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Aus der Stadt Abwassergebühren in Hannover steigen
Hannover Aus der Stadt Abwassergebühren in Hannover steigen
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06:00 09.10.2018
Hohe Investitionen wie in die Erneuerung des Klärwerks in Herrenhausen tragen zu der Gebührensteigung bei. Hans-Otto Weusthoff (kommisarischer Betriebsleiter Stadtentwässerung Hannover), Stadträtin Sabine Tegtmeyer-Dette und Wilfried H. Engelke bei dem Richtfest. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Zum ersten Mal seit 15 Jahren steigt 2019 voraussichtlich die Abwassergebühr in Hannover. „Wir haben sehr lange nicht erhöht. Durch anstehende Investitionen lässt sich das aber nicht länger durchhalten“, kündigte Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne) die geplante Steigerung jetzt am Rande eines Richtfests in der Kläranlage Herrenhausen an, die bis 2026 für über 180 Millionen Euro erneuert wird. 1908 in Betrieb genommen, bekommt das älteste Klärwerk Niedersachsens eine neue Schlammbehandlungsanlage samt dazugehörigem Kraftwerk.

Hannoveraner zahlen wenig

Bereits im Sommer wurde die Modernisierung der zweiten Kläranlage der Stadtentwässerung in Gümmerwald abgeschlossen. Die Kosten dort: 12 Millionen Euro. „Diese Investitionen müssen vom Gebührenzahler finanziert werden“, erklärte Tegtmeyer-Dette auf der Dauerbaustelle, wo sie gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Betriebsausschusses für Stadtentwässerung Wilfried Engelke (FDP) und Hans-Otto Weusthoff, dem kommissarischen Betriebsleiter der Stadtentwässerung, symbolisch Nägel in das Gebälk hämmerte. Aktuell zahlen Verbraucher für die Aufbereitung eines Kubikmeters Schmutzwasser im Bereich der Stadtentwässerung Hannover 1,72 Euro. In Neustadt beträgt die Gebühr 2,50 Euro, in Burgdorf 1,89 Euro, in Burgwedel wurde gerade auf 2,12 Euro erhöht. Bemisst man die jährlichen Kosten nach dem durchschnittlichen Verbrauch in Deutschland, fällt nach Information der Stadt in Hannover eine (jährliche??) Schmutzwassergebühr von 77,40 Euro pro Kopf an. In den Abwassergebühren sind außer Schmutzwasser auch Regenwasser sowie die Instandhaltungen etwa von Rückhaltebecken, Kanälen und eben die Kläranlagen enthalten.

Vor neun Jahren waren die Gebühren leicht gesenkte worden. Wie hoch die jetzt anstehende Steigerung konkret ausfällt, wird voraussichtlich am 12. November bei der Haushaltssitzung des Stadtentwässerung-Ausschusses entschieden. „Es wird vermutlich sehr geringfügig ausfallen“, kommentiert der Ausschussvorsitzende Engelke, der sich selbst überrascht zeigte von den Äußerungen der Umweltdezernentin. Bei Baubeginn vor etwa zwei Jahren hatte Betriebsleiter Weusthoff noch ausgeschlossen, dass sich der Umbau des Klärwerks auf die Gebühren auswirke.

Tatsächlich seien die teuren Klärwerk-Sanierungen nicht ursächlich für diese Entwicklung verantwortlich, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. „Größere Kostentreiber sind vielmehr die Klärschlammentsorgung, Personalkosten durch die Anpassung an Tarifverträge und laufende Kostensteigerungen bei Sachkosten“, so Dix. Eine neue EU-Regelung führt dazu, dass anfallender Klärschlamm künftig in weit geringeren Mengen als Dünger an Landwirte abgetreten werden kann als bislang üblich. Im Sommer rief die Stadt sogar den „Klärschlammnotstand“ aus, nachdem die Lagerkapazitäten erschöpft schienen. Diese Lage scheint allerdings beruhigt. „Aktuell liefern wir mehr Schlamm aus, als wir produzieren“, sagt Betriebsleiter Weusthoff. In Herrenhausen bereitet der Klärabfall keine Probleme. Von dort wird der Schlamm durch ein Rohr in das 13 Kilometer entfernte Gümmerwald gepumpt, wo ein entsprechendes Zusatzlager geplant angelegt würde, wenn es benötigt wird.

Eigene B-6-Anbindung

Ein weiterer Ausbau des Werks in Herrenhausen ist nur perspektivisch zu erwarten, wenn irgendwann eine vierte Klärstufe für Mikroplastik gebaut werden soll. Eine Fläche dafür ist bereits auserkoren, sie befindet sich im Bereich der biologischen Aufbereitungsanlage auf der anderen Seite der Leine. Wesentlich konkreter sind dagegen die Vorbereitungen für eine temporäre Baustellenab- und Zufahrt von der B6 zum Klärwerk. Zwischen den Ausfahrten Herrenhausen und Stöcken gelegen, soll sie für die Dauer der Klärwerk-Erneuerung den Stadtteil vom Lkw-Verkehr entlasten. Über die befristete Straße wird am 15. Oktober im Betriebsausschuss für Stadtentwässerung gesprochen.

Von Mario Moers

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