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Aus der Stadt Roboter zertrümmern Ärztehochhaus
Hannover Aus der Stadt Roboter zertrümmern Ärztehochhaus
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00:18 07.07.2018
Im Hintergrund die Marktkirche: 38 Meter über dem Cityring zertrümmern die ferngesteuerten E-Roboter den Beton des Ärztekammer-Hochhauses. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Tack, tack, tack, tack – rums! Stück für Stück schlägt sich der Bohrhammer des Elektroroboters in den Beton, dann fällt ein schwerer Brocken zu Boden. Und weiter. Tack, tack, tack – rums. Es ist die höchste Abrissbaustelle der Stadt: 38 Meter über dem Cityring zertrümmern Mitarbeiter der Firma Hagedorn das Hochhaus der Ärztekammer. Einst bombensicher gebaut als Notkrankenhaus für einen möglichen Dritten Weltkrieg, mit Flurbreiten für Krankenbetten und besonders großen Aufzugschächten, gilt der verspiegelte Hochbau aus den Sechzigerjahren heute als gestrig. Asbest, Formaldehyd und schlechte Dämmung: „Genau diese Bauwerke der Sechziger- bis Achtzigerjahre sichern uns auf Jahre unsere Beschäftigung“, sagt Hagedorn-Oberbauleiter Thomas Gräser spöttisch.

Hohe Schlagkraft

Die Abrissexperten arbeiten mit ferngesteuerten Abrissrobotern. Nicht nur, weil sie so die Zertrümmerer per Joystick aus sicherer Entfernung näher an den Schächten und Abgründen des Hochhauses manövrieren können. Sondern auch, weil die Geräte leichter und die Schlagkraft der Elektromotoren deutlich stärker ist als bei den spritbetriebenen Modellen. „Jeder Elektroroboter hat eine Kraft wie ein herkömmlicher 14-Tonner – aber solch schweres Gerät könnten wir hier oben gar nicht aufstellen.“

So sieht der Entwurf für den Neubau des Ärztekammer-Hauses aus – und dazu zeigen wir zahlreiche Bilder vom Anriss hoch über der Stadt.

Bis Ende September wird der Abriss dauern. „Das Haus ist sehr solide gebaut“, lobt Hagedorn-Niederlassungsleiter Martin Beese. Der Abriss sei für sein Unternehmen „ein Leuchtturmprojekt vor allem wegen der komplizierten Innenstadtlage“.

Tatsächlich seien in beiden Nachbarhäusern von Kassenärztlicher Vereinigung und anderen Partnerorganisationen empfindliche Erschütterungsmelder installiert, wie man sie sonst aus Erdbebengebieten kennt, berichtet Ärztekammer-Hauptgeschäftsführer Nils Frühauf. In drei Warnstufen wird alarmiert, falls durch den Abriss Bewegung auf den angrenzenden Grundstücken spürbar wird.

Schneekanone gegen Schutt

Das Gebäude ist vor dem Abriss komplett entkernt worden, Kabel, Holz und andere Baustoffe sind weitgehend entfernt. Wer sich aber durch das Gebäude bewegt, findet überall noch Zeichen der alten Nutzung. „Klinisches Krebsregister Niedersachsen“ steht auf einem Metallschild, darunter türmen sich Trümmer. Auch die große Aussichtsterrasse der Vorstandsetage sieht nicht mehr so einladend aus wie früher.

Um den Schutt nach unten zu bringen, haben die Abrissleute eine alte Nische in der Gebäudefassade mit Brettern ummantelt, dort fällt der Beton Brocken für Brocken nach unten. Gegen den Staub wurde eine Schneekanone installiert – sie läuft zwar ohne Kühlung, doch ihr Sprühnebel bindet die feinen Staubpartikel. Der Schutt wird zunächst nicht wegtransportiert, sondern im Keller gelagert. Als Ballast soll er dafür sorgen, dass bei fortschreitendem Abriss die leichten unteren Geschosse nicht irgendwann vom Grundwasser aufgeschwemmt werden – diese sogenannte Ballastierung kennen Fachleute aus Hannover zum Beispiel vom Kröpcke-Center.

„Sanierung unwirtschaftlich“

Mit dem Neubau wolle die Ärztekammer am traditionellen Standort ein zeitgemäßes Gebäude errichten, hat Kammerpräsidentin Martina Wenker angekündigt. Das alte Gebäude hatte schwere Mängel, „eine Sanierung wäre unwirtschaftlich gewesen“, sagt Hauptgeschäftsführer Frühauf. Zehn Stockwerke hoch soll der Nachfolgerbau an der Kreuzung von Berliner Allee und Schiffgraben aufragen, die Architekten haben der Fassade mit gerundeten Kanten etwas Edel-Modernes verliehen.

Weichen muss beim Abriss in Kürze allerdings auch der Plenar-Anbau, der mit seinen ausdrucksstarken Fenstern wie ein Sakralgebäude die Straßenecke dominierte. Die neuen Versammlungsräume für das Ärzteparlament werden im Neubau integriert.

50 000 Tonnen Schutt, 50 Tonnen Asbest

In den unteren Geschossen der früheren Ärztekammer läuft derzeit noch die Asbestsanierung. Der Bereich ist hermetisch abgeriegelt, Mitarbeiter müssen durch Vierkammerschleusen mit Unterdruck gehen, duschen und die Kleidung wechseln. Zwischenzeitlich hatte es Irritationen um falsch deklarierte Asbestsäcke gegeben, in denen sich jedoch ungefährliches Material befand.

Bis September soll der Abriss voraussichtlich dauern, sagt Hans-Henrik Dancker. Der Däne koordiniert für das Berliner Architekturbüro Grüntuch Ernst, das den Neubau entworfen hat, die Gesamtbaustelle. Ab Oktober wird die Grube für den Neubau gegraben, voraussichtlich ab März 2019 beginnt dann der Hochbau an gleicher Stelle. Doch vorher muss reichlich Material entsorgt werden: 50 000 Tonnen Bauschutt fallen an, 100 Tonnen andere Baustellenabfälle, 50 Tonnen Material sind mit Asbest verunreinigt.

Von Conrad von Meding

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