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„Zu jedem Buch eine Geschichte“

Bibliophilie „Zu jedem Buch eine Geschichte“

Seit 20 Jahren treffen sich hannoversche Bibliophile - beim 100. Abend stellen sie ihre Lieblingsbücher vor.

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Werner Heine (links) und Hans-Peter Schramm zeigen vor dem 100. Abend der Hannoverschen Bibliophilen ihre Lieblingsbücher. Fotos: Wallmüller (2)

Quelle: Michael Wallmueller

Hannover. Reich? Nein, das könne man mit dieser Leidenschaft nicht werden. „Im Herzen allerdings schon“, sagt Hans-Peter Schramm. Liebe lässt sich eben schwer in Euro bemessen. Und tiefe Gefühle sind es durchaus, die Schramm und Werner Heine seit Jahrzehnten umtreiben: eine ausgeprägte Zuneigung zum Buch. Gemeinsam mit einigen weiteren Buchenthusiasten haben sie vor 20 Jahren den „Hannoverschen Bibliophilen Abend“ (HBA) ins Leben gerufen. Dieser HBA hat Bestand: Jetzt steht der 100. Abend an, an dem der lose Zusammenschluss von Bücherfreunden zum Treffen einlädt - heute kann man in der Stadtbibliothek seine Lieblingsdrucksachen vorstellen.

Bei Schramm, ehemals Professor für Buchgeschichte an der Fachhochschule Hannover, und Heine, der früher Archivar im Stadtarchiv Hannover war, hat sich die Liebe zum Buch in Studentenzeiten entwickelt. Meist sammeln Bibliophile alte, kunstvoll gestaltete Druckerzeugnisse. Wie das 1930 in Paris erschienene Buch „Les Rencontres de Monsieur de Brézat“ von Henri de Régnier, das der 68-jährige Heine beim Interview vorsichtig aus der Tasche holt. Ein anderes Exemplar aus Heines Sammlung ist eine Werbebroschüre für die Reichstagswahl 1936. Das Werbeblatt hat e. o. plauen gestaltet, von dem auch die berühmten „Vater und Sohn“-Bildergeschichten stammen. Und dann ist da noch Hans Heises Geschichte „Im Kemi lag das Hochzeitskleid“ aus Heines Sammlung. Auf dem Cover des Taschenbuchs heißt es: „Vor seiner dumpfen Begierde entfloh sie in ein ungewisses Abenteuer.“ Erschienen ist das Buch im hannoverschen Lehning-Verlag, der mittlerweile nicht mehr existiert.

Wo genau sie ihre Buchschätze gefunden oder gekauft haben, verraten die beiden Sammler nicht. Heine sagt: „Ich laufe seit 45 Jahren über Flohmärkte.“ Schramm hat gerade einige Koffer und Kisten mit Büchern geschenkt bekommen. Ein betagter Hannoveraner ist umgezogen und hat sich von zahlreichen Büchern getrennt.

Wie fast alle Sammler kennen auch die beiden Bibliophilen die Frage: Wohin mit all den Schätzen, die im Laufe der Jahre zusammengekommen sind? Schramm hat so „an die 6000, vielleicht auch 8000 Bücher“ zu Hause. Sein umtriebiger Kollege, der nebenbei ein bisschen als Antiquar tätig ist, weigert sich standhaft, die Größe seiner Sammlung zu beziffern. Sie dürfte aber ziemlich umfangreich sein. Ob er das alles gelesen habe, wird Heine oft von Besuchern gefragt. „Natürlich nicht“, sagt er dann, „aber ich kann zu jedem Buch eine Geschichte erzählen.“

Die beiden Bücherfreunde interessieren sich für nahezu alles rund ums Buch. Das verdeutlichen auch die Themen der Vorträge, die verschiedenste Referenten seit Gründung des HBA gehalten haben. Da ging es mal um die Vermarktungsstrategien der Jules-Verne-Romane, mal um außergewöhnliche Buchstützen. Dokumentiert sind die Vorträge in wunderschön gestalteten Broschüren, die alle paar Jahre erscheinen. Auf dem Umschlag prangt jeweils der kalligrafische HBA-Schriftzug, den Hans Burkardt, ehemals Rektor der Fachhochschule Hannover, entworfen hat. Bei dem 100. Treffen heute Abend kann man den brandneuen Band für 20 Euro erwerben.

Auf den „Genuss, ein Buch durchzublättern“ werden Menschen auch künftig nicht verzichten wollen, glaubt Werner Heine. E-Books ängstigen die Sammler nicht, sondern interessieren sie vielmehr. Hans-Peter Schramm zum Beispiel findet die „Ästhetik des Digitalen“ spannend, auch wenn der 77-Jährige sich selbst da nicht mehr einarbeiten möchte.

Beim 100. Bibliophilen-Abend heute, ab 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek, Hildesheimer Straße 12, geht es um Lieblingsbücher. Alle Besucher sind willkommen. Wer einen Band vorstellen möchte, soll sich bei Hans-Peter.Schramm@gmx.net anmelden.

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