, wohnte zunächst in Barsinghausen und ab Juli 2005 fast sechs Jahre in Baden-Württemberg – dort ging der 24-Jährige auch zur Schule. Seit Mai 2011 wohnt M. wieder in Barsinghausen. Bei Facebook inszenierte sich der junge Mann gerne als Gangster. Auf seinem Profil sind Fotos von Waffen, Drogen und Geldbündeln zu sehen. M. trat bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung, nur viereinhalb Monate vor Anna Lenas Tod kam er nach einer längeren Haftstrafe auf Bewährung frei. Der Mordprozess soll voraussichtlich Mitte November am Landgericht Hannover beginnen.

Tod von Veronika B. weiter ungeklärt

Weiter offen ist dagegen der ungeklärte Mordfall der 55-Jährigen aus Barsinghausen. Die Leiche von Veronika B. war bereits im April 2018 nur wenige Hundert Meter von Anna Lenas Fundort in Bahnhofsnähe entdeckt worden. Nach zwei Gewaltverbrechen binnen zwei Monaten fürchteten die Barsinghäuser, ein Serienmörder könne in der Stadt herumlaufen. Die Ermittler prüfen seit Monaten, ob Ronald M. womöglich auch für diese Tat verantwortlich ist. „Die langwierigen Untersuchungen gestalten sich schwierig“, so Klinge. Unter anderem stehe weiterhin die Ergebnisse des DNA-Vergleichs aus. Wann die Analyse vorliege, sei nicht absehbar.

Von Peer Hellerling

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