Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt So haben Prominente aus Hannover ihren Studienstart erlebt
Hannover Aus der Stadt So haben Prominente aus Hannover ihren Studienstart erlebt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:59 12.10.2018
Semesterstart in Hannover: So haben Prominente den Start ihres Studiums erlebt. Quelle: privat/HAZ
Hannover

Für 5300 Erstsemester hat am Donnerstag ihr Studium an der Leibniz-Universität begonnen. Vier Prominente aus Hannover berichten, wie sie einst ihren eigenen Studienstart erlebt haben: der Astrophysiker Professor Karsten Danzmann, Direktor des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik, Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann, Schriftstellerin Alexa Hennig von Lange und Comedian Dietmar Wischmeyer.

Der Physiker: Karsten Danzmann

Karsten Danzmann. Quelle: privat

Als vielleicht Zwölfjähriger habe ich mein erstes Teleskop bekommen und viele Nächte mit klammen Fingern in Winternächten die Sterne beobachtet. Ich war auch mathematisch angehaucht, habe bei Wettbewerben mitgemacht, Jugend Forscht, Bundeswettbewerb Mathematik. Das hat mir einfach Spaß gemacht. Klar war schon früh, dass ich was mit Wissenschaft machen will. Aber was ich genau tun würde als Physiker, davon hatte ich zu Beginn meines Studiums keinen Schimmer.

Ich glaube fest daran, dass man seinem Bauch folgen und das tun sollte, was man selbst für richtig hält. Als Wissenschaftler bringt es nichts, sich am Arbeitsmarkt auszurichten. Da kommt man nicht weiter. Man muss strategisch vorgehen, sich breit aufstellen und zugreifen, wenn sich eine Gelegenheit ergibt. Ich habe immer exotische Dinge gemacht, nach seltenen Elementarteilchen gesucht oder mit Laserspektroskopie an künstlichen Atomen geforscht. Dass ich mich mit Gravitationswellen beschäftige, war reiner Zufall. Der Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft machte mir ein Angebot. Ich wende jetzt an, was ich in Quantenphysik und Laseroptik gelernt habe. Zu Beginn des Studiums hatte ich keine Ahnung, was es bedeutet, Wissenschaftler zu sein. Ich handle wie ein mittelständischer Unternehmer, der Geld heranschaffen muss, Werbung machen und Aufträge einholen. Das habe ich später gelernt.

Die Ministerin: Carola Reimann

Carola Reimann. Quelle: privat

Ich habe 1987 an der Technischen Universität in Braunschweig angefangen, Biotechnologie zu studieren und habe darin auch meinen Doktor gemacht. Mit genetisch veränderten Bakterien und Viren zu arbeiten war damals etwas Brandneues und hat mich sehr fasziniert. Ich wollte das unbedingt machen, und da das nur in Braunschweig möglich war, bin ich so nach Niedersachsen gekommen. Nach dem Studium wollte ich im Bereich Umwelt mit Bakterien Altlasten sanieren. Wenn ich im Labor stand, hätte ich mir gar nicht vorstellen können, woanders hinzugehen. Aber ich habe mich parallel auch immer in der SPD engagiert. Während der Doktorarbeit wollte ich allerdings die politische Arbeit ruhen lassen, weil die Promotion dann erst einmal im Mittelpunkt stand. Doch ich habe gemerkt: Ohne Politik geht es auch nicht. Als es im Jahr 2000 dann die Möglichkeit gab, in den Bundestag nachzurücken, habe ich die Chance ergriffen. Auch heute interessiere ich mich noch für Biotechnologie und kann das oft in meiner jetzigen Arbeit als Gesundheits- und Sozialministerin nutzen: Ich gehe Dinge sachlich an, und am liebsten habe ich alles mit Zahlen und Fakten belegt. Ich würde das Studium auch immer wieder machen.

Die Schriftstellerin: Alexa Hennig von Lange

Alexa Hennig von Lange. Quelle: privat

Seit meinem dreizehnten Lebensjahr wollte ich Schriftstellerin werdend. Nur dachte ich, dass ich zur Sicherheit besser noch etwas studieren sollte. Also habe ich mich nach dem Abi 1992 für Philosophie und Pädagogik an der Leibniz-Uni eingeschrieben.

Am ersten Tag der Einführunsgwoche bin ich allerdings nur bis in die Eingangshalle vorgedrungen - ich hatte Schwierigkeiten, das Vorlesungsverzeichnis zu deuten. Ich dachte: „Wenn das Vorlesungsverzeichnis schon so kompliziert ist, was ist dann erst mit dem Studium?“ Als ich dann zusätzlich nicht den richtigen Raum gefunden habe, bin ich mit der U-Bahn wieder nach Hause gefahren.

Meinen Eltern habe ich erzählt, die Uni würde mir Depressionen bereiten. Und das hat offenbar so überzeugend gewirkt, dass sie meine Entscheidung akzeptiert haben. Dafür habe ich angeboten, es an der Kunsthochschule zu probieren. Da hatte ich ein paar Freunde und mir gefiel die Atmosphäre dort. Das Problem war nur, dass ich erst kurz vor Mappenabgabe anfing, überhaupt eine Mappe anzufertigen, mit der ich mich bewerben wollte.

Im Grunde genommen war einfach klar: Ich hatte längst meine Entscheidung getroffen. Bücher schreiben. Etwas anderes kam für mich nicht in Frage. Das war meine Leidenschaft. Trotzdem habe ich später aus Interesse häufig Freunde zu ihren Seminaren als Gasthörerin begleitet und fand es toll, was da diskutiert wurde.

Heute interessiere ich mich zum ersten mal wirklich für Hochschulen, da meine große Tochter gerade angefangen hat zu studieren und es ist schön, wie sehr sie sich an der Gemeinschaft mit den anderen erfreut und den Austausch über gleiche Interessen. Damals war es einfach nichts für mich und mit der bewussten Entscheidung dagegen, habe ich mich gleichzeitig bewusst für ein Leben entschieden, in dem ich mir und meinen Eltern beweisen wollte, dass ich es auch so hinbekomme.

Der Comedian: Dietmar Wischmeyer

Dietmar Wischmeyer. Quelle: privat

Comedian Dietmar Wischmeyer hat ab 1976 an der Universität Bielefeld studiert, Philosophie und Literaturwissenschaften. Ziele damals? Eigentlich keine. „Wer Philosophie studiert, um einen Beruf zu ergreifen, ist ja völlig verblödet“, sagt der 61-Jährige in seiner zurückhaltenden Art, „was willst du damit denn anfangen?“ Immerhin halte sich die Enttäuschung über Nichterreichtes in Grenzen, im Gegensatz zu beispielsweise Japanisch-Absolventen.

Für sein Studium habe er außerdem das Große Latinum nachholen müssen, und er ärgere sich bis heute darüber, „dass ich mein Abiturzeugnis nicht mit Tippex gefälscht habe. Das als Kopie – das hätte kein Mensch gemerkt.“ Bei aller kritischen Nachbetrachtung: Im Gegensatz zu seinem Humorkollegen und „Welt“-Kolumnisten Hans Zippert, der es an der Uni Bielefeld genau eine Woche ausgehalten hat, machte Wischmeyer 1984 seinen Abschluss mit einer Examensarbeit über die historischen Beziehungen zwischen Literatur und Wissenschaft. 1988 stieß er dann zum damals neuen Privatsender ffn und entwickelte dessen Comedykonzept und eine neue Nonsens-Philosophie. Der Rest ist Radiogeschichte.

HAZ-Multimedia-Special zum Unistart

Für mehr als 11.000 Erstsemester beginnt jetzt in Hannover das Studentenleben. Was zieht eigentlich so viele junge Akademiker zu uns – und was hält sie später hier? Antworten gibt's im neuen HAZ-Multimedia-Special zum Uni-Start.

Von Aufgezeichnet von Bärbel Hilbig, Uwe Janssen, Lisa Neugebauer und Sebastian Stein

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Notbremsung am Kantplatz: Laut Urteil hätte sich die 51-jährige Frau setzen oder besser festhalten müssen. Ihr „erhebliches Mitverschulden“ hebelt Haftungsverpflichtung des Verkehrsunternehmens aus.

12.10.2018

So lustig kann das Leben in Hannover sein: In der täglichen Kult-Glosse „Lüttje Lage“ erzählen HAZ-Autoren von den skurrilen, absurden und bemerkenswerten Erlebnissen des Alltags. Heute: Neue Karten im Autoquartett.

12.10.2018

Opfer verletzte sich bei Sturz. Täter muss wegen vorsätzlicher Körperverletzung 1200 Euro zahlen. Der 68-Jährige hatte sich über das verkehrswidrige Verhalten der Frau aufgeregt und war zu weit gegangen.

11.10.2018