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Aus der Stadt Scorpions-Gitarrist Rudolf Schenker wird 70
Hannover Aus der Stadt Scorpions-Gitarrist Rudolf Schenker wird 70
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00:18 02.09.2018
Rock Your Life, war schon 1987 Rudolf Schenkers Motto. Am Freitag wird er wohl mit seinen Bandkollegen in den USA anstoßen. Quelle: NP, Neue Presse
Hannover

Schon als Kind träumte Rudolf Schenker davon, um die Welt zu reisen. Fünf Freunde, eine Gang, die Musik macht und Abenteuer erlebt, die der Ausbildungsplatz zum Starkstromelektriker in Hannover wohl kaum zu bieten hatte. Das war die Vision des musikbegeisterten Jungen aus Sarstedt, der die Pretty Things und die Rolling Stones verehrte und es schon immer ein wenig lauter und aggressiver mochte, als die meisten anderen Jungs seiner Generation. 53 Jahre nachdem er 1965 die Scorpions gegründet hat, feiert Rudolf Schenker – Spitzname Rudi – heute seinen 70. Geburtstag – nicht zu Hause in Sarstedt, sondern bei einem Konzert in Nevada in den USA. Es ist der Auftakt zum vorerst letzten Teil der „Crazy World“-Tournee. Sie führt die Band nach den USA in den Libanon, nach Australien und Neuseeland.

Aus Sarstedt in den Rock-Olymp. Rudolf Schenker gründete 1965 eine Band mit dem einfallslosen Namen „Nameless“. Vier Jahre darauf wurden daraus die Scorpions. Bilder einer großen Karriere.

Die Bühne, auf der Schenker und die anderen Scorpions Freitagabend spielen, steht an einem See zwischen einem Nationalforst mit dem klingenden Namen Eldorado und Carson City, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Nevada, dessen Umland in seiner Kindheit den Schauplatz der Westernserie Bonanza abgab. Hier schließt sich der Kreis. Aus dem Jugendtraum im Proberaum ist für Rudolf Schenker, seinen Freund und Sänger Klaus Meine und Matthias Jabs Realität geworden – und mehr oder weniger gilt das auch für die im Lauf der Dekaden aus- und zugestiegenen Bandmitglieder. „Rockmusiker zu sein war das letzte Abenteuer, das uns die moderne Gesellschaft noch übrig gelassen hat“, schreibt Schenker, zu dessen Bühnenoutfit natürlich auch Cowboystiefel zählen, in seinem biografischen Buch, das sein Lebensmotto zum Titel hat, „Rock Your Life“.

Von wegen Rock-Opa

Schenker ist der extrovertierte Scorpion. Ein Energiebündel, das auch mit 70 keinesfalls dem Klischee des abgehalfterten Rock-Opas entspricht und noch weniger so aussieht. Insbesondere an dieser Tatsache hinkt der oft bemühte Jagger/Richards-Vergleich, der die kongeniale Beziehung zwischen Schenker und dem bereits im Mai 70 gewordenen Klaus Meine noch nie gut getroffen hat. Wenn Schenker zum Tourbeginn seine berühmte „Flying V“ (die Gitarre in V-Form) schwingt, rockt er immer noch wie ein Hurrikan.

Achim "Piet" Pieczulski war als Bühnenbildner und Techniker 1980 mit den Scorpions auf der Animal Magnetism Europatournee. Quelle: Mario Moers

„Rudolf ist bestimmt nicht der größte Gitarrist auf diesem Planeten, aber ganz sicher die Seele und der Motor der Scorpions“, charakterisiert Weggefährte Joachim Pieczulski den Rocker, der spielerisch immer im Schatten der drei Weltklasse-Gitarristen stand, die seine Band hervorgebracht hat. Sein jüngerer Bruder Michael Schenker gehört dazu, und natürlich auch der Ex-Skorpion Uli Jon Roth und dessen Nachfolger Matthias Jabs. Sie alle stammten aus Hannover, wo die international erfolgreichen Scorpions stets ihre Basis und ihr Netzwerk hatten. „Piet“, wie der heute 66-jährige Lindener Pieczulski in Bandkreisen genannt wurde, war ein Teil davon. 1980 ging er als Bildhauer mit auf die „Animal Magnetism“-Europatournee. „In einer Werkstatt im Groß-Buchholzer Kirchweg hab ich den zwölf Meter großen Skorpion gebaut, mit dem Schlagzeuger Hermann Rarebell drei Meter in die Luft gefahren wurde“, erzählt er. Noch heute zeugen an seinen Unterarmen Verbrennungen von dem Polyester von dieser Zeit, als die Scorpions in der goldenen Ära des Heavy Rock vor bis zu 300.000 Zuschauern spielten.Bei einem Konzert im bruchfälligen Glasgower Apollo Theater erlebte Pieczulski eine Szene, die für ihn charakterisiert, was den „typischen Schenker“ bis heute ausmacht.

„Als die Band so richtig loslegte, fing plötzlich das Gebäude an zu bröckeln. Betonteile krachten auf die Bühne und alle verschwanden, außer Rudolf und Hermann“, erinnert er sich. „Rudolf wollte weiterspielen. Er sagte: ,Die haben Geld bezahlt und wollen uns sehen, die kriegen ihr Konzert, auch wenn die Bühne kracht‘“, sagt Pieczulski, der nach der Tour mit den Bandmitgliedern verbunden blieb und etwa die Küche in Schenkers Haus baute. Für ihn sind die Scorpions aus diesem Grund eine Handwerkerband. „Ich glaube, diese Verlässlichkeit und Gradlinigkeit, die Rudolf ausmacht, hat viel damit zu tun, was wir als Jugendliche damals alle im Handwerk mitbekommen haben“, so schildert er seine eigene Theorie für das Erfolgsrezept der Scorpions.

Immer noch Freunde nach all den Jahren. Klaus Meine und Rudolf Schenker bei Wasser statt Wein. Quelle: HAZ

Schenker selber sieht, untypisch für einen Rock-Rebellen, die Wurzeln für seine „Rock Your Life“-Einstellung auch im Elternhaus. Der Vater, ein Bauingenieur, habe ihm stets geraten, den eigenen Weg zu gehen, ungeachtet der Verdienstmöglichkeiten. Dass dieser Weg auch weiterhin Rock ’n’ Roll bedeutet, zeigt die Signatur unter seinen ­E-Mails: „Rockige Grüße, Rudolf“.

Wie Rudolf Schenker einem Gnom begegnete

Die Scorpions schreiben nicht nur Bücher, es werden auch viele über sie geschrieben. Eine kleine Auswahl der Anekdoten daraus.

Als Anfängerder fernöstlichen Yoga- und Meditationskultur praktizierte Rudolf Schenker auch die Transzendentale Meditation des indischen Gurus Maharishi. In seinem Buch „Rock Your Life“ berichtet Schenker von einem Meditationserlebnis, bei dem ihm ein Gnom erschien. „Ich sah einen kleinen Gnom, der gemütlich auf der Fensterbank saß und mit seinen Beinen wippte“.

Der Titel für das Album „Blackout“ (1982) entstand nach einer durchzechten Nacht mit den Rockbands Judas Priest und Def Leppard. Deren Musiker saßen ruhig vor dem Fernseher ihres Hotelzimmers, als ein partywütiger Rudolf Schenker den Raum stürmte und seinen Drink in die Lüftungsschlitze der Glotze kippte. Es machte „puff“, und kurz darauf landete Schenker in einer Arrestzelle. Sein Filmriss am Tag darauf inspirierte die Band zu dem Titel „Blackout“.

Bei der Bandgründung 1965fiel den Musikern um Rudolf Schenker zunächst kein geeigneter Bandname ein – sie nannten sich Nameless (Namenlos). Dass später aus der Gruppe die Scorpions wurden, ist nach Lesart von Rockjournalist Martin Popoff eine Hommage an die Krabbeltier-Referenz, die bereits die Beatles im Namen trugen. Der Stachel des Skorpions symbolisiere außerdem die Nadel auf einem Plattenspieler. Der erste Buchstabe S entspricht außerdem dem ersten Buchstaben in Schenkers Namen und seiner Geburtsstadt Schwetzingen.

 Im Juni 2018 trat Schenker als Überraschungsgast bei einem Konzert der Supergroup Hollywood Vampires in Hamburg auf. Gemeinsam mit den Bandmitgliedern Alice Cooper, Joe Perry von Aerosmith und dem Schauspieler Johnny Depp spielte er auf der Bühne im Stadtpark den Aerosmith-Song „Train Kept A-Rollin“.

In den Achtzigerjahren sollte der Popart-Künstler Andy Warhol das Cover für eine neue Scorpions-Platte gestalten. Der Deal platzte, weil Warhol neben den vereinbarten 75 000 Dollar auch die Hoheit über die internationalen Merchandising-Rechte behalten wollte.

Außer Rudolf Schenker waren alle späteren Mitglieder der Scorpions bereits in anderen Bands in Hannover aktiv. Bruder Michael Schenker und Sänger Klaus Meine bei The Mushrooms, Schlagzeuger Hermann Rarebell bei The Mastermen, The Fuggs Blues, Uli Jon Roth, Gitarrist, kam von der Gruppe Dawn Road. Matthias Jabs spielte bei Fargo, Deadlock und Lady.

Von Mario Moers

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