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Aus der Stadt 100.000 Besucher bei autofreiem Sonntag in Hannovers City
Hannover Aus der Stadt 100.000 Besucher bei autofreiem Sonntag in Hannovers City
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21:34 16.05.2010
Von Stefanie Kaune
Der autofreie Sonntag hat rund 100.000 Besucher in Hannovers City gelockt. Quelle: Martin Steiner
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Vom Jazz auf dem Trammplatz hatte sie sich Himmelfahrt noch nicht locken lassen. Doch drei Tage später, bei der nächsten Großveranstaltung in der Innenstadt, ließ sich die Sonne erstmals nach langer Pause wieder blicken – und machte Veranstaltern und Besuchern beim autofreien Sonntag allerbeste Laune. Es schien, als habe sich die zuletzt äußerst launische Sonne überlegt, dass es unpassend sei, auch noch bei einer Veranstaltung zu fehlen, die sich als fröhlicher Aktionstag für Klimaschutz und nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen versteht und sogar das Solarfest integriert hat. Vielleicht hatte sie sich aber auch einfach gedacht, dass es all den vielen Radlern, Fußgängern und Skatern eben mehr Spaß macht, bei Sonnenschein CO²-neutral unterwegs zu sein als bei Regenhimmel.

Prompt gab es beim mittlerweile dritten autofreien Sonntag in Hannover einen Besucherrekord: Rund 100.000 Menschen zählten die Veranstalter von der Stadt zwischen 11 und 18 Uhr in der für den Autoverkehr gesperrten Zone im Zentrum, in der 120 Organisationen, Vereine und Firmen für Information und Unterhaltung sorgten. Im vergangenen Jahr hatte es 80.000 Besucher gegeben, bei der Premiere 2008 waren es 75.000. „Ein voller Erfolg“, sagte Umweltdezernent Hans Mönninghoff am frühen Abend über die aktuelle Publikumsresonanz. Die Zahl sei mit der Polizei abgestimmt, betonte der Dezernent, der sich zuletzt Kritik der CDU/FDP-Ratsopposition und des Steuerzahlerbundes am autofreien Sonntag anhören musste. Die Kritiker hatten den Tag für überflüssig erklärt und bemängelt, dass er mit 75.000 Euro aus der Stadtkasse unterstützt wird.

„Ich habe nicht den Eindruck, dass sich die Veranstaltung überlebt hat und bin guten Mutes, dass wir uns nächstes Jahr hier wiedersehen“, hatte Oberbürgermeister Stephan Weil bereits am Vormittag bei der Eröffnung zusammen mit Mönninghoff und Regionspräsident Hauke Jagau auf der HAZ-Bühne gegenüber der Markthalle erklärt. Der autofreie Sonntag sei von Jahr zu Jahr attraktiver und vielfältiger geworden, befand Weil. In der Tat: Neben Klassikern wie der Fahrradmeile, der alternativen Automobilausstellung, Skater- und Streetsportparcours, Kinderspielen sowie dem Solarfest am Opernplatz gab es jetzt auch einen Kleidertauschmarkt, eine Zirkus- und Artistikmeile in der Osterstraße, ein Turnier im Fahrradpolo und am Aegi sogar einen Poetry-Slam, einen Dichterwettstreit zum Thema Verkehr. Sicher kann man da fragen, wie weit man den Mobilitäts- und Umweltgedanken fassen will. Man kann sich aber auch sagen, dass gestern ein großes, buntes Familienfest gefeiert wurde, das ökologisches Bewusstsein ohne Zeigefinger vermitteln will – und dass ohne diesen Ansatz kein breites Publikum erreicht werden kann.

Viele Familien mit Kindern waren unterwegs. Über Straßen, die sonst zum Teil mehrspurig von Autos befahren werden, flanierten Spaziergänger, flitzten Skater und fuhren alle Arten von Fahrrädern – kollektiv noch einmal zu bewundern bei der ADFC-Fahrraddemo. Einer der vielleicht schönsten Orte in der autofreien Zone war dabei die mit 320 Quadratmetern Rollrasen und vielen Pflanzkübeln geschaffene grüne Oase „Picknick im Park“ der Region Hannover in der Georgstraße.

Dem Motto des Tages gemäß waren auch die drei Eröffnungsredner in die City gelangt: Mönninghoff per Stadtbahn, Weil mit dem Fahrrad aus Kirchrode und Jagau ebenso aus Laatzen, zusammen mit seinem zwölfjährigen Sohn Julius. Die beiden mussten kräftig strampeln: „Wir hatten auf acht Kilometern Gegenwind.“ Windig war es tatsächlich an diesem sonnigen Sonntag. Mancher Aussteller auf der Fahrradmeile am Leibnizufer musste das eine oder andere Rad neu aufstellen, das schlicht umgepustet worden war. „Doch was soll’s?“, meinte Christoph Peter vom Hollandradhandel „Flying Dutchmen“. „Hauptsache, die Sonne ist endlich mal wieder da.“

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