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Aus der Stadt HAZ-Gesundheitswochen: Schlange stehen zum Abnehmen
Hannover Aus der Stadt HAZ-Gesundheitswochen: Schlange stehen zum Abnehmen
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10:27 11.03.2019
Beim Radeln auf der Stelle kamen etliche Freizeitsportler ins Schwitzen. Ein Monitor vermittelte ihnen den Eindruck, über Wege und Straßen durch die Landschaft zu rollen. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Entspannt stehen. Das eigene Gewicht absinken lassen. Schön in die innere Ferse gehen. Und ausschwingen. Tai-Chi-Lehrer Andy Koehler macht es vor, um die 20 Besucher halten mit. Es ist ein ungewöhnlicher Ort, wo Koehler am Sonnabend zweimal eine halbe Stunde lang Einblicke in diese meditative Form chinesischer Kampfkunst gibt. Im riesigen Foyer der Siloah-Klinik, inmitten mehrerer Hundert Menschen, die an diesem Tag ins Regionskrankenhaus an der Stadionbrücke strömen, um mit der HAZ in die Gesundheitswochen zu starten. Die anstehen, um an der Aktion „Hannover nimmt ab“ teilzunehmen. Oder um sich das eigene Herz per Ultraschall begucken, den Blutzucker messen oder Tipps für eine gesunde Ernährung geben zu lassen. „Das hat durchaus was gebracht“, urteilt Irene Heymann aus Letter nach 30 Minuten Tai Chi. Und sie ergänzt: „Es zieht im Rücken, aber nicht unangenehm.“

Die Bandbreite möglicher Aktivitäten im Siloah-Krankenhaus war groß.

Die 76-Jährige und ihre Schwester Bärbel Steingrube (80) aus Wettbergen wissen um den Wert von Tai Chi, haben das schon mal im Urlaub ausprobiert. „Aber der Volkshochschulkurs in Letter wurde wieder abgeblasen, weil sich zu wenige Teilnehmer gemeldet haben“, bedauert Seniorin Heymann. Bärbel Steingrube wünscht sich, dass mehr Sportvereine Tai Chi anbieten. Denn wie sagte doch Andy Koehler? „Der Körper wird weich gemacht, Verspannungen lösen sich, und nach drei bis vier Wochen stellen sich schon merkliche Verbesserungen ein.“

Innere Werte sind gefragt

Die meisten Besucher lassen es an diesem Auftaktwochenende noch langsamer angehen als die beiden Schwestern. Sie stellen sich geduldig in die Schlange, die zum Gesundheitscheck führt, wollen zunächst einmal wissen, wie es um ihre inneren Werte steht. Viele Übergewichtige sind nicht dabei, aber wer weiß schon, welcher Schuh den einzelnen drückt? Wer den Gipfel erklimmen will – bis zum Körpermassen-Analysegerät von Professor Julian Mall vorzustoßen –, muss bis zu anderthalb Stunden Wartezeit einplanen. Bis zu 50 Meter lang ist die Schlange der Interessenten, die Bekanntschaft mit ihrem Body-Mass-Index machen wollen und eine kostenlose Körperfettanalyse anpeilen. Wer seine Daten im Siloah lässt, kann auch noch gewinnen. 2000 Euro vom City Center Langenhagen bekommt derjenige, der seinen Körperfettanteil im Laufe eines Jahres prozentual am stärksten reduziert hat. Und drei Teilnehmer werden auserkoren, ein Jahr lang unter ärztlicher Anleitung abzunehmen.

„Wenigstens die schlimmsten Sachen weglassen“

Was sind die ersten Schritte zu einem gesunden Lebenswandel und zu einer Gewichtsreduktion? „Zweimal pro Woche eine halbe Stunde Sport machen, auch Spazierengehen oder Radfahren zählen“, erläuterte Professor Julian Mall in einer kleinen Talkrunde mit HAZ-Moderator Jan Sedelis. Und mit Blick auf die zahlreichen Produkte der Nahrungsmittelindustrie, die viel zu viel Zucker und Fette enthalten, mochte der Chefarzt des Nordstadt-Klinikums seine Anfangs-Anforderungen lieber nicht zu hoch schrauben: „Man sollte zunächst einmal versuchen, wenigstens die schlimmsten Sachen wegzulassen.“ Starkes Übergewicht begünstige schließlich 15 Erkrankungen von Bluthochdruck über Diabetes bis zu Gelenkschäden und Krebs.

Den Wert von Gesundheitsprävention betonte auch Michael Schmitt, der frischgebackene geschäftsführende Direktor des Klinikums Mitte der Region Hannover. Er gab den Zuhörern im Klinikfoyer zudem einen kurzen Abriss, was er sich künftig vom Klinikum Mitte verspricht: einen verstärkten personellen Austausch der Ärzteteams von Siloah- und Nordstadtkrankenhaus sowie eine stärkere Konzentration der beiden Häuser auf unterschiedliche medizinische Schwerpunkte: „Wir müssen schließlich immer mehr auf Wirtschaftlichkeit achten.“ miz

Horst Jezierski ist Profi in Sachen Sport und Gesundheit. Früher ist der 78-Jährige Marathon gelaufen, dann bremste ihn ein kaputtes Knie, und nun walkt er täglich eine Stunde lang. Die Tai-Chi-Einführung hat der gelernte Ingenieur aus Herrenhausen gerne mitgenommen, jetzt lässt er sich von Mentaltrainerin Ela Windels in andere Entspannungstechniken einführen. „Ich, hier, jetzt“, erklärt die 46-Jährige, laute das Achtsamkeitsmotto. Negative, sich ständig wiederholende Gedanken stoppen und Stress ausbremsen – darum geht es bei ihren Übungen im Siloah-Foyer. Für Jezierski passt diese Form geistigen Ausspannens wunderbar in sein dreiwöchiges Heilfasten-Programm: „Da geht es ja auch darum, Körper, Geist und Seele als Einheit zu erleben.“

Als die Warteschlange zum Gesundheitscheck schon merklich kürzer geworden ist, kommt Schachtrainer Michael May ins Spiel. Im Talk mit HAZ-Moderator Jan Sedelis verrät er, dass man auch am Spielbrett ins Schwitzen kommen kann, abgesehen davon, dass sich viele Schachspieler nebenbei mit Lauf- und Krafttraining fit halten. „Mit Schach kann man außerdem seinen Intelligenzquotienten steigern, sein Gedächtnis trainieren und Probleme jeder Art leichter lösen“, verrät der Experte vom Schachzentrum Bemerode. An fünf Tischen dürfen sich Anfänger und Könner an diesem Tag messen, auch hat May ein paar Schachaufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden vorbereitet. Ob sich der persönliche IQ mit einer Stippvisite im Reich von König und Dame nennenswert steigern lässt, darf bezweifelt werden – aber anfangen kann man ja schon mal.

Zeitungen wollen medizinisches Fachchinesisch übersetzen

Im dritten Jahr finden nun schon die Gesundheitswochen „Fit & Gesund“ unter Beteiligung der Madsack Mediengruppe statt, und wie in den Vorjahren sind auch 2019 wieder eine Fülle lehrreicher Zeitungsartikel und interessanter Veranstaltungen im Angebot. „Wir kümmern uns so intensiv um dieses Thema, weil es ganz viel mit der Lebenssituation unserer Leser zu tun hat“, sagte Harald Thiel, Nachrichtenchef der Neuen Presse, im Rahmen einer Gesprächsrunde im Siloah-Krankenhaus. Felix Harbart, stellvertretender Chefredakteur der HAZ, beschrieb Journalisten als eine Art Übersetzer zwischen dem Fachchinesisch von Ärzten und den oft laienhaften Kenntnissen potenzieller Patienten: „Unsere Aufgabe ist es, unseren Lesern komplizierte Sachverhalte so gut zu erklären, dass sie sie tatsächlich verstehen.“ Dass es hier die nächsten Tage eine breit gefächerte Palette gibt, schilderte Verlagsleiter Günter Evert: „Unsere Redakteure haben mithilfe etlicher Partner und Sponsoren ein pralles Paket geschnürt, beispielsweise zu Themen wie Erste Hilfe und Demenz, aber auch mit Rezepten bei Erkältung oder Ratschlägen bei Zahnschmerz.“

Zum Programm zählen auch fünf Foren, die die HAZ mit Unterstützung des Klinikums Region Hannover und anderer Institutionen in den nächsten zwei Wochen anbietet. Am Donnerstag, 14. März, um 19.30 Uhr lautet das Thema im Foyer des Pressehauses (August-Madsack-Straße 1): Wo liegen die Risiken der Digitalisierung? In einer Podiumsrunde mit prominenten Vertretern aus den Bereichen Klinik, Apotheke und Krankenkasse geht es um den Umgang mit Patientendaten und die neue Datenschutzgrundverordnung. Um das spannende Thema Pflege dreht es sich bei einem Forum am Montag, 18. März, das wie all diese Veranstaltungen ebenfalls um 19.30 Uhr im Bemeroder Pressehaus beginnt. Hier zählt die niedersächsische Sozial- und Gesundheitsministerin Carola Reimann zu den Gesprächspartnern.

Am Dienstag, 19. März, werden Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD thematisiert; dabei sind Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut, von der Medizinischen Hochschule Hannover und der Leibniz-Universität. Über Robotik und Digitalisierung in der Medizin wird am Mittwoch, 20. März, gesprochen, auf dem Podium sitzen Fach- und Chefärzte verschiedener Kliniken aus der Region. Um Chancen und Risiken von Fitness-Trackern geht es schließlich am Donnerstag, 21. März; zum Kreis der Diskussionsteilnehmer gehören auch hier mehrere leitende Mediziner sowie ein Wissenschaftler der Sporthochschule Köln.

Die Foren sind kostenlos, Anmeldungen per E-Mail an die Adresse gesundheit@haz.de oder über die Telefonnummer (0511) 518 2684 sind möglich. Parkplätze stehen auf dem Verlagsgelände zur Verfügung, doch auch die Stadtbahn hält in Sichtweite des Pressehauses. miz

Von Michael Zgoll

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