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Aus der Stadt Gastwirtschaft Wichmann wird wiederbelebt
Hannover Aus der Stadt Gastwirtschaft Wichmann wird wiederbelebt
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00:21 13.09.2018
Die ehemalige Gastwirtschaft Wichmann an der Hildesheimer Straße 230 wird voraussichtlich ab Dezember des Jahres umgebaut. Quelle: Mario Moers
Hannover

Jahrzehnte galt die Gaststwirtschaft Fritz Wichmann als erstes Haus am Platz. Wladimir Putin, Mick Jagger und elitäre Zirkel der Landeshauptstadt dinierten in den verwinkelten Gaststuben und Hinterzimmern des ehemaligen Fachwerk-Stalls, in dem 1976 der erste Michelin-Stern der Stadt erkocht wurde.

Seit der letzte Wirt 2016 das Lokal altersbedingt geschlossen hat, ist reichlich Moos und Unkraut auf dem Grundstück an der Hildesheimer Straße gewachsen. Nun will der hannoversche Investor Paul Morzynski dem Traditionshaus zu einem zweiten Leben verhelfen. Erwartet Hannover eine neue Spitzen-Gastronomie?

Neubau wird größer

„Das neue Wichmann wird größer als das alte, aber einen ähnlichen Charakter haben“, sagt Paul Morzynski, dessen Unternehmensgruppe das Gebäude nach der Schließung gekauft hat. Dass das Wichmann-Gebäude seither leer steht, ist auf eine Erhaltungssatzung zurückzuführen, die der Bezirksrat Döhren-Wülfel damals aus Furcht vor einem Abriss erfolgreich bei der Stadt beantragt hatte. „Das führte zu einer unendlichen Geschichte mit dem Bauamt“, erklärt Morzynski den zweijährigen Dornröschenschlaf. Inzwischen sei der Bauantrag eingereicht und die Bagger stünden bereit.

Vorbereitende Arbeiten, der Schutz eines historischen Kochherds etwa, laufen bereits. „Die Fassade zur Straße und auf der rechten Seite wird erhalten bleiben, der Rest abgerissen. Aber der alte Stil des Gasthauses bleibt auch im Neubau erhalten“, sagt Morzynski, der nach eigener Aussage anfänglich mit der Restauration geliebäugelt hat. „Aber alle Experten haben davon abgeraten, weil die Substanz einfach nicht ausreicht“, sagt er.

Die Eröffnung der neuen Gastronomie hat er für Ostern 2020 anvisiert. Neben einem Restaurant, das ähnlich wie das Original mit zahlreichen kleinen und großen Gaststuben ausgestattet sein soll, plant er 15 Hotelzimmer. Ein Betreiber steht noch nicht fest. Möglicherweise wird man einen Teil in Eigenregie führen. Über die genaue Investitionssumme will Morzynski noch keine Aussage treffen.

Dass er bereit ist, hohe Summen in strauchelnde Traditionslokale zu investieren, hat er bereits mehrfach an anderer Stelle bewiesen. 2013 kaufte die Unternehmensgruppe, in der auch zwei Söhne tätig sind, das damals insolvente Grand Hotel Heiligendamm – bekannt als Austragungsort des G8-Gipfels 2007. Dort setzte er nach eigenen Angaben mit Kauf und Investitionen bislang über 32 Millionen Euro ein. Seither scheint der Investor gefallen an der Branche gefunden zu haben.

In Bad Doberan erwarb er 2017 das Hotel Prinzenpalais, außerdem gehört ihm das Hotel Kurhaus in Kühlungsborn –beides historische Gemäuer mit einem hohem Anspruch, den Morzynski auch bei Wichmann anpeilt. „Ich war selbst Jahrzehnte bei Wichmann zu Gast und kenne viele Menschen, die mit diesem Ort liebe Erinnerungen verbinden“, sagt er.

Verknüpft mit Emotionen

Irritiert über die Arbeiten an der Hildesheimer Straße 230 zeigten sich in den letzten Tagen einige Mitglieder des Bezirksrats Döhren-Wülfel. „Wir wären gerne von der Stadt über den Fortschritt informiert worden“, sagt Grünen Fraktionschef Michael Rinker. Das Gremium hatte sich in den vergangenen Jahren regelmäßig nach dem Stand der Dinge erkundigt, um unliebsame Überraschungen zu verhindern. Als einer der wenigen verbliebenen Fachwerkbauten, hat der 1885 als Teil eines Aussiedlerhofs errichtete und sei dem mehrfach um- und angebaute Stall für die Döhrener eine besondere Bedeutung.

„Der Bau war viele Jahre denkmalgeschützt, bis dieser Schutz irgendwann vor dem Verkauf gestrichen wurde“, sagt der Vorsitzende der SPD Bezirksratsfraktion Jens Schade. Ob die Ankündigung des Investors respektvoll mit dem historischen Erbe umzugehen nun die Sorge der Vorfreude weichen lässt, wird sich am Donnerstag, 13. September, zeigen. Dann behandelt der Bezirksrat Döhren-Wülfel im Freizeitheim Döhren, An der Wollebahn 1, das Thema.

Von Mario Moers

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