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1000 e.on-Mitarbeiter bangen in Hannover um ihre Jobs

Arbeitsplatzabbau 1000 e.on-Mitarbeiter bangen in Hannover um ihre Jobs

e.on-Chef Johannes Teyssen stimmt die Belegschaft nach der Wende in der Atompolitik auf einen drastischen Arbeitsplatzabbau ein. Deutschlands größter Energiekonzern prüft den Abbau von weltweit bis zu 11.000 Arbeitsplätzen – in Hannover bangen 1000 Mitarbeiter um ihre Jobs.

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Von der alten Preusse-Elektra-Zentrale in Hannover aus steuert e.on heute seine Kraftwerksflotte für ganz Europa.

Quelle: Kristoffer Finn

Hannover. Es muss keine schlechte Nachricht sein, wenn verdiente Mitarbeiter ihre Schreibtische räumen. Natürlich wollen viele gern in der Zentrale bleiben, aber im Herbst 1990 zieht der Vorstand die Reißleine: 200 Beschäftigte müssen ihre Büros in der Tresckowstraße verlassen. Der Abschied vom hannoverschen Mühlenberg ist aber kein großes Opfer, der Umzug führt nur ins benachbarte Lehrte – im Haupthaus benötigt die PreussenElektra Platz für neue Leute.

Zu dieser Zeit stehen die Zeichen beim Energieversorger nicht nur in Hannover noch auf Wachstum: Die Grenzen der Gebietsmonopole gelten als unverrückbar, Gewinne als staatlich garantiert und ein Atomausstieg als völlig undenkbar. Nach und nach haben sich diese Gewissheiten in Luft aufgelöst, auch der alte Firmenname ist verloren gegangen – und wenn die e.on-Mitarbeiter von heute morgens ihre Computer hochfahren, befürchten sie beim Blick ins Intranet das Schlimmste: die Nachricht vom Aus für ihren Standort.

Schon seit einiger Zeit tut man sich in Hannover schwer, im Großkonzern e.on seinen Platz zu finden. Bereits kurz nach der Fusion der Industriekonglomerate Veba und Viag samt ihrer Stromtöchter Preussen Elektra und Bayernwerk zum führenden deutschen Energieversorger im Jahr 2000 hat die einstige Zentrale am Mühlenberg viele Kompetenzen verloren: Die e.on-Spitze in Düsseldorf gibt seither die große Linie vor, die Zwischenholding e.on Energie steuert aus München das Tagesgeschäft, Hannover kontrolliert nur den Betrieb der Kraftwerke.

Verantwortlich für diesen ersten Verlust an Macht und Bedeutung war auch damals schon die Politik: Weil Bayern eine Sperrminorität an der Viag hielt, konnte die dortige Landesregierung den Abzug wichtiger Managementfunktionen aus Hannover durchsetzen. Auch dass die neue e.on Energie von der alten PreussenElektra-Spitze um Hans-Dieter Harig geführt wurde, empfand nicht jeder auf dem Mühlenberg als ausreichende Kompensation: Die Tresckowstraße wurde zu einer Durchgangsstation für das mittlere Management, eine weitere Stufe auf der Karriereleiter.

Hoffnung keimt erst wieder auf, als der neue e.on-Chef Johannes Teyssen unmittelbar nach seiner Amtsübernahme im Mai vergangenen Jahres daran-geht, den Konzern auf mehr Effizienz zu trimmen. Mit e.on Kraftwerke und e.on Kernkraft haben die beiden wichtigsten Erzeugungsgesellschaften bereits ihren Sitz in Hannover – nun soll die Flotte aller 370 europäischen Atom-, Kohle-, Gas- und Wasserkraftanlagen des Konzerns von hier gesteuert werden. Um die „Flotten“ schlank zu halten, müssen sie ohne eigene Fachkräfte für Personal, Controlling, Recht und Einkauf auskommen. Etwa 200 Stellen in der Verwaltung könnten so wegfallen, heißt es zwischenzeitlich.

In Hannover sieht man das als Chance. Während die Kompetenzen der Kollegen in München zugunsten der Konzernzentrale in Düsseldorf mehr und mehr beschnitten werden, gewinnen die Manager am Mühlenberg an operativer Freiheit: Als Chef der Kraftwerksflotte berichtet Bernhard Fischer direkt an die Konzernspitze.

Nun aber sieht es so aus, als könnte der eben erst errungene Erfolg in der internen Standortkonkurrenz von sehr kurzer Dauer sein: Laut einem Vorstandspapier aus Düsseldorf sollen drei Standorte aufgelöst werden, neben Hannover sind von diesem Plan angeblich auch der alte Rivale München und Essen als Sitz von e.on Ruhrgas betroffen. Als erste Spekulationen darüber die Runde machen, schütteln Mitarbeiter und Betriebsräte noch ungläubig die Köpfe: Am Mühlenberg planen sie gerade einen Betriebskindergarten, Kraftwerke-Chef Fischer baut in Gehrden ein Haus – und dann so etwas? Hätte nicht zumindest der Manager etwas ahnen müssen?

Spätestens seit dem Wochenende nehmen zumindest die Arbeitnehmervertreter die Ansagen aus Düsseldorf ernst. Nach der überraschenden Atomwende der Bundesregierung wolle der Konzern um jeden Preis sparen, heißt es von Betriebsratsseite – im Zweifel auch auf Kosten sinnvoller Strukturen. Am Montag und Dienstag hat e.on-Chef Teyssen versucht, seine Aufsichtsräte von seinem Konzept zu überzeugen, am heutigen Mittwoch will er erst die Mitarbeiter und dann die Anleger über das Ergebnis informieren.

Am hannoverschen Mühlenberg beschäftigt e.on zurzeit rund 1000 Mitarbeiter. Dass alle ihre Umzugskartons packen müssen, kann sich keiner so richtig vorstellen. In Düsseldorf reiche die Kapazität für so viele nicht aus, heißt es.

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