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Aus der Stadt Geht Rekord-Diesel in Hannover auf Jungfernfahrt?
Hannover Aus der Stadt Geht Rekord-Diesel in Hannover auf Jungfernfahrt?
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15:44 08.07.2018
Horst-Dieter Görg (oben) und Peter Starke sitzen in der Rekonstruktion des Hanomag-Rekordwagens. Quelle: dpa
Hannover

Flach wie eine Flunder, aerodynamisch wie ein Flugzeugrumpf: Der Nachbau eines historischen Diesel-Weltrekordautos der Hannoveraner Firma Hanomag steht unmittelbar vor der Erstfahrt. „Die Karosserie ist längst fertig; was noch fehlt, sind Instrumente, Kardanwelle und Lichtmaschine - dann ist er komplett“, sagt Horst-Dieter Görg, der mit seinen befreundeten Tüftlern die Fertigstellung für Ende August anpeilt. Grund: „Unser Elektriker ist nach einer Operation in der Reha, und wir haben die Instrumente auch noch nicht.“ Das Original fuhr 1939 auf der Autobahn bei Dessau vier Weltrekorde ein und wurde später im Zweiten Weltkrieg zerstört.

„Bisher ist geplant, dass wir den Wagen dann am 3. Oktober auf der Autobahn bei Dessau zeigen, aber das hängt von einer entsprechenden Genehmigung des zuständigen Verkehrsministeriums in Magdeburg ab“, sagt der Betriebswirt Görg, der Anfang der Achtzigerjahre bei der Auflösung der Traditionsfirma Hanomag historische Blaupausen des Wagens aus dem Abfall-Container geholt hatte.

Technisch war der Diesel-Rennwagen von Hanomag in den 1930er Jahren Spitze: er brach vier Weltrekorde. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zerstört. Tüftler aus Hannover bauten ihn mit Originalteilen nach. Für die Erstfahrt gibt es bereits handfeste Pläne.

Trotz immer wieder fehlender Sponsorengeldern hatte er sich mit Freunden im Arbeitskreis Technik- und Industriegeschichte (AK TIG) an den Nachbau gemacht. Gemeinsam trugen sie aus allen Teilen der Republik Getriebe, Chassis, Motorblock und andere mechanische Teile zusammen - die Technik des silbern glänzenden Nachbaus besteht weitgehend aus Originalteilen.

Sollte die Genehmigung für die Erstfahrt der Replika bei Dessau wegen der vielen Autobahn-Baustellen nicht erteilt werden können, dann hat Görg bereits einen Alternativplan in der Tasche: „Wenn Dessau nicht läuft, dann machen wir eben etwas in Hannover.“ Idealerweise sollte das im Umfeld des früheren Hanomag-Geländes sein, aber genaue Details stehen noch nicht fest. Auf jeden Fall soll der einst in Hannover entwickelte und gebaute Wagen dann im kommenden Frühjahr in der niedersächsischen Hauptstadt gewürdigt werden - im 80. Jahr nach den damaligen Weltrekordfahrten.

Das Fahrzeug mit seiner Aluminiumhülle gilt als Meilenstein deutscher Technikgeschichte. Beim Weltrekord kam es mit seinem Klein-Diesel auf eine Geschwindigkeit von immerhin 165 Stundenkilometer. Das Nachbau-Projekt versteht sich als Hommage an Rudolf Diesel und auch Hanomags damaligen Motoren-Chefkonstrukteur Lazar Schargorodsky. Lange bevor der Diesel in den vergangenen Jahren durch Abgas-Manipulationen in Verruf geriet, setzte Schargorodsky vor gut 75 Jahren seine Klein-Diesel auch bei Personenwagen ein. Davor gab es sie vor allem bei Lastern oder Traktoren.

Von Ralf E. Krüger

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