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1000 Fans treffen sich zur "Pokémon Go"-Nachtwanderung

Trendspiel "Pokémon Go" 1000 Fans treffen sich zur "Pokémon Go"-Nachtwanderung

"Pokémon Go" ist das Smartphone-Spiel der Stunde - und bringt viele junge Menschen an die frische Luft. Am Freitagabend haben sich gut 1000 Fans am Kröpcke zur "Pokémon"-Nachtwanderung durch die City getroffen.

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„... eine schöne Möglichkeit, sich mit Freunden zu treffen“: Rund 1000 Pokémon-Fans spielen am Kröpcke.Foto: Körner

Quelle: Alexander Körner

Hannover. Um 21 Uhr gibt es kurzzeitig kein Durchkommen mehr am Spielplatz im Maschpark. Rund 200 Menschen sitzen auf den Bänken, haben sich auf dem Klettergerüüst niedergelassen, sogar die Zäune nutzen sie als Sitzgelegenheit. "Hier sind gleich drei "Pokè-Stops"  auf einer Stelle", erklärt einer, der kurz von seinem Hanndy aufblickt. Genau wie die unzähligen anderen Personen spielt er  „Pokémon Go".

Gut 1000 Menschen haben sich am Freitag in der Stadt versammelt um das Smartphone-Game der Stunde, "Pokémon Go", zu spielen.

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Nur zwei Tage nach dem offiziellen Start des Smartphone-Spiels in Deutschland haben sich rund 1000 Fans der japanischen Fantasiewesen am Kröpcke für die 1. „Pokémon Go“-Nachtwanderung verabredet und damit den endgültigen Beweis angetreten, dass der Hype auch die niedersächsische Landeshauptstadt erreicht hat. Mit dem Handy im Anschlag zogen die Spieler in Gruppen, teilweise sogar als "Pokémon" verkleidet, durch die Innenstadt, um gemeinsam auf die Jagd nach den namensgebenden virtuellen Monstern zu gehen. Zuvor hatten sich die Teilnehmer über das soziale Netzwerk Facebook zu dieser Nachtwanderung verabredet.

„Es ist einfach eine Erinnerung an die Kindheit“, sagt die 17-jährige Antonia, die extra aus Burgdorf nach Hannover gekommen ist. Genau wie ihre Freunde Josh, Hagen und Paul hat sie schon als Kind die Pokémon-Spiele auf dem Nintendo gespielt. „Durch die App spielt man aber nicht mehr nur den Pokémon-Trainer“, sagt Hagen. „Man wird selbst einer.“ Außerdem sei es eine schöne Möglichkeit, sich mit Freunden zu treffen und nach draußen zu gehen. Genau das machten am Freitagabend rund 1000 Pokémon-Fans.

Nikita Klein, der den Termin anberaumt hatte, war selbst von der großen Teilnehmerzahl überrascht. „Ich hoffe, dass trotz der vielen Menschen alles ruhig und gesittet abläuft“, sagte er am Abend. Als sich nur einen Tag nach seinem Aufruf am Donnerstag schon mehr als 1000 Personen angemeldet hatte, begann er das Treffen in geordnete Bahnen zu lenken und schaltete am Ende sogar die Polizei ein. Dort blieb man trotz der großen Teilnehmerzahl entspannt. „Unsere Kollegen von der Polizeiinspektion Mitte wissen von der Veranstaltung und haben ein Auge darauf“, sagte ein Polizeisprecher. 

Was Sie über „Pokémon Go“ wissen müssen – und was Kritiker über das Spiel sagen

Wie funktioniert das Spiel „Pokémon Go“ genau?

„Pokémon Go“ ist eine Smartphone-App, die nach dem Konzept der digital erweiterten Wirklichkeit (Fachbegriff: Augmented Reality) funktioniert. Das Spiel nimmt über die Handykamera Bilder der realen Umwelt auf und verwendet sie quasi live als Kulisse für das Computerspiel. So tauchen die Pokémons, die Spielfiguren, auf dem Handybildschirm scheinbar an realen Plätzen Hannovers auf. Der Spieler kann sie fangen, für den Kampf trainieren und gegen die Pokémons anderer Mitspieler antreten lassen. Das Spiel an sich ist kostenlos. Spieler können aber gegen echtes Geld zum Beispiel virtuelle Köder kaufen, mit denen sie mehr Minimonster anlocken, fangen und der Riege ihrer Kämpfer hinzufügen.

Was macht Experten Sorgen?

„Das Spiel verführt vor allem Kinder, auf der Jagd nach Pokémons an Orte zu gehen, an die sie nicht gehören“, sagt Kevin Schomburg von WhiteIT. Dieses 2009 gegründete Bündnis von Vertretern öffentlicher Institutionen, Behörden und Unternehmen hat sich bisher vorrangig um die Eindämmung sexueller Gewalt gegen Kinder und deren Darstellung im Internet gekümmert. „Das Spiel, das derzeit fast jedes Kind und jeder Jugendlicher kennt, birgt eine Chance für pädophile Täter, mit möglichen Opfern in Kontakt zu kommen“, erklärt Schomburg. Während die Täter beispielsweise in Foren im Internet erst einmal das Vertrauen der Kinder gewinnen müssten, könnten sie mithilfe der App schnell ein Vertrauensverhältnis aufbauen. „Allein der Einstieg in ein Gespräch gelingt sehr leicht“, sagt Schomburg. „Die Täter fragen die Kinder, welche Pokémon sie schon haben, und signalisieren, dass sie das Spiel auch spielen.“

Welche anderen Risiken birgt das Spiel für Kinder?

Die Technik birgt Möglichkeiten, mittels des Spiels auch unlautere Absichten zu verfolgen. Spieler können die kostenpflichtigen Lockmittel im Spiel einsetzen, um viele Pokémon an bestimmte Stelle in der Stadt zu locken – und damit viele Spieler, die diese Pokémon fangen wollen. Ein Comicladen an der Goseriede hat gestern diese Methode eingesetzt, um Kunden zu seinem Geschäft zu locken. Dagegen ist nichts einzuwenden. „Natürlich können aber auch Kriminelle die Methode nutzen, um potenzielle Opfer an eine bestimmte Stelle zu bekommen“, sagt Schomburg. In den USA hat die Polizei verdächtige festgenommen, die Nutzer des Spiels in einen Hinterhalt gelockt und ausgeraubt haben sollen.

Was können Eltern tun, denen das „Pokémon Go“-Spiel ihrer Kinder nicht geheuer ist?

„Es ist ganz wichtig, dass sich die Eltern auch selbst mit der App beschäftigen“, sagt Schomburg. Nur so könnten sie verstehen, was ihre Kinder tun, und ihnen gegebenenfalls Grenzen setzen. „Wenn ein Kind früher am Abend nicht nach Hause gekommen ist, dann wusste man meist, es ist auf dem Spielplatz oder dem Fußballfeld um die Ecke“, erklärt Schomburg. Mit „Pokémon Go“ sei es aber möglich, dass die Kinder auf der Jagd nach den virtuellen Monstern einfach den Stadtteil verlassen hätten und an einem ganz anderen Ort in der Stadt seien. „Und dann kann es gefährlich werden“, sagt Schomburg.

„Pokémon Go“ wird im öffentlichen Straßenraum gespielt. Birgt das nicht die Gefahr von Unfällen?

Im niedersächsischen Innenministerium wird vor genau dieser Gefahr gewarnt. „Spiele wie ,Pokémon Go‘ verstärken das Phänomen der ,Generation Head Down‘“, sagt Behördensprecher Matthias Eichler. Die App animiere Spieler, ihre Umgebung durch einen virtuellen Filter zu betrachten und lasse dadurch die Risiken des Straßenverkehrs in den Hintergrund treten. „So entstehen immer wieder kritische Situationen bis hin zu Unfällen mit zum Teil schwersten Folgen“, sagt Eichler.    

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