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Aus der Stadt Prozess um Mord an Anna Lena: Angeklagter klatscht ironisch Beifall
Hannover Aus der Stadt Prozess um Mord an Anna Lena: Angeklagter klatscht ironisch Beifall
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00:25 24.11.2018
Auch am zweiten Verhandlungstag blieb der 24-jährige Ronald C. (l.) stumm. Verteidigt wird er von Anwalt Christian J. Neumann. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Wie sehr hat die 16-jährige Anna Lena gelitten, bevor sie erstickte und verblutete, am 17. Juni 2018 auf einer Grünfläche in Barsinghausen? Vielleicht sei sie schon durch die ersten Schläge gegen ihren Kopf ohnmächtig geworden, erklärte der Rechtsmediziner Thomas Rothämel gestern vor dem Schwurgericht Hannover. „Doch sicher feststellen kann man das nicht“, stellte der Gutachter der Medizinischen Hochschule Hannover klar. Sicher sei nur, dass die Jugendliche noch am Leben war, als ihr Mörder ihr mit einem schweren Holzscheit den Schädel und das Gesicht zertrümmerte. Wie schon am ersten Verhandlungstag äußerte sich der des Mordes angeklagte Ronald C. nicht zu der Schreckenstat.

Meist desinteressiert

Fünf junge Männer, darunter Bewohner des damals von C. genutzten Obdachlosenheims in Barsinghausen, wurden am Mittwoch als Zeugen befragt. Vordringlich ging es darum, ob der Angeklagte ihnen schon frühzeitig etwas von dem Leichenfund nahe der Adolf-Grimme-Schule erzählt hatte, obwohl dies noch gar nicht öffentlich bekannt war. Der 24-jährige Deutsche mit dominikanischen Wurzeln wirkte oft desinteressiert, zeigte nur einmal eine sichtbare Regung. Als ein 28-jähriger Lagerarbeiter aussagte, C. habe bei einer Begegnung am Nachmittag des Tattages „unter Schock gestanden“ und „neben sich gestanden“, grinste der Angeklagte und klatschte ironisch Beifall.

Zwei weitere Zeugen, die die Verfahrensbeteiligten und die rund 40 Zuschauer im Gerichtssaal sicher gern gehört hätten, machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch: die 26-jährige Schwester des Angeklagten, eine in Hannover lebende Hausfrau, und der 54 Jahre alte Stiefvater, ein Berufskraftfahrer aus Barsinghausen.

Zusätzliches Gutachten

Ausführlich verlas der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch die Resultate von kriminaltechnischen Untersuchungen der Kleidung von C., die dieser damals getragen hatte. Mehrere Jeans und Schuhe waren darunter, und einige Male fiel bezüglich der DNA-Untersuchung der Satz, dass Anna Lena „als Miturheberin der Mischspur nicht ausgeschlossen werden kann“. Heißt: Es ist wahrscheinlich, dass der Angeklagte körperlichen Kontakt mit dem Opfer hatte. Ob die Jugendliche kurz vor der Tat Drogen konsumiert hatte, konnte Rechtsmediziner Rothämel nicht sagen. Fest stehe lediglich, dass man im Körper der Toten Hinweise auf früheren Cannabis- und Kokainkonsum gefunden habe.

Nächsten Mittwoch, kündigte Richter Rosenbusch an, werde eine Sachverständige gänzlich neue Ergebnisse eines Zusatzgutachtens vorstellen; dabei soll es um Spuren von C. gehen, die man an der Unterwäsche des Opfers entdeckt hat. Auch ist denkbar, dass Staatsanwaltschaft und Verteidigung am 28. November bereits plädieren.

Von Michael Zgoll

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