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Aus der Stadt Steintorplatz: Viel Grün oder viel Event?
Hannover Aus der Stadt Steintorplatz: Viel Grün oder viel Event?
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00:18 07.02.2019
Wie lautet die Steintor-DNA? Stadtbaurat Uwe Bodemann bei der Präsentation der letzten Ergebnisse vor Start des Architektenwettbewerbs. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Monatelang haben Hunderte Bürger debattiert, gebastelt und gezeichnet – jetzt sollen Fachplaner versuchen, aus etwa 1500 Einzelvorschlägen zur Zukunft des Steintorplatzes ein stimmiges Modell zu entwickeln. Einfach wird das nicht, das wurde auch beim vorerst letzten Bürgerdialog am Montagabend im Alten Rathaus wieder deutlich. Denn bei der Nutzung (und damit auch: bei der Gestaltung) des Platzes gibt es widerstrebende Interessen.

1500 Quadratmeter nötig für Events auf dem Steintorplatz

Eine große Fraktion wünscht sich einen möglichst grünen Platz mit viel Charme, an dem man sich gerne aufhält und wohl fühlt. Die Nordstädterin Eva Holtz hat für diese Idee 200 Unterschriften gesammelt, „einfach nur kurz im Freundeskreis – alle sind begeistert davon“, sagt Holtz – und bekommt viel Applaus. Die andere Fraktion, nicht minder groß, will den Platz für Veranstaltungen freihalten. Beachvolleyball, eine Eislaufbahn, Spiel und Sport: temporäre Nutzungskonzepte. Tobi Tiedtke, dessen Firma X-Zone seit 24 Jahren Events auf dem Platz organisiert, stellt klar: „Wenn die Fläche begrünt ist, reicht der Platz nicht für gut besuchte Veranstaltungen aus.“ Mindestens 1500 Quadratmeter Freifläche seien nötig. Kann man mit Events zum benachbarten Goseriedeplatz ausweichen? „Nein“, sagt Sportpolitiker Horst Josch kategorisch: „Wer in der Innenstadt Freiluftveranstaltungen anbietet, braucht Sponsoren, und denen reicht ein Platz abseits von Laufwegen nicht. Das Steintor ist Hannovers idealer Veranstaltungsplatz.“ Auch das gibt viel Applaus.

Von Juni bis September wurde in der Innenstadt debattiert, jetzt reifen die Vorstellungen für eine Neugestaltung des umstrittenen Platzes. Einige Impressionen vom Dialog.

Dabei ist an dem Abend greifbar, wie die Stadt vorsichtig einen Wandel vorbereitet: Veranstaltungen auf den Goseriedeplatz zu verlegen, damit das Steintor neu gegliedert werden kann. „Einzelne raumbildende Elemente“ könnten den Steintorplatz optisch aufwerten, sagt Moderator Prof. Klaus Overmeyer. Denkbar seien etwa „ein Turm, ein Dach, ein Pavillon, eine Loggia oder ein Tor – der Platz ist sonst riesig“. Bilder zeigen, wie sich solche Elemente auf dem Platz verteilen könnten – aber mit Großveranstaltungen wäre es dann wohl vorbei. Man könne doch auch den Goseriedeplatz begrünen, sagt Tiedtke. Overmeyer wehrt das ab: Der sei doch aber gerade als steinerner Platz neu angelegt worden. Co-Moderator Christoph Walter sagt, es gebe ohnehin nur 70 Veranstaltungen im Jahr auf dem Steintor, und nur zehn Prozent davon bräuchten viel Fläche. Aber die zögen Publikum in die Stadt, widerspricht Tiedtke, und das sei angesichts einer sich wandelnden Einkaufswelt doch auch ein wichtiger Aspekt. Es bleibt ein Patt.

Massimo Dall´Asta: Drogenszene ist Gefahr für das Steintor

Auch Eiscafébetreiber Massimo Dall´Asta und Martin Prenzler von der City-Gemeinschaft warnen vor zu viel Heimeligkeit am Steintor: Die Drogenszene werde sich eines begrünten Platzes schnell bemächtigen. „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie es schon jetzt manchmal dort aussieht“, sagt Dall´Asta. Der hannoversche Planer Christian Harder drängt daher, auch an ein Pissoir zu denken – die unterirdische Toilettenanlage am Steintor sei schließlich geschlossen.

Stadtbaurat Uwe Bodemann ergreift schließlich das Wort. Es sei nun genau die Aufgabe der Fachplaner, aus den konkurrierenden Ansprüchen einen Entwurf zu erstellen. „Das Thema zieht sich durch alle Veranstaltungen: wie viel Platz für Veranstaltungen nötig ist, wie viel für Grün. Das eine gegen das andere zu stellen kann aber nicht das Ergebnis sein.“ Die Stadt denkt unter anderem daran, die große U-Bahnrampe am Steintor zuzuschütten und so Nutzfläche zu schaffen, auch die Betonhochbeete sollen weg. „Für die hat sich während der Veranstaltungen niemand stark gemacht“, verrät Moderator Overmeyer.

Planerwettbewerb soll transparent sein

Derzeit sucht die Stadt per europaweiter Ausschreibung sechs Planerbüros, die sich der Aufgabe vom Sommer an stellen wollen. Sie müssen ungewöhnlich transparent arbeiten: Im Gegensatz zu normalen Wettbewerben soll es immer wieder Phasen geben, in denen Bürger Einblick in die Planung nehmen dürfen. Mit gutem Grund. Der Streit um die einst geplante Bebauung des Platzes hat in den vergangenen Jahren viel Vertrauen zerschlagen, dass man jetzt besonders offen vorgehen möchte.

Von Conrad von Meding

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