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Aus der Stadt Schreibwarengeschäft Osswald schließt
Hannover Aus der Stadt Schreibwarengeschäft Osswald schließt
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00:15 16.09.2018
Der Großhandel bleibt, das Geschäft am Schiffgraben schließt: Hans-Joachim Meyer und seine Tochter Christina Sonntag vor dem Geschäft Osswald. Quelle: Villegas
Hannover

Nach fast 100 Jahren ist Schluss mit Hannovers letztem echten Schreibwarengeschäft: Osswald schließt am Schiffgraben, das Ladengeschäft hat sich zum Schluss nicht mehr gelohnt. Das Unternehmen, in der vierten Familiengeneration inzwischen geführt von Christina Sonntag, konzentriert sich künftig ganz auf den Großhandel und beliefert Unternehmen mit Büroartikeln und verwandten Sortimenten. „Unsere Stammkunden im Geschäft werden älter, es wächst nichts nach, was die Wertigkeit eines Fachgeschäfts zu schätzen weiß“, sagt Seniorchef Hans-Joachim Meyer. „Alle finden es traurig, wenn alteingesessene Geschäfte schließen – aber zu viele kaufen inzwischen im Internet“, sagt seine Tochter.

Wieder verabschiedet sich ein Geschäft mit Geschichte aus Hannover: Ein Blick in alte Fotos aus der Osswald-Tradition am Schiffgraben.

2008 hatte Göbelhoff in der Nordmannpassage nach einem langen, quälenden Niedergang geschlossen, das andere alte hannoversche Schreibwarengeschäft. Die Osswald-Betreiber hingegen hätten wohl noch ein paar Jahre weitermachen können, doch der neue Eigentümer will ihr Stammhaus an der Ecke Schiffgraben/Lavesstraße zum Hotel umbauen und so sein benachbartes Grand-Palace erweitern. „Wir haben deshalb entschieden, dass mit dem Ladengeschäft jetzt Schluss ist“, sagt Chefin Sonntag. Der Ausverkauf beginnt in wenigen Tagen: Pelikan-Füllfederhalter in jeder Preisklasse, besonderes Briefpapier, Couverts, Druckerpatronen, Aktenordner: Alles wird zunächst um 30 Prozent reduziert, der Ausverkauf läuft voraussichtlich bis Ende Oktober.

Zentrallager: Konzentration auf dem Großhandel

Das andere, wirtschaftlich längst wichtigere Standbein des Unternehmens befindet sich am Alten Flughafen in Vahrenwald. Dort hat Meyer 1992 das ehemalige Zentrallager der Firma Leitz übernommen und 2011 auf 1700 Quadratmeter Fläche erweitert. Von dort aus beliefert Osswald zahlreiche Unternehmen nicht nur in der Region mit Büroartikeln, sondern auch mit diversen anderen Artikeln. Vom Toilettenpapier für die Sanitärräume über Kaffee und Kuchen für Besprechungen bis hin zu aktuell besorgten Blumensträußen für Jubiläen: „Wir kümmern uns um das gesamte Sortiment, das in Unternehmen benötigt wird“, sagt Sonntag.

Als regionaler Dienstleister könne man viel schneller und flexibler auf Kundenwünsche reagieren als Großlieferanten, die seit etwa 20 Jahren den Markt für Büroartikel dominieren. Osswald ist Teil einer Einkaufsgemeinschaft mit 15 Regionalhändlern. „Nur so können wir den Preisen der großen Mitbewerber Paroli bieten“, sagt Sonntag selbstbewusst.

In den vergangenen Jahren haben einige inhabergeführte Fachgeschäfte, die in Hannover eine lange Tradition haben, aufgegeben. Eine Übersicht.

Der Name Osswald geht auf die ersten zwei Jahre des Unternehmens zurück. Gegründet wurde es 1921 von Clara Osswald. Der Firmenlegende nach war ihr Mann Mitarbeiter bei Pelikan und organisierte so den Einkauf der edlen Schreibartikel – was bei Pelikan aber nicht lange geduldet worden sei, sagt Meyer. Nach zwei Jahren war Schluss, sein Großvater Willy Meyer stieg 1923 in die Firma ein.

Vom Aegi an den Schiffgraben

Zunächst war das Unternehmen am Aegi ansässig, baute nach den Kriegszerstörungen am Schiffgraben zunächst 1953 ein zweistöckiges Gebäude mit der markanten runden Ecke am Schiffgraben, das 1979 um drei Stockwerke erweitert wurde. Architekt war Ernst Friedrich Brockmann, der in Hannover etwa auch das nahe IHK-Gebäude, das Kaufhaus Borsig (heute Fairkauf), Messehallen und das gerade abgerissene Hochhaus der Ärztekammer entworfen hatte.

„Der große Pelikan-Schriftzug über der Kreuzung und das weithin leuchtende Signet des Schreibwarenherstellers über den rückwärtigen Bahngleisen werden mit dem Umbau zum Hotel wohl verschwinden“, sagt Seniorchef Meyer – und mit ihnen der Name Osswald, der die belebte Straßenecke über Jahrzehnte geprägt hat.

Von Conrad von Meding

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