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Aus der Stadt Neues Buch mit Hannover-Märchen erhältlich
Hannover Aus der Stadt Neues Buch mit Hannover-Märchen erhältlich
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17:24 20.08.2018
„Ein Schatz, der nur darauf wartet, gehoben zu werden“: Bert Strebe hat hannoversche Märchen für sein Buch zusammengetragen. Quelle: illegas
Hannover

„Es war einmal eine Königin, die hatte ein Töchterchen ...“. Es ist noch nicht lange her, da galten solche Geschichten als antiquiert. Man hielt sie wahlweise für zu bieder oder für zu grausam. Inzwischen jedoch haben Märchen wieder Konjunktur: „Es sind Geschichten, die uns etwas wiedergeben können, das in unserem rasanten modernen Leben vielfach verloren gegangen ist“, sagt Bert Strebe.

Der HAZ-Redakteur, der selbst auch Lyrik und Prosa-Texte verfasst, ist gewissermaßen Experte für Zwerge, Riesen und Hexen. Für das Buch „Es war einmal – Hannoversche Märchen“ hat er jetzt mehr als zwei Dutzend Erzählungen ausgewählt und bearbeitet, in denen es um verwunschene Wesen und unglückliche Liebe geht, um Angst und Leid und Erlösung.

Eine Leseprobe:

Geschichten aus der Heimat

Bert Strebe hat sich auf alte, teils längst vergessene Märchen aus der Region Hannover konzentriert. So eröffnet er auch intimen Heimatkennern neue Blicke auf scheinbar Vertrautes: Leser können entdecken, dass Altenhagen oder Wilkenburg durchaus etwas Mystisches umwehen kann und dass Wunstorf oder Eldagsen eine märchenhafte Vergangenheit haben, zu der sie bislang nur noch nicht durchgedrungen sind. Auch die einstigen Dörfer List und Herrenhausen sind Ursprungsorte von Märchen, und aus Stemmen stammt eine seltsam berührende Geschichte von einem weißen Hirschen und einem verzauberten Schloss.

Im 19. Jahrhundert waren Märchen schon einmal en vogue. Wie die Brüder Grimm, so sammelten vor 150 Jahren in Hannover vor allem die Brüder Carl und Theodor Colshorn Märchen, die sie alten Erzählern von den Lippen ablauschten. Bert Strebe hat solche Sammlungen durchforstet und die Geschichten sprachlich behutsam geglättet. Wo es im alten Text hieß, dass „ein Gekrach über mir ward“, heißt es nun: „Es krachte über mir.“ Vom klassischen Märchensound ist dennoch nichts verloren gegangen.

Entschleunigtes Erzählen

Allen Geschichten ist gemein, dass sie Stoff für entschleunigtes Erzählen bieten. Sie schöpfen aus einem Jahrtausende alten Fundus von Motiven. Es geht um Gut und Böse, Leben und Tod, erwachende Sexualität (wie in Rotkäppchen) und das Streben nach Glück (wie in Hase und Igel).

Die Märchen deuten das Leben, geben Orientierung – und sie sind unkaputtbar, weil sie grundlegende Menschheitserfahrungen verarbeiten. Dass es dabei schon einmal brutal zugeht, spricht nicht gegen sie: „Die Gewalt, die in einem Märchen vorkommt, hilft Kindern, das Gewalttätige in ihnen selbst in der Fantasie auszuleben“, sagt Bert Strebe. „Und je mehr sie das können, umso weniger müssen sie es in der Realität tun.“

Wer sich auf die alten Geschichten einlässt, kann mit ihnen noch heute verzaubert und erlöst werden. „Märchen sind ein Schatz, der nur darauf wartet, gehoben zu werden“, sagt Bert Strebe. „Von dem, der sie liest und vorliest.“

Bert Strebe: „Es war einmal – Hannoversche Märchen“. 147 Seiten, 12,90 Euro. Erhältlich ist das Buch unter anderem im Onlineshop (shop.haz.de) oder telefonisch unter 0800 151 851 8 sowie in den HAZ-Geschäftstellen, beispielsweise Lange Laube 10 in Hannover.

Leseprobe: Vom schönen Schäfermädchen

Zu alten Zeiten lag Hannover nur am östlichen Ufer der Leine. Am westlichen, wo jetzt die Neustadt ist, waren nichts als Anger und Wiesen. Nun trug sich’s zu, dass einmal ein junger und reicher gnädiger Herr aus Hannover über den Anger ritt und dort eine Schäferin erblickte, die war schöner als alle anderen Mädchen auf der Welt, und ihr langes und feines Haar war wie Gold und ringelte sich von selbst.

Dem jungen Herrn lachte das Herz, als er sie sah. Er stieg ab und setzte sich zu ihr ins Gras. Da sang sie ihm so süße Lieder, dass ihm ganz wundersam zumute wurde; und sie gewannen sich sehr lieb und wollten einander heiraten.

Am anderen Tage kam er wieder, und sie war noch schöner und sang noch süßere Weisen.

Er aber war traurig und sprach zu ihr: „Mein Vater hat gesagt, du sollst nicht meine Frau werden. Doch ich bleibe dir treu und lasse nicht von dir!“ Und er schwor es ihr, wie er’s gestern geschworen hatte.

Am dritten Tage kam er nicht wieder, und als sie abends einen Fischer fragte, warum wohl die Glocken so lange geläutet hätten, bekam sie zur Antwort: „Der junge gnädige Herr hat Hochzeit gehalten mit einem jungen gnädigen Fräulein.“

Da sprang ihr das Herz entzwei, und sie wurde blass wie der Tod. Am anderen Morgen trieb sie wieder die Schafe aus. Weil sie aber so betrübt war, mochten auch die Tiere nicht fressen. Und sie sang so traurige Weisen und sang immer leiser und leiser und sprang vom hohen Ufer in die Leine.

Sie hat aber keine Ruhe. Jede Nacht taucht sie hervor. Fischer, die zu der Zeit angeln, haben sie oft gesehen. Ihr langes Haar fließt ihr bis auf die Fersen, und stets singt sie ihre traurigen Weisen. So wartet sie auf den jungen gnädigen Herrn, und sie wird nicht eher Ruhe finden, als bis sich ein reiner Jüngling aus Mitleid zu ihr ins Wasser stürzt.

Von Simon Benne

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