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Kein gutes Timing für eine Geburtstagsfeier

120 Jahre 96 Kein gutes Timing für eine Geburtstagsfeier

120 Jahre Hannover 96 – derzeit ist aber niemand zum Feiern zumute. Und deshalb gab es am Dienstag nur einen städtischen Geburtstagsempfang für den Verein Hannover 96. Und dazu kamen nicht nur Fußballprofis.

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Nostalgisch: Konstanze Beckedorf (v. l.), Martin Kind, Stefan Schostok und Valentin Schmidt. Foto: Petrow (2)

Quelle: Florian Petrow

Hannover. Es dauerte handgestoppte sieben Minuten und 31 Sekunden, bis das unvermeidliche A-Wort fiel. Stefan Schostok hatte bis dahin souverän und angeregt über 120 Jahre Hannover 96 parliert, über schwarz-weiße Zeiten und Herzensangelegenheiten, über Tradition und Fantreue. Und wie der Oberbürgermeister so da stand zwischen den Repliken von DFB-Pokal und Meisterschale, sah das alles nach prima Feierlaune aus beim Geburtstagsempfang im Ratssaal des Rathauses. Und als dann auch noch jemand die Tür zu jenem Balkon aufmachte, auf dem Karsten Surmann, anwesend, vor 26 Jahren als Kapitän des Sensations-DFB-Pokalsiegers den Pott präsentiert hatte, da wehte wirklich eine Brise Wehmut in die gute Stube.

Die Stadt Hannover hat das 120. Jubiläum eines ihrer tradtionsreichsten Vereine mit einem Empfang im Rathaus gewürdigt.

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Doch dann kam die achte Minute, in der Schostok dann doch dieses Wort, dieses „Abstieg“ sagte, so korrekt wie höflich garniert mit einem „wahrscheinlich“. Und genau in dieser achten Minute waren sie alle wieder in der Realität angekommen, 96-Boss Martin Kind, Aufsichtsratschef Valentin Schmidt, Geschäftsführer Martin Bader, ehemalige Spieler wie Dieter Schatzschneider und eben Pokalheld Karsten Surmann, die Dezernentinnen Sabine Tegtmeyer-Dette und die für Sport zuständige Konstanze Beckedorf, Stadtsportbundchefin Rita Girschikofsky und andere.

Aber: Was soll man machen? Es ist schlicht kein gutes Timing für eine Geburtstagsfeier, wenn man nach 14 Jahren Eliteliga vor dem Abgang in die Zweitklassigkeit, vor einem Umbruch, Neuaufbau und insgesamt vor einer ziemlich ungewissen Zukunft steht. „Alle wünschen sich, dass es wieder aufwärts geht“, sagte Schostok und verband diesen Wunsch mit der Bitte an die Runde, alles dafür zu tun, dass die Zweitklassigkeit nur eine Zwischenphase sei.

Allerdings erfordern 120 Jahre Vereinsgeschichte auch einen Blick von weiter oben. Da sieht man dann manche Durststrecke, die der 96-Profifußball erlebt hat, so wie 1996, als es zum Hundertjährigen Geburtstag in die Regionalliga ging. Aber bei einem mehrfach titeldekorierten Verein, der älter ist als das Rathaus, wird in der Gesamtbetrachtung jeder Abstieg zur Zwischenphase.

Valentin Schmidt, der die Ratsstube schon zu seiner Zeit als junger Jurist bei der Stadt Anfang der Siebziger kannte, bedankte sich bei Schostok für die Einladung, erinnerte aber auch gleich daran, dass nicht der Profifußball bei Hannover 96 Geburtstag habe, sondern der Gesamtverein mit seinen 13 Abteilungen, wo hart und oft ehrenamtlich gearbeitet werde, von Menschen, die „das 96-Gen“ in sich trügen. „Wer einmal bei 96 Sport getrieben hat, der bleibt durch und durch 96er“, sagte der Aufsichtsratschef. Zur aktuellen Misslage der Profis sagte Schmidt: „Wenn die Menschen schimpfen im Augenblick, ist das nicht so abwegig. Wer schimpft, dokumentiert, dass er an dem Verein hängt.“

Am Ende gab es eine Art Wimpeltausch. 96 bekam von Schostok eine Leibniz-Büste - und übergab ihm zwei der schicken roten Nostalgietrikots, die die Profis am Freitag beim Gladbach-Spiel tragen werden.

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