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Aus der Stadt VW-Tochter Moia startet - so viel kostet der Shuttle-Dienst
Hannover Aus der Stadt VW-Tochter Moia startet - so viel kostet der Shuttle-Dienst
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16:49 30.07.2018
Für Moia wird es ernst: Die Volkswagen-Tochter hat den regulären Betrieb ihrer Shuttles in Hannover gestartet. Quelle: David Ulrich I photo&retouch
Hannover

Nach 230.000 Testfahrten an 300 Tagen hat der Shuttle-Service Moia am Montag den regulären Betrieb in Hannover aufgenommen. Die Stadt hat der Volkswagen-Tochter zunächst 150 Fahrzeuge genehmigt. Es dauert aber noch eine Weile, bis Moia seine Möglichkeiten voll ausschöpft. In den kommenden Tagen solle die Flotte zunächst von den 35 benzinbetriebenen T6-Bullis aus der Testphase auf 55 aufgestockt werden, teilte das Unternehmen am Montag mit.

„Die deutschlandweit größte Ridesharing-Flotte“

Bereits damit fahre in Hannover die „deutschlandweit größte Ridesharing-Flotte“, sagte Moia-Sprecher Michael Fischer der HAZ – also die größte Zahl an Sammeltaxis in einer Stadt. Fahrgäste können per App auf dem Mobiltelefon einen der Bullis zu einer virtuellen Haltestelle in der Nähe rufen. Ein Algorithmus bringt mehrere Fahrgäste auf einer ähnlichen Route zusammen und holt sie unterwegs ab, beziehungsweise lässt sie aussteigen. Das soll die Kosten für den Einzelnen und zugleich die Zahl der Autos auf den Straßen reduzieren. Erfindet Volkswagens Sammeltaxi wirklich die Mobilität neu? Die HAZ hat es ausprobiert.

Was die bisher 3500 Testnutzer wenig freuen wird: Kunden müssen sich mit Beginn des regulären Betriebs auf deutlich höhere Fahrpreise einstellen. In der Testphase kostete eine Fahrt aberwitzige 6 Cent pro Kilometer pro Person, was das Taxigewerbe auf die Zinne brachte. Seit Montag variieren die Preise. Es gibt keinen festen Kilometertarif mehr. Vielmehr hängt der Fahrpreis von Entfernung, Wochentag und Uhrzeit sowie von Angebot und Nachfrage ab.

Für 5,57 Euro vom Hauptbahnhof zum HCC

Das macht sich bemerkbar. Eine Fahrt mit dem Moia-Shuttle vom Hauptbahnhof zum Hannover Congress Centrum im Zoo-Viertel kostete am Montagmittag in einer Stichprobe 5,57 Euro – in der Testphase hätte die Fahrt etwa 30 Cent gekostet. Die Üstra will für die Strecke 2,70 Euro (Einzelfahrschein), das Taxi würde laut Sven-Marcus Fürst von Hallo Taxi 10,20 Euro kosten.

Eine Fahrt mit Moia von den Herrenhäuser Gärten zum Zoo sollte am Montagmittag 12,90 Euro kosten. In der Testphase wären es rechnerisch etwa 50 Cent gewesen. Die Stadtbahn kostet auf derselben Strecke 2,70 Euro (Einzelfahrschein), das Taxi 17,40 Euro.

Moia hatte immer angekündigt, dass die Preise deutlich steigen werden, sodass sie am Ende zwischen öffentlichem Nahverkehr und Taxi liegen werden. Bei vier Fahrgästen, die gemeinsam buchen, kann ein Moia-Shuttle sogar teurer sein als ein Taxi für vier auf derselben Strecke. Moia-Sprecher Fischer rechnete am Montag damit, dass mit der Einführung der regulären Preise „die Kritik des Taxigewerbes an Moia der Vergangenheit angehören dürfte“. Im HAZ-Interview verteidigt Manager Robert Henrich das Vorhaben gegen die Kritik von Taxiunternehmern und erklärt die Ziele der VW-Tochter.

Taxi-Gewerbe findet neue Preise „erst einmal positiv“

Tatsächlich hat das Taxigewerbe die neuen Preise laut Fürst „erst einmal positiv“ aufgenommen. „Wir fragen uns: Gibt es wirklich eine Personengruppe, die diesen Preis zahlen wird?“ Die grundsätzliche Kritik der Taxi-Unternehmer bleibe bestehen: Moia genießt anders als Taxis manche Befreiung von den Zwängen des Personenbeförderungsgesetzes. Taxiunternehmer werfen Moia daher unlauteren Wettbewerb vor und sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Eine Befürchtung lautete bisher, dass Moia in den kommenden Jahren bis zu einem Drittel der Taxis in Hannover vom Markt verdrängen könnte – bis zu 1000 Fahrer wären betroffen. „Die Existenzängste von einigen bleiben bestehen. Aber wir schauen jetzt , wie sich das entwickelt“, sagte Fürst.

Es gibt weitere Änderungen bei Moia: Anders als bisher werden nun auch Ziele in Waldheim, am Maschsee und in Stöcken angefahren. Noch lange nicht deckt der Dienstleister die gesamte Stadt ab. „Weitere Gebiete Hannovers sollen schrittweise hinzukommen.“ Welche das sind, hänge von der Nutzung und anderen Analysen wie Kundenbefragungen ab, sagte Unternehmenssprecher Fischer. Auch die Service-Zeiten ändern sich. Moia fährt jetzt auch an Sonntagen (ab 9 Uhr) sowie in der Nacht zu Freitag (bis 2 Uhr), Sonnabend und Sonntag (jeweils bis 4 Uhr).

15.000 zusätzliche Nutzer

Der Nutzerkreis steigt mit dem offiziellen Start stark an. Rund 15.000 zusätzliche Kunden wurden bereits zugelassen - zusätzlich zu den 3500 Nutzern des bisherigen Servicetests. Tatsächlich könne sich aber jetzt schon jeder Hannoveraner die App auf sein Mobiltelefon laden, sagte Fischer. Damit die Server in den ersten Tagen nicht überlastet werden, werden die Kunden aber nur nach und nach freigeschaltet. Bis Ende des Jahres könnten dann alle Hannoveraner den Service nutzen.

Nach und nach will Moia auch mehr Fahrzeuge einsetzen. Bis Ende des Jahres soll die Zahl der Shuttles zunächst auf 100 steigen, später auf 150. Ab 2020 sind dann bis zu 250 Shuttles möglich – wenn sich nicht herausstellt, dass der neue Service Taxis und Nahverkehr verdrängt. Bis Ende 2020 soll die Hälfte der Flotte in Hannover elektrisch fahren, bis Ende 2022 gelte dies für alle Kleinbusse. Das erste Elektroshuttle soll nach Angaben von Moia-Sprecher Fischer schon „im nächsten Jahr“ in Hannover unterwegs sein. „Dafür müssen wir aber zunächst die Ladeinfrakstruktur aufbauen.“

In Hamburg ab 2019

In Hamburg startet Moia in den ersten Monaten 2019. Die klassischen Autobauer rüsten sich seit einiger Zeit für den Kampf mit großen Fahrdienst-Plattformen wie Uber. Daimler mit Car2go und BMW mit Drivenow sind seit Jahren beim Carsharing die Platzhirsche in Deutschland. VW will nach früheren Angaben von Marken-Vertriebschef Jürgen Stackmann ebenfalls in den Carsharing-Markt einsteigen.

Von Karl Doeleke

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