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Aus der Stadt Grundstein für eine neue Tradition
Hannover Aus der Stadt Grundstein für eine neue Tradition
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00:15 04.05.2014
Von Andreas Schinkel
Trotz des regnerischen Wetters nahmen Tausende an der Mai-Kundgebung in Hannover teil. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Schlimmer hätte der Einstand auf dem Trammplatz kaum sein können – zumindest aus meteorologischer Sicht. Noch bevor die traditionelle Maikundgebung so richtig begann, waren die Wiesen neben dem Rathaus schon durchweicht. Zu manchen Festzelten und Infoständen kam man nur mit festem Schuhwerk. „Auf dem Klagesmarkt hatten wir besseres Wetter“, scherzten Gewerkschafter. Dennoch versammelten sich am Donnerstag rund 10.000 Menschen zum ersten Mal auf dem Trammplatz zu einer Maikundgebung. Am Zug durch die City Hannovers beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben 3000 bis 4000 Demonstranten, die Polizei zählte nur 1800 Teilnehmer.

Dem Regen zum Trotz: Auch in Hannover beteiligten sich am Donnerstag wieder zahlreiche Menschen an den Demonstrationen zum 1. Mai.

Jahrzehntelang hatte das Fest der Arbeit auf dem Klagesmarkt stattgefunden, doch dort entstehen jetzt Wohnhäuser. Auch in Zukunft werden die Gewerkschaften ihre Maikundgebung vor dem Rathaus abhalten. „Ich habe ein merkwürdiges Gefühl dabei“, räumt DGB-Regionschef Reiner Eifler in seiner Ansprache ein. Für ihn ist es eine Premiere, denn das Amt hat er erst seit einigen Monaten inne. Zwar sei der Klagesmarkt nun Geschichte, fährt er fort, aber wenn er seinen Blick über die vielen Menschen auf dem Trammplatz schweifen lasse, dann gefalle ihm das auch ganz gut. Keiner mag ihm widersprechen.

Der nachfolgende Redner, Oberbürgermeister Stephan Schostok (SPD), setzt noch einen drauf. „Wir legen hier den Grundstein für eine neue Tradition“, ruft er in die Menge. Schließlich sei der Trammplatz ebenfalls ein politisch und historisch bedeutsamer Ort. „Das Rathaus selbst ist Ausdruck eines selbstbewussten Bürgertums“, sagt Schostok. Auch für ihn ist es eine Premiere, als Stadtoberhaupt beim Gewerkschaftsfest zu sprechen. Seine Rede fällt wenig staatstragend aus, sie enthält viele politische, ja kämpferische Töne. Eine Schande sei es, ruft Schostok, dass Südosteuropäer in Deutschland angeworben werden und dann in prekären Mietverhältnissen leben müssten. „Gewerkschaften sollten sich stärker auf europäischer Ebene vernetzen“, sagt er.

Schostok lobt die vielen Nachbarschaftsinitiativen in Hannover, die Flüchtlingen unter die Arme greifen. Zugleich fordert er die Bundesregierung auf, Ausländern endlich ein kommunales Wahlrecht einzuräumen. Derweil zerren mehrere jugendliche Demonstrationsteilnehmer ein Wahlplakat der rechtsextremen NPD vom Laternenpfahl neben der Rednerbühne, dafür gibt’s Applaus. Schostok schließt seine Rede mit einem Appell: Jeder solle doch bitteschön am 25. Mai die Wahlkabine aufsuchen, um die Zusammensetzung des Europaparlaments und den neuen Präsidenten der Region Hannover mitzubestimmen. „Gehen Sie doch jetzt gleich wählen, das Wahlbüro im Rathaus ist heute geöffnet“, sagt Schostok. Tatsächlich lassen sich viele nicht lange bitten. Rund 150 Wähler machen am Feiertag ihr Kreuzchen im Rathaus, auch das eine Premiere.

Der Rundumschlag Schostoks lässt Hauptrednerin Ulrike Laux von der IG Bau nicht mehr viel Spielraum. Sie unternimmt einen Parforceritt durch die Geschichte der gewerkschaftlichen Forderungen. Von der Idee der 40-Stunden-Woche und dem Sonnabend, an dem „der Papi mir gehört“ bis zur 32-Stunden-Woche für Eltern. „Jetzt haben wir eine gegenläufige Tendenz“, sagt Laux. Die Arbeitnehmer häuften immer mehr Überstunden an, die oft nicht einmal vergütet werden. „Taktgeber des Lebens soll die Familie sein“, zitiert Laux aus einem Papier der Bundesregierung. Diesen Worten sollten Taten folgen.

Beim geselligen Teil des Maifests ist dann alles wie immer. Kinder fahren Karussell, Eltern stärken sich an den Buden, die Weltmusiker auf der Bühne geben einen fröhlichen Takt vor. Nicht viel anders als auf dem Klagesmarkt.     

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