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Aus der Stadt Warum gibt es in dieser Straße so viele Stadtbahnunfälle?
Hannover Aus der Stadt Warum gibt es in dieser Straße so viele Stadtbahnunfälle?
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00:19 13.01.2019
Im Sommer wurden die Stadtbahnen, die nahe der Kirche zusammengestoßen waren, demontiert. Quelle: Samantha Franson
Oberricklingen

Der Butjerbrunnenplatz am 5. Dezember 2018: Winfried Dahn, Organist in St. Augustinus in der nahen katholischen Kirchengemeinde, hört in seinem Arbeitszimmer eine ebenso hässliche wie vertraute Geräuschkulisse. Erst das warnende Klingeln einer Straßenbahn und dann ein Scheppern. Dahn muss gar nicht erst aus dem Fenster schauen, um zu wissen, was an der Kreuzung von Dormannstraße, Wallensteinstraße und den Schienen der Stadtbahnlinien 3 und 7 passiert ist. Schon wieder sind sich ein massiger Silberpfeil und ein Auto in die Quere gekommen. „Das beobachte ich nun schon seit Jahrzehnten“, beklagt Dahn.

Erst Anfang Dezember hat Dahn zwei Zusammenstöße zwischen Stadtbahnen und Autos beobachtet. Sie sind in die jüngste Statistik der Üstra noch gar nicht eingegangenen. Auf Anfrage des Stadt-Anzeigers listete Unternehmenssprecher Udo Iwannek kurz vor Weihnachten drei Unfälle im Jahr 2018 auf – „bis einschließlich November“. Darunter war auch der Crash zweier Stadtbahnzüge im Mai neben der Einmündung Dormannstraße.

Vor fünf Jahren starb ein 72-Jähriger wenige Meter weiter, als er die Wallensteinstraße überquerte und von einer Stadtbahn erfasst wurde. Dahn beobachtet pro Jahr mehrere Unfälle. „Es gibt zwei Kategorien“, sagt er. Fast immer seien Autofahrer beteiligt, die von der Wallensteinstraße nach links in die Dormannstraße einbiegen wollen. Sie würden mit ihren Fahrzeugen entweder von einer heranfahrenden Stadtbahn touchiert und zur Seite gedrückt – oder frontal erwischt und auf dem Gleisbett weitergeschoben. Letzteres passiere seltener.

Stadt: Kein Unfallschwerpunkt

Ginge es nach Dahn, müsste der gesamte Bereich neu überplant und womöglich umgebaut werden. Wenigstens Überlegungen für zusätzliche Sicherungen wünscht er sich. Entsprechende Planungen gibt es bei der Stadtverwaltung für die Kreuzung aber bislang nicht. Nach Erkenntnis der Stadt handele es sich nicht um einen Unfallschwerpunkt, sagt Stadtsprecherin Michaela Steigerwald. So sieht es auch die Üstra. „Allerdings sind in den letzten Monaten vermehrt Unfälle passiert, obwohl sich an der Situation nichts geändert hat“, räumt Iwannek ein.

Immerhin haben die Behörden durchaus Änderungen in der vergangenen Dekade vorgenommen. Sicherheitsgeländer verhindern das Überqueren der Gleise durch Fußgänger, auch eine Zaunlücke in Höhe des Parkplatzes der St.-Thomas-Gemeinde – wo 2014 der 72-Jährige starb – wurde geschlossen, und eine Blinkanlage warnt Autofahrer vor ankommenden Stadtbahnen. Zudem sind die Bahnfahrer angewiesen, an dieser Stelle langsamer zu fahren. Derzeit dürfen sie ohnehin nur mit 20 Kilometern in der Stunde unterwegs sein: Wegen der Stadtbahnbaustelle Göttinger Chaussee ist die Wallensteinstraße am Butjerbrunnenplatz in Richtung Baustelle gesperrt; auf dieser Route müssen nun sämtliche Autofahrer über die Dormannstraße ausweichen und auch die Gleise überqueren.

Drei Problemzonen

All das reiche nicht, findet Dahn. Drei Problemzonen hat er ausgemacht. Erstens geht es um das Abbiegen der Autos in die Dormannstraße. „Ich sehe im Grunde täglich Beinaheunfälle“, berichtet er. Oft bremsten Fahrzeuge zwar rechtzeitig ab, wenn die Fahrer nahende Bahnen bemerkten. „Aber dann stehen sie mitten auf der Gegenspur.“ Gleich hinter den Bahngleisen treffen Autofahrer, die sich eben noch auf den Stadtbahnverkehr konzentriert haben, womöglich auf Passanten, die auf der Dormannstraße zwischen Nettomarkt und Butjerbrunnenplatz unterwegs sind. Das ist die zweite Problemzone. Und drittens führt in der Nähe ein Zebrastreifen über die Wallensteinstraße, den auch Radfahrer oft nutzen. Müssen sie zwischen Bahngleis und Straße auf querende Stadtbahnen warten, stehen ihre Räder halb auf der Fahrbahn.

Eine Ampelsteuerung könnte die Lage entschärfen, findet Dahn. „Das wäre auch in unserem Sinne“, sagt Üstra-Sprecher Iwannek. An anderen Kreuzungen entlang der Wallensteinstraße gibt es auch Ampeln. Allerdings gibt es in Höhe der Dormannstraße bisher nicht genügend Platz für eine eigene Linksabbiegerspur. Und ohne eigene Fahrspur müssten auch Geradeausfahrer jedes Mal anhalten, sobald eine Bahn käme und eine Ampel auf Rot spränge. „Das wäre 24 Mal pro Stunde der Fall“, sagt Iwannek. Ohne massiven Eingriff in den Autoverkehr, heißt das, ist mehr Sicherheit nicht zu haben.

Kommentar: Stadt darf Unfälle nicht hinnehmen

Vielleicht ist es einfach ein bisschen viel verlangt. Autofahrer, die von der Wallensteinstraße in die Dormannstraße abbiegen wollen, müssen auf Fußgänger am Zebrastreifen achten, auf den (oft dichten) Gegenverkehr – und wenn sich endlich eine Lücke ergibt, droht dahinter die Stadtbahn. Zwei Dinge verwundern: Dass die Stadt die Stelle nicht als Unfallschwerpunkt einschätzt und dass sie baulich nichts unternimmt. Ein gelbes Blinklicht weist auf nahende Stadtbahnen hin, es könnte aber auch eine Schranke gebaut werden – oder die Straße um Abbiegespuren erweitert werden. Genug Platz wäre vorhanden.

Von Marcel Schwarzenberger

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