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Aus der Stadt An dieser Grundschule lernen Kinder programmieren
Hannover Aus der Stadt An dieser Grundschule lernen Kinder programmieren
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00:21 13.09.2018
Alarmanlage selbstgebaut: Simon und Friedrich (rechts) mit Lehrer Christian Mund an der Otfried-Preußler-Schule. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

 „Aarr!“ Friedrich schreit seinen Lego-Roboter lautstark an. Es ist kein Ausdruck von Ärger oder Technikfrust, sondern ein Lernvorgang – von Mensch zu Maschine. Der Neunjährige nimmt seinen eigenen Schrei auf, damit ihn der Roboter, eine Art Alarmanlage mit eingebautem Bewegungsmelder, abspielen kann, wenn sich ein Einbrecher nähert.

Die Viertklässler an der Otfried-Preußler-Schule in der Südstadt haben jede Woche Informatik-Arbeitsgemeinschaft bei Lehrer Christian Mund. In der Zeit lernen sie anhand von Lego-WeDo-Kästen, wie man aus Legosteinen kleine Figuren bastelt und sie anschließend übers Tablet programmiert. Friedrich und sein Sitznachbar Simon (9) sind Profis. In Minutenschnelle haben sie ihre Alarmanlage in Pinguinform zusammengesetzt. „Das Bauen und Programmieren macht Spaß“, sagt Friedrich. Und Simon meint: „Das finde ich auch.“

Lego bauen macht Spaß

„Ich baue zuhause fast täglich mit Legos“, erzählt Viertklässler Mikko (9). Er habe die City-Reihe und setze gern Stadtszenen zusammen – mit Krankenwagen und Polizeiautos. Sein Freund Jannes findet Konstruieren genauso spannend wie die kleine Maschine mit Informationen zu füttern.

Einmal in der Woche bauen die Viertklässler an der Otfried-Preußler-Grundschule kleine Figuren aus Lego und programmieren sie unter Anleitung von Lehrer Christian Mund.

„Ihr könnt entweder eine leuchtende Schnecke oder die Alarmanlage bauen, die wie ein Pinguin aussieht“, erläutert Lehrer Mund im Sitzkreis vor der interaktiven Tafel. Immer zwei Kinder arbeiten mit einem Baukasten mit Tablet. Neben den Steinen gibt es in der Kiste ein Smarthub, das Steuerungselemen, einen Motor, einen Bewegungs- und einen Neigungssensor. und ein Neigungssensor enthalten. Lego liefert zur Technik auch noch gleich eine Geschichte mit. Hauptakteure sind die Kinder Mia und Max. Diese Mal wollen sie die grün leuchtende Schnecke nachbauen, die sie beim Zoobesuch gesehen haben.

Informatik ist nicht nur Jungensache. Elena (9) berichtet, dass sie auch daheim gern mit Lego und Playmobil spielt: „Ich baue Autos, Raumschiffe oder einfach ausgedachte Sachen.“ Programmieren sei leicht, findet Gabriella. Wenn man Mengenlehre könne, könne man auch das.

Modellprojekt mit 30 Grundschulen

Die Otfried-Preußler-Schule gehört zu den 30 Grundschulen in Niedersachsen, die an dem Projekt „Informatik in der Grundschule“ teilnehmen. Aus der Stadt Hannover ist sie der einzige Standort. „Die Kinder sollen Anwender werden“, sagt Schulleiterin Alexandra Vanin. Smartphones, Tablets und Computer seien Teil der Lebenswirklichkeit, und die könne man nicht außen vor lassen. Natürlich sei es weiterhin wichtig, dass Kinder mit den Händen in der Erde buddelten, auf Bäume kletterten und gedruckte Bücher lesen. Für Vanin heißt es nicht: „Entweder oder“, sondern „Sowohl als auch“ – sie setzt auf analoge und digitale Bildung. „Der Computer ist ein Werkzeug, das sich zunehmend in den Alltag einschleicht“, sagt Vanin. Die Grundschüler sollen nicht nur den Umgang mit digitalen Medien lernen, sondern auch die Risiken: „Die Generation, die jetzt kommt, muss sich auch davor schützen können.“

„Kinder lernen zu wenig Technik“

Christian Mund, der auch für das Medienzentrum der Region Hannover arbeitet und andere Grundschulen berät, findet, dass in den ersten vier Schuljahren generell nicht nur zu wenig Informatik, sondern überhaupt zu wenig Technik vermittelt wird. Ein Grund dafür könnte sein, dass es zu wenig männliche Lehrer an Grundschulen gibt.

„Physikalisches Grundwissen vermittelt unser Schulsystem nicht“, sagt Mund. Dabei seien Kinder für anschauliche Experimente schnell zu begeistern. So könne man die Frage: „Was macht ein Auto, das eine Rampe hinunterfährt, schneller – mehr Gewicht oder große Reifen?“ am besten durch eigenes Ausprobieren beantworten. Mund wirbt dafür, dass sich Grundschulpädagogen zum Einstieg beim Medienzentrum einfach eine „Hebelkiste“ für den Sachunterricht ausliehen, eine Einführung zum Umgang gibt es dort auch. Anfragen können per E-Mail an Christian Mund unter mzrh@kabelmail.net gerichtet werden.

Von Saskia Döhner

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