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Aus der Stadt Strengere Kontrolle: Trinkerszene zieht vor den Hauptbahnhof
Hannover Aus der Stadt Strengere Kontrolle: Trinkerszene zieht vor den Hauptbahnhof
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00:15 16.10.2018
Vor Kaufhof auf dem Ernst-August-Platz versammelt sich jetzt regelmäßig eine Trinkergruppe. Quelle: Daniel Meier
Hannover

Die Patrouillengänge des neuen städtischen Ordnungsdienstes zeigen erste Wirkung – nicht immer im Sinne von Anwohnern und Geschäftsleuten. So lässt sich vor den Türen Kaufhofs gegenüber dem Hauptbahnhof regelmäßig eine Trinkergruppe nieder, auf dem Andreas-Hermes-Platz dünnt sich die Szene aus. „Die Trinker- und Süchtigenszene gerät in Bewegung“, sagt Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft. Menschen, die sich zuvor hinter dem Bahnhof aufhielten und wegen Fehlverhaltens von den Ordnungskräften ermahnt wurden, zögen vor den Bahnhof. Das bestätigt die Stadtverwaltung. „Nach der Intensivierung der Tätigkeit des Ordnungsdienstes rund um den Hauptbahnhof ist in Teilen eine Verlagerung der Trinker- und Obdachlosengruppen zu beobachten“, sagt Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. Einige Gruppen hielten sich jetzt auf dem Ernst-August-Platz auf. Man behalte die Situation im Blick.

Der Kontrolldruck steigt, die Szene weicht aus. Immer mehr Trinker und Obdachlose versammeln sich jetzt nicht mehr hinter sondern vor dem Hauptbahnhof.

Bei Kontrolldruck weicht die Szene aus

Die Bundespolizei, zuständig für den Bereich Hauptbahnhof, bestätigt die Beobachtungen. „Wenn der Kontrolldruck steigt, weicht die Szene aus“, sagt Detlef Lenger, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Hannover.

Rund 40 Ordnungshüter laufen jetzt in blauen Uniformen Streife, vor allem im Innenstadtbereich. Sie dürfen Personalien feststellen, Bußgeld verhängen und sogar Platzverweise aussprechen. Raschplatz, Andreas-Hermes-Platz und Weißekreuzplatz, bekannte Treffpunkte für die Trinker- und Drogenszene, gehören zu ihren ständigen Routen. Auf dem Raschplatz patrouillieren zusätzlich Sicherheitsleute der Firma Protec. „Die Mitarbeiter sind dort fast ständig mit zwei Mann präsent“, sagt Thomas Heinemann, Geschäftsführer der Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG), Eigentümerin des Areals. Neuerdings verstärkt die Polizei ihre Kontrollen auf dem Steintorplatz und zeigt dort zusammen mit den städtischen Ordnungshütern Präsenz.

Trinker versammeln sich dort, wo Leben ist

Das strengere Durchgreifen hat Konsequenzen. „Wenn jemand ständig kontrolliert wird, sucht er sich einen anderen Aufenthaltsort“, sagt Bundespolizeisprecher Lenger. Klar sei auch, dass Trinker und Obdachlose nicht auf abgelegene Plätze ausweichen, sondern sich dort versammeln, wo andere Menschen unterwegs sind. „Sie wollen am Leben teilnehmen, und das ist verständlich“, sagt Lenger. Anwohner im Umfeld des Weißekreuzplatzes berichten, dass sich Trinkergruppen neuerdings vor dem Kaufland-Eingang in der Rundestraße niederlassen. Andere Anwohner meinen, dass sich die Szene in die Wohnstraßen der List verlagere. Das dementiert die Stadt. „Eine Verlagerung in die List hat nach unseren Erkenntnissen bisher nicht stattgefunden“, sagt Kalmus. Grundsätzlich werde man dafür Sorge tragen, dass auch an möglichen neuen Orten störende Verhaltensweisen unterbunden und bestehende Regeln eingehalten werden.

Notrufnummer für den Ordnungsdienst: Die Stadtverwaltung arbeitet derzeit an einer einprägsamen, zentralen Rufnummer für den städtischen Ordnungsdienst. Die Mitarbeiter sollen für die Bürger schnell erreichbar sein. „Sobald die Nummer feststeht, werden wir sie kommunizieren“, sagt Stadtsprecherin Annika Schach. Die Stadt prüft ebenfalls, ob sie die zentrale Behördennummer 115 einführt. Mehr als 500 Kommunen haben sich deutschlandweit dem 115-Verbund angeschlossen. In der Region Hannover hat nur Uetze die zentrale Servicenummer eingerichtet, in Laatzen fordert die Politik, dem Verbund beizutreten. Für Hannover gilt bis auf Weiteres die zentrale Verwaltungsnummer 168-0.

Von Andreas Schinkel

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