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Aus der Stadt So schützen sich Hannovers Schulen vor Amokläufen
Hannover Aus der Stadt So schützen sich Hannovers Schulen vor Amokläufen
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00:15 17.09.2018
Der Amok-Experte der Polizei, Michael Nickel, wünscht sich eine gemeinsame Linie von Stadt und Region. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover/Langenhagen

Der Amoklauf in einer Schule in Winnenden im Jahr 2009 mit 15 Toten hat in Hannover einiges in Bewegung gesetzt. Seitdem arbeiten Stadtverwaltung und Polizei in Hannover an Konzepten, das Risiko für Schüler und Lehrer, Opfer eines Amoktäters zu werden, zu verringern. So richtig schnell geht es nicht voran, aber am Donnerstag wurden bei einer Tagung in Langenhagen unter dem Titel „Sicherheit in Bildungseinrichtungen“ erste Ergebnisse vorgestellt.

Beispielsweise gibt es bei der Stadt für die Schulen und andere städtische Gebäude einen einheitlichen Standard für die Numerierung und Beschilderung von Räumen. Das soll Polizei und Feuerwehr im Notfall erheblich die Arbeit erleichtern, berichtet die Leiterin der Schulorganisation bei der Stadt, Christine Oldenburg. Das werde bei allen Neubauten und Sanierungen grundsätzlich angewendet. Allerdings sei es nicht einfach, dass gegen den Widerstand mancher Schulleiter auch an den vorhandenen Schulen durchzusetzen, betonte Oldenburg.

Das waren die schlimmsten Amokläufe in Deutschland

Am 1. März 2009 dringt ein 17-Jähriger in eine Realschule im baden-württembergischen Winnenden ein. Dort erschießt er drei Lehrerinnen und neun Schüler. Auf der Flucht tötet er drei Passanten, bevor er in einem Schusswechsel mit der Polizei stirbt.

Am 26. April 2002 erschießt ein 19-jähriger Amokläufer am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt 16 Menschent. Zu den Opfern zählen zwölf Lehrer, zwei Schüler, die Schulsekretärin und ein Polizist. Nach der Tat tötet sich der Schütze selbst.

Und es gibt auch in den 100 hannoverschen Schulen nach und nach immer mehr Sicherheit: Immer wenn eine Tür zum Klassenraum ausgetauscht wird, ist diese von außen nur noch mit einem Knauf zu öffnen. So kann ein möglicher Amok-Täter dort nicht so schnell eindringen.

Verglichen mit Frankfurt hat Hannover allerdings erheblichen Aufholbedarf. Wie Sicherheitsexperte Tobias Töpfer berichtete, sind 80 Schulen in Frankfurt in jedem Klassenraum mit Notfallknöpfen ausgerüstet. Auf Kopfdruck gibt es eine direkte Sprechverbindung mit der Polizei, und die Beamten können genau sehen, in welchem Bereich des Gebäudes der Amokalarm ausgelöst wurde.

Das ist der Stand der Technik, den einige Hersteller bei der Fachtagung den aus ganz Niedersachsen angereisten Vertretern von Kommunen und Freien Schulen bei der Tagung präsentieren. Nach Angaben von Töpfer kostet ein Alarmknopf mit Sprechmöglichkeit zwischen 500 und 1000 Euro.

Die CDU-Regionsfraktion fordert die Installation solcher Anlagen bereits seit einigen Jahren, bisher ohne Erfolg. „Zu einer modernen Schule gehören auch Amokwarnanlagen“, betont Fraktionschef Bernward Schlossarek. Sie dienten dazu, im Ernstfall Schlimmeres zu verhindern. „Das sind wir unseren Schülern schuldig.“

Der Experte der Polizeidirektion Hannover für den Amokschutz, Michael Nickel, beklagte dass Stadt und Region an ihren Schulen unterschiedlich mit dem Thema Amok umgehen. Beispielsweise habe die Polizei den Schulträgern eine Durchsage für den Notfall zur Verfügung gestellt. „Die Stadt macht das, die Region nutzt etwas Eigenes.“

Von Mathias Klein

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